30.07.2016
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Oppenheim-Prozess: Krass gegensätzliche Aussagen

Der Schriftzug des Bankhauses Sal. Oppenheim ist am an der Niederlassung in Düsseldorf beleuchtet.

Der Schriftzug des Bankhauses Sal. Oppenheim ist am an der Niederlassung in Düsseldorf beleuchtet.

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dpa

Köln -

Wie gut waren die Aktionäre der 2009 untergegangenen Privatbank Sal. Oppenheim über die Geschäfte der persönlich haftenden Gesellschafter informiert? Wussten sie, welche Kredite zu welchen Konditionen an Mitglieder der Bankfamilie vergeben wurden?

Die Wahrnehmung des Verlaufs der Sitzungen von Aktionärsausschuss und Aufsichtsrat des Bankhauses ist extrem unterschiedlich. Glaubt man dem Zeugen Henri Pferdmenges (45), haben die vier Gesellschafter Matthias Graf von Krockow, Christopher von Oppenheim, Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt, die sich zusammen mit dem Troisdorfer Immobilienentwickler Josef Esch vor dem Kölner Landgericht wegen des Vorwurfs schwerer Untreue und Beihilfe verantworten müssen, die Bank mit hoher Professionalität geführt.

Pferdmenges vertrat seit dem Jahr 2000 den Familienstamm seines Großvaters Robert und damit einen Anteil von 13,5 Prozent am Bankhaus im Aktionärsausschuss und von 2005 an für drei Jahre auch im Aufsichtsrat von Sal. Oppenheim. Alle Gesellschafter seien gleichberechtigt gewesen, sagte er. Es habe umfangreiche Unterlagen über die "Risikolage, Marktrisiken und sämtliche Beteiligungen" von Sal. Oppenheim gegeben. Man habe jederzeit Fragen stellen können. Er könne sich nicht erinnern, dass dies jemals als störend oder unschicklich kritisiert worden wäre. "Ich habe am wenigsten gefragt, weil mein Deutsch nicht so gut ist." Auch Mappen mit den Listen der Kreditnehmer hätten bei jeder Sitzung zur Verfügung gestanden. "Sie wurden gegen Ende ausgeteilt und nach 15 Minuten wieder eingesammelt. Hätte sie jemand länger einsehen wollen, wäre das sicher kein Problem gewesen."

Pferdmenges' Aussage steht im krassen Gegensatz zu der des Zeugen Nicolaus von Oppenheim (59), der über viele Jahre den Familienstamm "Eberhard" in den Kontrollorganen vertrat und sich in der vergangenen Woche als eine Art "Enfant terrible" in den Bank-Gremien präsentiert hatte. Nur in einem waren er und Pferdmenges sich einig: dass beide viel Geld verloren hätten. Nach Nicolaus von Oppenheims Aussage hatten die Aktionäre so gut wie keinen Einblick in das Tagesgeschäft der Bank. Kritik sei unerwünscht gewesen. Man habe ihn aufgefordert, die Sitzungen nicht unnötig durch Fragen in die Länge zu ziehen.

Daran könne er sich erinnern, bestätigte Pferdmenges. "Ich habe Nicolaus bei einem Weihnachtsessen im Scherz angesprochen, warum er immer so scharfe Fragen stellt. Das war aber nicht ernst gemeint." Er sei mit Nicolaus von Oppenheim bis heute gut befreundet. Das gelte auch für Matthias Graf von Krockow und Christopher von Oppenheim. Die Familie Pferdmenges sei seit 1931 am Bankhaus beteiligt, sein Großvater bis 1952 Teilhaber gewesen: "Es gab keinen Unterschied zu den anderen Familien." Für unfreiwillige Komik sorgte am Mittwoch die ehemalige Sekretärin Ingrid Köhne, die sowohl für Baron Alfred als auch für dessen Bruder Friedrich Carl und Christopher von Oppenheim tätig war. Auf die Frage, ob sie sich erinnern könne, wo nach dem Ende des Bankhauses die Unterlagen aus den Büros ihrer Chefs geblieben seien, antwortete sie: "Ein Teil ist abtransportiert worden. Das war ein Herr Greier." Gunnar Greier ist der Staatsanwalt, der die Anklage vertritt.

Am heutigen Donnerstag ist Georg Baron von Ullmann als Zeuge geladen. Der ehemalige Vorsitzende des Aufsichtsrats wird aber wohl keine Angaben machen. Laut Staatsanwaltschaft wird gegen ihn weiterhin wegen des Verdachts der Untreue ermittelt.