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Entscheidung: Grundschule Füssenich vor dem Aus

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In der kleinsten Grundschule auf Zülpicher Stadtgebiet herrschte nicht nur bei Feiern Wohnzimmeratmosphäre. Nun steht die Lehranstalt in Füssenich kurz vor der Schließung.  Foto: Joachim Sprothen
2010 war noch die Bildung eines Schulverbunds mit der Chlodwig-Schule in der Kernstadt ein Rettungsanker gewesen. Doch dieser Schulverbund soll laut Beschlussvorlage spätestens zum Schuljahr 2015/2016 aufgelöst werden.  Von
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Zülpich-Füssenich

Seit 1898 lernen Kinder in dem altehrwürdigen Gemäuer Lesen, Schreiben und Rechnen. 115 Jahre später wird für die katholische Grundschule Füssenich der Abgesang angestimmt. Die Beschlussempfehlung der Verwaltung für den Ausschuss für Schulen und Kultur, der sich am Donnerstag, 10. Januar, um 18 Uhr in der Bürgerbegegnungsstätte Martinskirche mit der Situation der Grundschulen im Zülpicher Stadtgebiet befasst, geht jedenfalls eindeutig in diese Richtung: „Der Schulstandort Füssenich ist mit Beginn des Schuljahres 2013/2014 sukzessive aufzugeben.“

Kein Handlungsspielraum

Weder Kommunalverwaltungen noch Politiker machen gerne Schulen dicht und setzen sich dadurch dem Protest der betroffenen Eltern aus. Aber es bedarf keiner prophetischen Gabe, um vorauszusagen, dass im Schulausschuss das Aus der Grundschule Füssenich beschlossen wird. Davon ging am Mittwoch auch Bürgermeister Albert Bergmann aus. Die Stadt Zülpich habe in dieser Frage keinen politischen Handlungsspielraum: „Wir können doch keine Schulen für Kinder vorhalten, die es nicht mehr gibt.“

Die Füssenicher Schule steht seit Jahren auf der Kippe. 2010 war noch die Bildung eines Schulverbunds mit der Chlodwig-Schule in der Kernstadt ein Rettungsanker gewesen. Doch dieser Schulverbund soll laut Beschlussvorlage spätestens zum Schuljahr 2015/2016 aufgelöst werden. Dann ist auch das Ende der Lehranstalt in Füssenich gekommen.

Eine Änderung des Schulgesetzes brachte die Verwaltung kräftig ins Rotieren. Künftig berechnet sich die Zahl der zugelassenen Eingangsklassen nach den Anmeldungen im gesamten Stadtgebiet. Nach dem Verteilungsschlüssel darf die Römerstadt bei 203 künftigen i-Dötzchen im neuen Schuljahr neun Eingangsklassen bilden. Zehn wären nötig, um alles beim Alten zu belassen.

Bei Beibehaltung einer Kleinstschule wie der in Füssenich (aktuell werden dort 73 Kinder unterrichtet), für die nur 16 Neuanmeldungen vorliegen, müssten die Schülerzahlen in anderen Eingangsklassen zum Teil erheblich aufgestockt werden. Oder an anderen Schulen, wie denen in Sinzenich oder Ülpenich, müsste eine der jeweils zwei vorgesehenen Eingangsklassen zugunsten Füssenichs gekappt werden, was wiederum zu einer Schwächung dieser Schulstandorte führen würde.

Eindeutiges Gutachten

Die Verwaltung entschied sich dazu, die kleinste Schule im Stadtgebiet aufzugeben. Unterstützung erfährt sie dabei durch ein Gutachten der Projektgruppe Bildung und Region mit Sitz in Bonn. Vor zwölf Jahren gab es demnach im Zülpicher Stadtgebiet 993 Grundschüler, im aktuellen Schuljahr seien es aufgrund des Geburtenrückgangs nur noch 708. Daraus müssten auch in Zülpich Konsequenzen gezogen werden, wo mit derzeit fünf Grundschulen eine mehr angeboten werde als im 8000 Einwohner größeren Mechernich.

Das Prinzip von den „kurzen Beinen und den kurzen Wegen“ sei ein Anspruch, der in einer Flächenkommune wie der in Zülpich „nicht befriedigend einzulösen ist“. Zunehmend gebe es eine regelrechte Abkehr von den Dörfern in die Kernstadt. In allen Außenstandorten gebe es eine erhebliche Anzahl an Fahrschülern. Füssenich und Geich könnten „keinen eigenständigen Standort absichern“. Und in Weiler in der Ebene, das zum Einzugsgebiet der Grundschule in Füssenich gehört, sind für das kommende Schuljahr fünf Erstklässler in Nörvenich und in Erftstadt-Erp angemeldet worden.

Bürgermeister Bergmann ging im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ davon aus, dass mit der Schließung der Lehranstalt in Füssenich längst noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sei: „In einigen Jahren unterhalten wir uns über den Standort Sinzenich.“

Auf einer Wellenlänge

Auch in diesem Punkt liegt er auf einer Wellenlänge mit dem Gutachten. In den vier Grundschulen der Außenorte schlügen 107 Neuanmeldungen zu Buche, was nur jeweils 27 Schülern entspreche: „Damit sind die Essenz und zugleich auch die Tiefe der Schlussfolgerungen dieses mittelfristigen Schulentwicklungsplans schon deutlich absehbar.“

Was sich für andere Grundschulen „erst als Thema ergeben wird, ist an dem Teilstandort Füssenich schon eingetreten“, schreiben die Gutachter Wolf Krämer-Mandeau und Holger Bargel. Da waren sie aber nicht einmal auf dem neuesten Stand: Bei 16 Anmeldungen für Füssenich ist es nach Auskunft der Stadtverwaltung nicht geblieben. Zwei der angekündigten Kinder wurden zwischenzeitlich für ein Jahr zurückgestellt. Damit ist die Zahl unter das gesetzlich vorgeschriebene Limit von 15 Kindern gesunken.

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