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Grundschule: Widerstand gegen Schließung

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Kämpfen für die Erhaltung der Grundschule Füssenich: Isa und Ivo Kovarik sowie Claudia Render (rechts)  Foto: Jochen Sprothen
Das Ehepaar Kovarik und Claudia Render sind guten Mutes, die Politiker mit überzeugenden Argumenten von der Schließung der Füssenicher Einrichtung abhalten zu können. Am Montag steigt um 14.30 Uhr eine Demo vor dem Rathaus.  Von
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Zülpich-Füssenich

Wenn es nach der Verwaltung geht, sind die Tage der Grundschule Füssenich gezählt. In der Beschlussvorlage für den Schulausschuss heißt es jedenfalls eindeutig: „Der Schulstandort Füssenich ist mit Beginn des Schuljahres 2013/2014 sukzessive aufzugeben.“

Darüber hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger am Mittwoch berichtet. Doch den Kampf um ihre Schule haben die rund 1600 Bewohner des Doppelortes Füssenich-Geich längst noch nicht aufgegeben. Am Montag steigt um 14.30 Uhr eine Demo auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, und auch bei der Sitzung des Schulausschusses dürften die Zuschauerplätze in der Bürgerbegegnungsstätte Martinskirche am Donnerstag nächster Woche von 18 Uhr an voll besetzt sein.

Kleinste Schule im Stadtgebiet

Claudia Render ist die stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende des Schulverbunds, den Füssenich 2010 mit der Chlodwig-Schule in der Kernstadt gebildet hat. Alle fünf Kinder der Bessenicherin besuchten oder besuchen noch die Grundschule in Füssenich. Die kernstädtische Grundschule kam für Claudia Render nicht in Betracht: „Sehen sie sich mal an, was da auf dem Schulhof los ist.“

An einer kleinen Schule wie der in Füssenich kenne jeder Lehrer alle seine Schützlinge und habe weit besserer Einwirkungsmöglichkeiten auf die Kinder. Aber gerade der Umstand, dass Füssenich Standort der kleinsten Schule auf Zülpicher Stadtgebiet ist, soll ihr nun zum Verhängnis werden.

Nach einer Änderung des Schulgesetzes können in Zukunft in der Römerstadt nur noch neun statt der bislang zehn Eingangsklassen gebildet werden. Die Stilllegung der einzügigen Grundschule in Füssenich ist da nach Ansicht der Verwaltung und eines Gutachters die am wenigsten einschneidende Maßnahme.

Doch damit stößt die Verwaltung nach Einschätzung von Isa und Ivo Kovarik auf den geballten Widerstand der Bürger und Vereine des Doppelortes. Isa Kovarik ist die Vorsitzende des Fördervereins der Schule. Das Ehepaar Kovarik und Claudia Render sind guten Mutes, die Politiker mit überzeugenden Argumenten von der Schließung der Grundschule Füssenich abhalten zu können.

Von zentraler Bedeutung

Isa Kovarik machte im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ deutlich, dass es ihr nicht nur um die Füssenicher und Geicher Kinder gehe. „Wir wollen, dass alle einzügigen Grundschulen erhalten bleiben.“ Denn die seien für die jeweiligen Dörfer von zentraler Bedeutung. Beim Entschluss der Kovariks, von Köln nach Geich zu ziehen, habe die Existenz der Schule eine entscheidende Rolle gespielt.

Die Schließung hätte einschneidende Folgen, so Ivo Kovarik: „Ohne Schule keine Turnhalle, ohne Turnhalle kein Sportverein TBSV.“

Die sozialen Strukturen in dem 1600 Einwohner zählenden Doppelort würden durch eine Abschaffung der Schule erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Und das ohne Not: Denn erstens könne das alte Schulgesetz übergangsweise noch ein Jahr angewendet werden, und „nur jetzt haben wir das Problem“. 2015 werde voraussichtlich die Grundschule in Embken geschlossen, ab dann sei Füssenich die nächstgelegene Lehranstalt und könne wieder mit verstärktem Zulauf rechnen.

Im Gegensatz zur Ansicht der Verwaltung gebe es weit weniger schmerzhafte und endgültige Lösungen für die Reduzierung um eine Eingangsklasse als die Schließung der Füssenicher Schule: Wichterich werde aufgrund der Anmeldeprognosen spätestens 2015, wahrscheinlich aber schon 2014 einzügig.

Wenn man dort jetzt drei Kinder aus Euskirchen ablehne gebe es zwar „drei traurige Eltern, aber nicht 16 wie in Füssenich und Geich“. Und die Einzügigkeit werde in Wichterich nur um ein Jahr vorgezogen.

„Ungereimtheiten“

In diesem Zusammenhang wiesen Claudia Render und das Ehepaar Kovarik auf eine der ihrer Ansicht nach zahlreichen Ungereimtheiten in dem Gutachten hin, auf das sich die Verwaltung im Wesentlichen stützt: „Vor anderthalb Jahren hat derselbe Gutachter noch die jetzt von von uns vorgeschlagene Lösung mit Wichterich empfohlen, weil dadurch die anderen Standorte gestärkt würden.“

Die mit heißer Feder über Weihnachten zusammengeschusterte Expertise strotze vor „handwerklichen Fehlern“, die den Politikern womöglich entgangen seien.

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