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Das Ende des Dornröschenschlafs

Bahntrasse wird demnächst freigegeben. Die „Entwidmung“ der Kursbuchstrecken 411 und 412 steht kurz bevor.

Brombeeren fühlen sich hier heimisch. Sie überwuchern die ehemaligen Gleisanlagen. Gesträuch hat sich im Erdreich verwurzelt: Wo einst die Dampfloks schnaubten und später dann, in den 60er Jahren, die roten Triebwagen schnurrten, ist kein Durchkommen mehr. Das Grün hat die Trasse des „Balkan-Express“ in Besitz genommen. Wer hier durchkommen will, muss, wie der Prinz in „Dornröschen“, mit den Dornen kämpfen. Am besten er hat eine Machete zu Hand.

Dass die Bahnlinie Opladen - Burscheid - Wermelskirchen jedoch aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und bald freigegeben wird, hat jetzt Landesverkehrsminister Oliver Wittke auf Nachfrage der vier bergischen Landtagsabgeordneten der Region mitgeteilt. In einem gemeinsamen Schreiben hatten Ende des vergangenen Jahres Ursula Monheim aus Leverkusen, Elke Rühl (Remscheid), Peter Biesenbach (Oberbergischer Kreis) und Rainer Deppe (Rheinisch-Bergischer Kreis) gefordert, die ehemaligen Kursbuchstrecken 411 und 412 zu „entwidmen“. Schon im Rahmen einer Ortsbesichtigung waren sich die Politiker damals einig, dass die Bahndämme, die schon lange nicht mehr für die ursprünglich vorgesehenen Zwecke genutzt werden, sich als Hemmschuh für die Weiterentwicklung der Gemeinden und der kommunalen Investitionen auswirke. Insofern beabsichtigt Minister Wittke, wie es jetzt in einer Pressemitteilung heißt, eine entsprechende Kabinettsvorlage einzubringen, damit die betroffenen Städte Leverkusen, Burscheid und Wermelskirchen wiederum beim Eisenbahnbundesamt in Köln einen Antrag auf Entwidmung stellen können. Erst dann könnten die Grundstücke einer neuen, sinnvollen Nutzung zugeführt werden.

Die Strecke war 1989 stillgelegt worden. Nur noch wenige Fahrgäste nutzten die Schienenverbindung von Opladen ins Bergische. Sie fuhren lieber mit dem Bus. Doch das Herz der Anwohner schlug für die Bimmelbahn. Immer wieder war von einer Wiederbelebung der Zugstrecke die Rede. Einen der letzten Versuche startete Walter Saalfrank von der Burscheider Unabhängigen Wählergemeinschaft. Er hatte 2001 im Leverkusener Rat mit Engelszungen darum geworben, die Strecke „offenzuhalten“. Vielleicht finde sich ja doch irgendwann einmal privater Investor, der die Strecke wieder betreiben würde. Die Sozialdemokraten, die Bürgerliste und auch die Grüne schlossen sich diesem Vorschlag an. Doch mit denkbar knapper kippten CDU und FDP diese Möglichkeit. Der Fraktionsvorsitzende Klaus Hupperth hatte vor fünf Jahren bekundet: „Der Balkan-Express ist tot, toter geht's nicht.“

Auch andere Ideen gab es zur Nutzung der Trasse, die sich sanft ansteigend über Bergisch Neukirchen, Pattscheid und Kuckenberg nach Burscheid schlängelt: Ein Wanderweg war im Gespräch, auch an eine Fahrradstrecke war gedacht. (kl / isr)