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Online-Buchung: Wie Internetportale Hotelzimmer verteuern

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Die Internetsuche nach einem billigen Hotelzimmer könnte bald aufwendiger werden – letztlich aber erfolgreicher.

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Imago

Bestpreisgarantien tragen ihr Versprechen gleichsam im Namen: Nirgends, so wird den Kunden suggeriert, gibt es günstigere Angebote als bei uns. Insbesondere Internetportale, die Hotels und andere Unterkünfte vermitteln, werben mit konkurrenzlos niedrigen Preisen. Die Frage ist, ob die Garantien tatsächlich so kundenfreundlich sind wie sie vorgeben.

Das Bundeskartellamt ist nicht dieser Ansicht und untersagte bereits 2012 der Hotelplattform HRS, mit Bestpreisklauseln  um Kunden zu werben. Im Dezember 2015 ließ die Bundesbehörde dann ein Verbot für den Weltmarktführer Booking.com folgen und verfügte, die Klausel sei in sämtlichen Verträgen mit den Hotelanbietern zu tilgen. Dagegen setzte sich das US-Unternehmen juristisch zu Wehr. Am Mittwoch verhandelte das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf erstmals den Fall.

Vermittlungsprovision von 15 Prozent

Im Kern geht es um die Frage, ob Bestpreisgarantien den Wettbewerb beleben oder eher verhindern. Ob also Verbraucher wirklich besonders billig weg kommen oder  tatsächlich mehr zahlen als sie es ohne Garantieversprechen würden. Nach Ansicht des Bundeskartellamts ist die Antwort klar: „Letztlich verhindern die Klauseln, dass an anderer Stelle niedrigere Hotelpreise angeboten werden können“, befindet Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Die Begründung gleicht jener im Verfahren gegen HRS:  Zum einen würden Hotels und Pensionen durch die Bestpreisklauseln daran gehindert, leer stehende Kapazitäten kurzfristig mit Hilfe noch günstigerer Sonderangebote auszulasten. Allgemein gesprochen: Die Preisgestaltung der Häuser sei in unzulässiger Weise eingeschränkt.

Zum zweiten werde auch der Wettbewerb der Portale untereinander ausgeschaltet: Wer bei Booking.com eine Bestpreisgarantie unterschrieben hat, ist als Vertragspartner  für HRS, Expedia und Co. uninteressant. Außerdem entfalle der Anreiz für Portale, die Vermittlungsprovision für Hotels abzusenken, um bessere Angebote ins Netz stellen zu können. Unter dem Strich führen Bestpreisgarantien nach Überzeugung der Wettbewerbshüter also nicht zu besonders billigen Übernachtungen. Im Gegenteil, sie schränken Angebotsmöglichkeiten der Hotelunternehmen unzulässig ein und zementieren überdies hohe Vermittlungsprovisionen von 15 Prozent und  mehr. Folgerichtig hat sich der Hotelverband Deutschland der Position des Kartellamts angeschlossen.

Termin für Urteilsverkündung noch offen

Booking.com verweist demgegenüber darauf, dass den Hotels eine „Raten-Parität“ eingeräumt worden sei. Anders als früher könnten die Häuser damit  ihre Zimmer zu den gleichen Preisen anbieten wie über Booking.com  - nur eben nicht billiger. Diese Regelung sei in den meisten europäischen Ländern in Kraft und werde von 27 Wettbewerbsbehörden weltweit akzeptiert.

Ob sich das OLG Düsseldorf dieser Sicht anschließt, ist völlig offen. Einerseits ließ das Gericht am Mittwoch Zweifel am kartellamtlichen Bestpreisklausel-Verbot erkennen. Andererseits bestätigte das OLG Anfang 2015 die Entscheidung der Wettbewerbsbehörde, die Bestpreisklausel von HRS zu untersagen. Der Termin der Urteilsverkündung ist offen.