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Potenzialanalyse in Köln: Deshalb sorgt der Schüler-Test für Berufsorientierung für Aufregung

Die so genannte Potenzialanalyse im achten Schuljahr soll im kommenden Jahr an allen weiterführenden Schulen im Land Pflicht w

Die so genannte Potenzialanalyse im achten Schuljahr soll im kommenden Jahr an allen weiterführenden Schulen im Land Pflicht werden.

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dpa

Köln -

Die Aufregung an vielen Kölner Gymnasien ist groß. Um die Berufsorientierung im Schulunterricht zu verbessern, sollen die Schüler der achten Klassen in Zukunft eine so genannte „Potenzialanalyse“ machen – in diesem Schuljahr ist die Teilnahme noch freiwillig, ab 2016 soll sie Pflicht werden. Die Schüler werden dazu in die Obhut eines nicht-schulischen Bildungsträgers übergeben – etwa das Kolping-Bildungswerk – , der in den eigenen Räumen mit Tests, kreativen Aufgaben und Rollenspielen herausbekommen soll, über welche berufsbezogenen Potenziale die Jugendlichen verfügen. Dabei können verschiedene Tätigkeiten ausprobiert werden.

Kölner Schulen weigern sich

Es gibt Schulen wie das Gymnasium Schaurtestraße in Deutz, die sich der Initiative des Landes verweigern wollen. Mit einem Schulkonferenzbeschluss wird eine Teilnahme abgelehnt. „Ich sehe die Gefahr, dass die Ergebnisse die Schüler in eine bestimmte Richtung leiten, die vielleicht gut für die ansässige Wirtschaft, aber nicht für die Jugendlichen selbst ist“, sagt der Schulpflegschaftsvorsitzende am Gymnasium Schaurtestraße, Bram Gätjen. Er spricht von einem Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der Jugendlichen. Für eine Berufsorientierung sei es noch zu früh. „Die Schüler wissen in dem Alter doch noch gar nicht, was sie wollen“, sagt die dreifache Mutter Tina Marx. „In der achten Klasse sind sie doch dafür noch viel zu jung.“

Testverfahren umstritten

Mancher befürchtet, dass sich die Schulen durch solche Aktionen vor allem den Wünschen der Wirtschaft anpassen. Andere haben Bedenken, dass die Kinder durch negative Einschätzungen bei solchen Test demotiviert werden könnten. Im Alter eines Achtklässlers ist die Intelligenz in der Regel noch nicht abschließend ausgebildet, Testverfahren sind daher umstrittener als bei Erwachsenen.

Eltern und Schulpolitiker fragen zudem nach dem Datenschutz. Man wisse nicht, was mit den Daten angestellt werde, die hier gesammelt würden. Zur Zeit sollen Eltern eine Einverständniserklärung abgeben und damit der Weitergabe der Daten zustimmen. Dieses Verfahren hat auch im Schulausschuss des Rates für Kritik gesorgt. Am Montag steht das Thema auf Anstoß von FDP und Piraten erneut auf der Tagesordnung. „Die ganze Initiative ist eine Blackbox und wirft viele Fragen auf“, sagt der Sprecher der Stadtschulpflegschaft Reinhold Goss. „Uns fehlen grundlegende Informationen“.

Warum das Geld besser an anderer Stelle investiert würde, lesen Sie im nächsten Abschnitt.

Geld an anderer Stelle besser

Die Landesregierung lässt sich die Initiative im Rahmen ihres Programms „Kein Abschluss ohne Anschluss“ einiges kosten. Für die freien Träger, die die Potenzialanalysen durchführen sollen, ist das ein interessantes riesiges Geschäftsfeld. „Bei diesem Massentest geht es um viel Geld, das ausgegeben wird, obwohl gar nicht erwiesen ist, ob all das etwas bringt“, sagt Stadtschulpflegschaftssprecher Goss. Das Geld hätte man besser an anderer Stelle investiert. „Das Ganze muss gestoppt werden“, fordert Bram Gätjen vom Gymnasium Schaurtestraße. Gegen Berufsorientierung an Schulen sei grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn sie richtig durchgeführt werde. „Das Geld hätte man direkt den Schulen geben können“, so Goss, „um Kinder gezielt zu fördern, die dringend bei der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützt werden müssen.“

Das NRW-Schulministerium weist die grundsätzliche Kritik zurück. Die Potenzialanalyse biete „die Möglichkeit, im weiteren Berufsorientierungsprozess Berufsfelder zu erkunden und Praktikumsstellen auszusuchen“. Dabei würden die Jugendlichen keinesfalls in feste Bahnen gedrängt. Die Sorge vieler Eltern, dass die Potenzialanalyse ein versteckter IQ-Test ist, sei unbegründet. „Intelligenzdiagnostische Verfahren“ seien nicht vorgesehen.

Stärken der Schüler ermitteln

„Es geht darum, die Stärken der Jugendlichen zu ermitteln und ein entsprechendes Feedback zu geben“, sagt Ingrid Jung von der zuständigen Koordinierungsstelle auf Stadtebene. Sie versichert, dass nur geschultes Personal mit den Schülern arbeite. Die Bildungsträger müssten entsprechende Nachweise gegenüber der Stadt erbringen.

Die kritischen Fragen zum Datenschutz nehme man ernst, so Jung. Das Formular, das die Eltern unterschreiben sollen, habe man noch einmal überarbeitet. Grundsätzlich sei es aber sinnvoll, dass auch nach den Tests weiter auf die Daten zugegriffen werden kann. So könnten die Jugendlichen in ihrem weiteren Orientierungsprozess begleitet werden. Auch mit Blick auf die Kurswahl in der Oberstufe könnten die Daten hilfreich sein, so Jung.

Die Kölner Elternvertreter sind noch nicht überzeugt. Sie plädieren dafür, dass die „Potenzialanalyse“ – wenn überhaupt – ein freiwilliges Angebot sein muss. Das sieht das Land anders. Ab 2016 soll Teilnahmepflicht für alle öffentlichen weiterführenden Schulen bestehen.

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