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Als Lipödem-Behandlung: Kölner Ärzte wollen Fettabsaugung zur Kassenleistung machen

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Mit einer Kölner Studie soll das Thema Fettabsaugung neu bewertet werden.

Foto:

picture alliance / Daniel Karman

Köln -

Das Zentrum für Klinische Studien Köln (ZKS) an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln probiert sich aktuell in Zusammenarbeit mit der Hautklinik des Klinikums Darmstadt an einer Studie, deren Ergebnis eine entscheidende Veränderung im Gesundheitssystem bewirken könnte.

Konkret geht es um die Vor- und Nachteile einer operativen Fettabsaugung als Behandlung gegen die chronische Fettverteilungsstörung bei Frauen – das sogenannte Lipödem. Beim Lipödem, das ausnahmslos Frauen trifft, sind Beine und Arme sehr voluminös, die Körpermitte sowie Hände und Füße bleiben schlank. Patientinnen sind von Schmerzen, Blutergüssen und Ödemen (Wassereinlagerungen) belastet.

Nutzen der Absaugung wird untersucht

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte das Thema Fettabsaugungen als Kassenleistung schon auf die Agenda gesetzt. Nun wird der Nutzen der Absaugung gegenüber einer alleinigen nichtoperativen Behandlung wie der „Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie“ in einer randomisierten, kontrollierten, multizentrischen Studie wissenschaftlich untersucht. Ziel ist es, zu überprüfen, mit welcher Methode nach zwölf Monaten der Schmerz der Patientin erfolgreich gelindert werden konnte.

Damit besteht langfristig sogar die Möglichkeit, dass die operative Fettabsaugung als Kassenleistung etabliert werden könnte. „Fettabsaugung gilt potenziell als erforderliche Behandlungsalternative, wurde aber bisher wissenschaftlich nicht hinreichend evaluiert“, erklärt Professor Dr. Oliver Cornely, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Klinische Studien Köln, gegenüber dem „Express“. „Bevor entschieden wird, ob diese Operation künftig ambulant zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung erbracht werden kann, muss deshalb evidenzbasiertes Wissen zur Liposuktion vorliegen.“

Mehr als 400 Patientinnen sollen behandelt werden

405 Patientinnen mit gesichertem Lipödem der Beine sollen deutschlandweit in bis zu 14 Zentren im Rahmen der Studie behandelt werden. Die Studie sieht maximal vier operative Eingriffe vor und erstreckt sich über einen Beobachtungszeitraum von zwölf Monaten sowie einer zusätzlichen Nachbeobachtungszeit von weiteren 24 Monaten. Interessentinnen können sich im Internet eingehend über die Studie informieren.

Allerdings: Bis es wirklich zu einer Veränderung im System kommt, könnte es noch deutlich länger dauern: „Wir rechnen mit einer Rekrutierungsphase von etwa einem halben Jahr, die Dauer der Run-in-Phase und der Nachbeobachtungszeit pro Patientin beträgt insgesamt 43 bis 48 Monate, damit beträgt die Studiendauer 63 Monate, bis wir tragfähige Erkenntnisse gewinnen. In fünf Jahren wissen wir also deutlich mehr“, so Privatdozent und Studienleiter Dr. Maurizio Podda. (red)

Tipps für Lipödem-Betroffene

Arztsuche: Frauen, die davon ausgehen, dass sie ein Lipödem haben, sollten zum Arzt gehen. Sie können entweder ihren Hausarzt auf das Problem ansprechen oder aber sich sich direkt an einen Facharzt für Gefäßkrankheiten (Phlebologe) wenden.

Sport: Radfahren, Nordic Walking, Skilanglauf und Schwimmen (vor allem Aquajogging) fördern die Entstauung. Sportarten, bei denen man sich abrupt bewegen muss wie etwa Tennis, Handball oder Fußball, sind weniger empfehlenswert.

Ernährung: Übergewicht vergrößert bei Lipödem-Betroffenen die Probleme. Die Gefahr wächst dadurch, zusätzlich ein Lymphödem zu entwickeln. Experten raten daher, ein normales Gewicht anzustreben. Die Ernährung sollte ausgewogen, vitamin- und ballaststoffreich sein (Vollkornprodukte, Gemüse und Obst, wenig Salz).

Hitze meiden: Auch bei Wärme verschlimmern sich die Beschwerden meistens. Daher sollte man bei Hitze keinen Sport treiben und bei Saunagängen aufpassen. Warme Länder sind als Urlaubsziele eher ungeeignet.

Hilfe: Bei zahlreichen Selbsthilfegruppen bieten betroffenen Frauen Unterstützung.

Weitere Informationen gibt es z.B. bei der „Lipödem Hilfe Deutschland e.V.“, die bundesweit aktiv ist: www.lipoedem-hilfe-ev.de

Auch der „Verein zur Förderung der Lymphoedemtherapie e.V.“ bietet Hilfe: www.lymphverein.de