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Neue Tabakrichtlinie: Gruselbilder und Menthol-Verbot

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Die EU will den Tabakhandel schärfer regulieren. Foto: dpa-tmn
Die EU sagt mit einer verschärften Richtlinie der Tabakindustrie den Kampf an: Menthol-Zigaretten und Slim-Formate sollen demnach verboten werden. Auf den Packungen sollen Schockfotos abschrecken.  Von
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Brüssel

Die  EU-Kommission will mit Schockbildern auf Zigarettenschachteln und einer Reduzierung von  Geschmacksstoffen im Tabak das Rauchen eindämmen.  Das sagte am Donnerstag ein Sprecher des neuen EU-Gesundheitsministers Tonio Borg der Berliner Zeitung. Schon am nächsten Mittwoch soll der Entwurf der lang erwarteten Tabakdirektive verabschiedet werden. 

„Der Entwurf wird eine substanzielle Vergrößerung der Gesundheitshinweise beinhalten und den Aufdruck von abschreckenden Fotos vorsehen“, sagte der Sprecher.   Nach Informationen aus EU-Kreisen sieht der Kommissionsentwurf vor, dass die Warnhinweise künftig drei Viertel der Vorder- und Rückseite der Zigarettenpackung einnehmen müssen. Die  Bilder könnten  lungenkrebskranke Menschen oder drastische Schäden an Zähnen und Füßen zeigen, die durch das Rauchen verursacht werden können.  Die Markennamen dürfen künftig nur noch klein gedruckt werden. Das neue Design soll ab den Jahren  2015/2016 gelten.

Zusatzstoffe, die unter anderem den scharfen Geschmack von brennendem Tabak überdecken sollen, will die Kommission nach Angaben des Sprechers zudem reduzieren. Das könnte bedeuten, dass Aromen wie Vanillin, Honig, Schokolade, Zucker oder Menthol künftig den  Glimmstängeln nicht mehr beigemischt werden dürfen.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), begrüßte die Pläne der EU-Kommission. Ein Verbot von suchtfördernden Zusatzstoffen unterstütze sie ausdrücklich, sagte Dyckmans der Berliner Zeitung.  „Zusatzstoffe wie beispielsweise  Menthol mindern den Hustenreiz und fördern damit einen frühen Einstieg in das Rauchen“,  sagte sie.  „Auch große Warnhinweise können eine sinnvolle Maßnahme sein, um Raucherinnen und Rauchern die gesundheitlichen Gefahren vor Augen zu führen.“ Ebenso könne ein Verbot von dünnen Zigaretten, die speziell Frauen ansprechen, das Rauchverhalten von Frauen beeinflussen, so die FDP-Politikerin.

Tabakgegner und Tabakindustrie sind mit dem Entwurf  dagegen nicht zufrieden. „Das ist eine herbe Enttäuschung“, sagte Johannes Spatz, Leiter des Forums Rauchfrei. „Wir bleiben damit weit zurück hinter Australien, das Einheitsverpackungen eingeführt hat, die auch Großbritannien als Vorbild dinene.“ Er habe den Eindruck, dass die Tabaklobby erfolgreich arbeite.

Gefährlich
Abgewendet
Lukrativ

In Deutschland sterben jährlich zwischen 110000 und 140000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Drei von fünf Rauchern wollen aufhören. Das sind zwölf Millionen Menschen.

Vor allem die Oberschicht hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland vom Rauchen abgewendet. Eine Zunahme gibt fast nur bei jungen Frauen.

Für die Tabakkonzerne ist das Geschäft mit der Sucht attraktiv.  840 Zigaretten werden im Schnitt weltweit jährlich pro Person (inklusive Kinder) verkauft. Die Tabakkonzerne wachsen vor allem in Asien und machen weiterhin Milliardengewinne.

„Für uns entsprechen die geplanten Massnahmen einer Einführung der Einheitspackungen durch die Hintertür“, sagte Marcus Schmidt, Generalmanager von Reemtsma  und  Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zigarettenverbands. „Das kommt der Enteignung unserer Marken nahe. Dagegen werden wir uns mit allen Mitteln wehren und wenn nötig bis zum europäischen Gerichtshof ziehen.“

Die Vorlage der verschärften Tabak-Regeln hatte sich in den vergangenen Monaten immer wieder verzögert. Vor wenigen Wochen war der bisherige EU-Gesundheitskommissar John Dalli über Bestechungsvorwürfe gestürzt. Eine ihm nahestehende Person soll gegen eine Millionenzahlung einem schwedischen Tabakunternehmen ein Gespräch mit dem Kommissar angeboten haben. Dalli bestreitet, davon gewusst zu haben.

Die EU-Antikorruptionsstelle OLAF ermittelte in dem Fall. Ihren Abschlussbericht hat sie jedoch bis heute nicht veröffentlicht. Einen langen Fragenkatalog des EU-Parlaments zu dem Vorgang hat sie weitgehend nicht beantwortet. Bis heute liegen damit keine stichhaltigen Beweise für ein Fehlverhalten Dallis vor.  Antitabak-Organisationen spekulieren deshalb, dass der ehemalige Gesundheitskommissar Opfer einer Intrige der Tabaklobby wurde. Die Industrie lehnt strengere Gesetze ab.

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