29.08.2016
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Überlebensstrategie bei Galeria: Kaufhof: Weihnachtgeschäft als Rettungsanker

Nach dem Milliardenverkauf an Hudson's Bay keimt bei der Warenhauskette Hoffnung auf.

Nach dem Milliardenverkauf an Hudson's Bay keimt bei der Warenhauskette Hoffnung auf.

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dpa

Frankfurt -

Alle Jahre wieder kommt das Weihnachtsgeschäft. Doch bei Kaufhof soll es dieses Jahr etwas ganz Besonderes werden. Der Hudson’s Bay, der neue Eigner der Warenhauskette, will in den wichtigsten Wochen des Jahres für den Einzelhandel zeigen, was er kann. Es werde mehr Geld ins Marketing gesteckt, sagt Kaufhof-Geschäftsführer Olivier Van den Bossche. Was genau geplant ist, verrät er allerdings noch nicht.

Zum 1. Oktober hat der kanadische Handelskonzern Deutschlands größte Warenhauskette übernommen. Für 2,8 Milliarden Euro hat Hudson’s Bay (HBC) das Unternehmen dem Metro-Konzern abgekauft. Und zumindest bei den Ankündigungen sind die Kanadier ziemlich forsch. HBC-Manager Don Watros hat versprochen, jedes Jahr mehr als 100 Millionen Euro in die Filialen zu stecken, um sie attraktiver zu machen.

Karstadt möchte übernehmen

Das hört sich nach dem Versuch an, die Renaissance des schon häufig totgesagten Warenhauses zu inszenieren. Van den Bossche wird denn auch nicht müde zu betonen, dass die Manager aus Nordamerika an die Zukunft des Warenhauses glauben. Und Watros spricht von einer „Position der Stärke“, von der aus das Geschäft offensiv angegangen werden soll.

Diese Ansage richtet sich an den Konkurrenten Karstadt, dessen Eigentümer Signa auch Kaufhof übernehmen wollte und im Bieterwettstreit gegen HBC den Kürzeren zog. Gut möglich, dass der Druck auf Karstadt nun wächst, zumal Karstadt deutlich kleiner ist und noch immer mit den roten Zahlen kämpft.

Ohnehin ist das Geschäft der Warenhausbetreiber enorm schwierig. 190 Standorte gibt es bundesweit noch. Doch unter den Experten herrscht Einigkeit, dass die Zahl langfristig drastisch sinken wird - auf deutlich weniger als 100. Die große Zeit der Warenhäuser ging schon in den 1960er Jahren zu Ende, als die ersten Riesen-Supermärkte auf der grünen Wiese entstanden. In den folgenden Jahren verloren dioe Warenhäuser sukzessive an Bedeutung. „In einer Reihe von Sortimenten wie Bekleidung, Bücher, Technik und Sportartikel sind in den vergangenen Jahren Marktanteile an spezialisierte Filialisten wie H&M oder Zara verloren gegangen“, sagte der Handelsexperte Gerd Hessert dieser Zeitung.

Warenhäuser gegenMassen-Filialen chancenlos

Zur hohen Komplexität der Warenhäuser mit mehr als 100 000 Artikeln kommt, dass die Filialisten-Konkurrenz „in jeder Hinsicht schneller und flexibler“ sei, so Hessert. Zara und Co können im Rhythmus von wenigen Wochen die Kollektionen wechseln, die Unternehmen kaufen in riesigen Mengen Shirts und Hosen ein und sind deshalb billiger. Und auch bei der Wahl der Standorte sind sie beweglicher. H&M oder die Parfümeriekette Douglas können neue Filialen problemlos in Standard-Ladenlokalen einrichten. Für Warenhäuser hingegen gibt es allein wegen ihrer Größe nur eine beschränkte Zahl an Immobilien. Und vor allem: Das Betreiben ist extrem teuer.

Eigentlich müssten die Häuser alle zwei, drei Jahre runderneuert werden. Das schafft auch der Marktführer Kaufhof nicht. Oft wird nur etagenweise renoviert, was nur eine stark eingeschränkte Steigerung des Einkaufserlebnisses erlaubt. Hierin liegt auch das Grundproblem der Karstadt-Filialen: Durch eine Insolvenz und mehrere Eigentümerwechsel ist ein enormer Investitionsstau entstanden, der nach Einschätzung von Branchenkennern mindestens bei einer halben Milliarde Euro liegt.

Luxus-Konzept für die Frau

Die angekündigten 100 Millionen plus x für Kaufhof pro Jahr zeigen, dass die Modernisierung der Immobilien im Zentrum der HBC-Manager steht. Dazu passt, dass die neuen Eigner eine Standort- und Arbeitsplatzgarantie für drei Jahre gegeben haben.
Und die sieht es mit den Sortimenten aus? Die Kanadier setzen auf Luxus, sie haben angekündigt, künftig eine größere Zahl von „Weltklasse-Marken“ anzubieten, die insbesondere Frauen ansprechen sollen - mit Handtaschen, Schuhen und Kosmetik. Erwartet wird, dass dabei nicht nur bekannte europäische Hersteller zu Zuge kommen, sondern auch Marken, die in Nordamerika erfolgreich sind. Zudem versprechen die HBC-Manager, dass der Service ausgebaut werden soll.

Die Kanadier wollen überdies beim digitalen Einkaufen punkten, der ganz entscheidend für die Zukunft des gesamten Handels ist. Insbesondere wird es darum gehen, das stationäre Geschäft mit Online-Angeboten zu verknüpfen. Hessert sieht hier für Hudson‘s Bay „einen Riesenvorteil“. Das Unternehmen sei beim E-Commerce schon viel weiter als die hiesige Konkurrenz, es mache schon knapp zehn Prozent seines Umsatzes im Internet.

In der Provinz werden neue Idee gebraucht

Doch eine ambitionierte Internet-Präsenz und mehr Markenartikel vor Ort reichen nach Hesserts Einschätzung noch nicht für nachhaltigen Erfolg. „Die entscheidende Frage ist, ob es den Managern von Hudson’s Bay gelingt, neue Ideen in das Warenhaus-Geschäft einzubringen“, sagt der Handelsexperte. Alles auf Luxus - das funktioniere nur in den großen Häusern in den Metropolen.

Er ist gespannt auf die Konzepte für die kleineren Filialen in kleineren Städten, Karstadt hat vor allem in der Provinz damit die kämpfen, Warenhäuser proiftabel zu betreiben. Hessert rechnet damit, dass die HBC-Manager die drei Jahre mit der Standortgarantie nun als Experimentier- und Erprobungsphase nutzen. Er fügt hinzu: „Dann werden die Manager relativ emotionslos über Schließungen von kleineren Filialen beraten, die nicht rentabel sind.“



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