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Vorwürfe gegen Aldi Süd rufen Gewerkschaft auf den Plan

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Aldi muss sich gegen Überwachungsvorwürfe wehren. Foto: Martin Gerten
Aldi muss sich gegen Überwachungsvorwürfe wehren. Foto: Martin Gerten

Berlin/Düsseldorf. Die Schilderungen eines Ladendetektivs über eine fragwürdige Überwachung von Mitarbeitern bei Aldi Süd rufen die Gewerkschaft Verdi auf den Plan. Sie wirbt angesichts der Vorwürfe gegen den Lebensmittel-Discounter für die Bildung von Betriebsräten.

«Gute Arbeitsbedingungen kann es nur dann geben, wenn es überall Betriebsräte gibt, die ihre Aufgaben ordentlich wahrnehmen und damit Gesetzen und Tarifverträgen zur Geltung verhelfen», erklärte der Verdi-Fachgruppenleiter Einzelhandel, Ulrich Dalibor, am Montag auf dpa-Anfrage. Aldi Süd sei in der Frage Betriebsräte «Niemandsland».

Der «Spiegel» berichtete unter Berufung auf einen Ladendetektiv, Aldi Süd habe Mitarbeiter heimlich ausspionieren lassen. Es seien auch versteckte Kameras eingesetzt worden. Aldi Süd wies die Vorwürfe bereits am Wochenende zurück: Das Handelsunternehmen setze nur in Ausnahmefällen Detektive ein. Dies diene nicht dem Bespitzeln von Mitarbeitern und Kunden, sondern der Aufdeckung von Straftaten. Aldi Süd verfüge über ein Videoüberwachungskonzept, das mit einem externen Datenschutzbeauftragten und dem Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit in Nordrhein-Westfalen abgestimmt sei.

Verdi machte deutlich, dass es sich nicht um Bagatell-Vorwürfe gegen Aldi Süd handele. «Sollten sich die Vorwürfe des Detektivs als korrekt herausstellen, wäre dieser Skandal dem schändlichen Verhalten von Lidl in der Vergangenheit ebenbürtig und würde einen weiteren riesigen Image-Schaden für die Branche Einzelhandel bedeuten», betonte Verdi-Handelsexperte Dalibor. Falls Arbeitnehmer betroffen sein sollten, dann stünden ihnen mehr zu als nur eine Entschuldigung.

2008 hatte Konkurrent Lidl für Schlagzeilen gesorgt, weil das Unternehmen Mitarbeiter mit versteckten Kameras überwacht hatte. Lidl hat nach eigenen Angaben Veränderungen vorgenommen: «Lidl hat ein ganzheitliches Datenschutzkonzept erarbeitet und umgesetzt. Datenschutz nimmt heute einen hohen Stellenwert im Unternehmen ein, dem mit entsprechenden organisatorischen Maßnahmen Rechnung getragen wird», erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. So würden zum Beispiel seit 2008 in den Filialen keine Kameras mehr eingesetzt. Dies gelte bis heute. Lidl habe die Busgelder in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro, die Datenschützer 2008 verlangten, akzeptiert und bezahlt.

Aldi Süd hat nach einer Schätzung aus Verdi-Gewerkschaftskreisen in Deutschland insgesamt etwa 25 000 Mitarbeiter. Nach Auffassung des Verdi-Handelsexperten in Nordrhein-Westfalen, Folkert Küpers, ist die Arbeit von Betriebsräten auch im Interesse der Unternehmen. «Kluge Unternehmen nutzen Betriebsräte als Korrektiv», unterstrich er. (dpa)