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„Ungeliebt und anmaßend“: Südstadt-Pfarrer greift Kardinal Rainer Maria Woelki an

Kardinal Woelki

Kardinal Rainer Maria Woelki

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dpa

Köln -

Nach deutlicher Kritik der katholischen Laien an Kardinal Rainer Woelki kommt nun ein noch heftigerer Angriff aus der evangelischen Kirche. In drastischen Worten beschreibt der Pfarrer der Luther-Kirche in der Südstadt, Hans Mörtter, die Stimmung unter seinen katholischen Kollegen als „frustriert, enttäuscht, im Stich gelassen, verraten, verkauft, sauer und teilweise sehr ermüdet“. Die Geistlichen seien überlastet, „der Kardinal blutet sie bis zur totalen Erschöpfung aus“, sagt Mörtter in einem Interview des „Express“.

Viele hätten bei Woelkis Amtsantritt 2014 gedacht, dass es nach seinem Vorgänger, Kardinal Joachim Meisner, nicht schlimmer kommen könne. „Aber genau das ist passiert“, so Mörtter weiter. „Kardinal Woelki tritt denen, die täglich Kirche ausmachen, den Boden unter den Füßen weg. Er passt in die Tradition ungeliebter und anmaßend herrschaftlicher Kölner Kardinäle.“

Klartext erwünscht

Vor wenigen Tagen war der Siegburger Pfarrer und Kreisdechant Thomas Jablonka mit dem Hinweis auf seine „hohe Belastung“ durch die Doppelfunktion sowie aus Sorge um seine Gesundheit zurückgetreten. Mörtter stellte einen Zusammenhang zu dem laufenden Reformprozess im Erzbistum Köln her. Woelki packe Gemeinden zu großen Einheiten zusammen, lasse aber gleichzeitig moderne Organisationsformen unter Laien-Beteiligung nicht zu.

Pfarrer Hans Mörtter auf dem Chlodwigplatz

Pfarrer Hans Mörtter auf dem Chlodwigplatz

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Peter Rakoczy

Er wolle mit seiner Kritik „Sprachrohr“ seiner Mitbrüder sein und ihnen in ökumenischer Verbundenheit Rückendeckung geben, erläuterte Mörtter im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Wir Pfarrer gehören alle zur Bodentruppe, wir stehen an der Front und müssen den Kopf hinhalten. Da finde ich Schützenhilfe wichtig.“ Für einen Protestanten gehöre es sich zudem, Klartext zu reden und sich nicht wegzuducken.

Ausdrücklich nahm Mörtter Bezug auf die „mutigen Worte“ der langjährige Vorsitzenden des Kölner Katholikenausschusses, Hannelore Bartscherer. Bei ihrem Abschied Ende April sprach die Vertreterin der Laien von großer Ratlosigkeit im Erzbistum. Der Erzbischof lasse einen erkennbaren, verständlichen Kurs vermissen. „Was ich kritisiere, geht genau diese Richtung“, betonte Mörtter.


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