29.08.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Versandhandel: Wallraff prangert Amazon an
18. February 2013
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Versandhandel: Wallraff prangert Amazon an

Das Lager des Online-Einzelhändlers Amazon im osthessischen Bad Hersfeld

Das Lager des Online-Einzelhändlers Amazon im osthessischen Bad Hersfeld

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dpa

Köln -

Der Kölner Enthüllungsjournalist Günter Wallraff hat die Arbeitsbedingungen bei dem in die Kritik geratenen Internet-Versandhändler Amazon angeprangert. „Mir sind mehrfach von dort Beschäftigten grausamste Arbeitsbedingungen geschildert worden“, sagte der Autor in Köln. Das betreffe vor allem Saison- und Leiharbeiter.

Aus Zuschriften von Betroffenen gehe hervor, dass diese von Kameras überwacht, schon bei kleinen Verschnaufpausen zum Vorgesetzten zitiert würden und mit Repressalien rechnen müssten. „Über die Arbeiter wird verfügt wie über Leibeigene.“ In Einzelfällen durften Wallraff zufolge Medikamente, die etwa Diabetiker brauchten, nicht mit ins Lager genommen werden.

Der 70 Jahre alte Autor sagte, er recherchiere seit längerem in der gesamten Paket- und Zustellerbranche und sei auf breiter Front auf unzumutbare Zustände gestoßen. Wallraff hatte 2012 – nach Recherchen und eigenen Undercover-Einsätzen – „Menschenschinderei mit System“ beim Paketzusteller GLS kritisiert. Die Firma hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Das ebenfalls kritisierte Unternehmen Hermes hatte dagegen Verbesserungen für die eigenen Zusteller angekündigt.

Amazon war in den vergangenen Tagen in die Schlagzeilen geraten, weil eine ARD-Dokumentation über schlechte Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern aus dem Ausland bei dem Versandhändler in Deutschland berichtet hatte. Am Wochenende hatte sich Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eingeschaltet und der Leiharbeitsfirma, die mit Amazon zusammenarbeitet, mit einem Lizenzentzug gedroht.

Die Leiharbeit insgesamt stellt von der Leyen nach Angaben ihrer Sprecherin jedoch nicht infrage. Diese könne grundsätzlich auch bei einem Einstieg in den Arbeitsmarkt helfen. (dpa, afp)