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„Unhaltbare Situation”: Klinik-Standorte im Kölner Stadtgebiet extrem ungleich verteilt

Klinik Merheim

Die Klinik in Köln-Merheim

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Thomas Banneyer

Köln -

Von einer Krankenhaus-Versorgung wie in Köln können ländliche Regionen nur träumen. 20 Kliniken mit mehr als 7000 Betten verzeichnet der Krankenhausplan NRW, darunter mit der Uniklinik und den Städtischen Kliniken je ein Maximalversorger links und rechts des Rheins – mit weit über die Stadt reichender Anziehungskraft. Gerade erst wurden 15 bei dem Busunfall auf Madeira verletzte Patienten in der Unfallklinik Merheim, einem der führenden deutschen Trauma-Zentren, versorgt. Allerdings gibt es zwischen den Stadtbezirken große Unterschiede. Während allein Lindenthal über fünf Kliniken verfügt, gibt es im Bezirk Chorweiler keine einzige. Zudem ist das Linksrheinische deutlich besser ausgestattet als die Schäl Sick (siehe Grafik).
Private Klinik-Großkonzerne wie Helios oder Asklepios konnten in Köln bislang kaum Fuß fassen. Nahezu alle Häuser sind in öffentlicher Hand oder haben einen freigemeinnützigen Träger wie etwa die Stiftung der Cellitinnen, die in Köln fünf Kliniken betreibt. Einzige Ausnahme ist das von Sana geführte Dreifaltigkeitskrankenhaus in Braunsfeld.

Doch trotz der guten Ausstattung gibt es auch Probleme. Dies hat sich auch in den Ergebnissen unserer Online-Umfrage niedergeschlagen. Darin stimmten 97 Prozent der Teilnehmer der Aussage voll oder überwiegend zu, dass es in Köln zu wenig Pflegepersonal gibt. 92 Prozent halten die Krankenhausärzte für überlastet. Die Notfallambulanzen arbeiten überall am Limit und in einigen Bereichen wie etwa der Intensivmedizin oder der Geburtshilfe kommt es immer wieder zu Engpässen, sodass etwa Hochschwangere in Geburtsstationen jenseits der Stadtgrenzen ausweichen müssen. „Das ist eine unhaltbare Situation“, kritisiert Kölns Gesundheitsdezernent Harald Rau. Die Ursachen sieht er nicht nur im eklatanten Pflegekräftemangel, der dazu führt, dass Kliniken Kreißsäle schließen müssen. „Wir haben auch falsche finanzielle Anreize. Krankenhäuser bekommen für Eingriffe in der Kardiologie oder für ein künstliches Hüftgelenk viel Geld, die Geburtshilfe oder die Palliativmedizin sind dagegen unterbezahlt.“