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Hermeskeiler Platz: KVB lassen in Lindenthal nahe der Zentrale Wohnungen bauen

Bernd Preuss (Mitte) erläuterte beim Ortstermin das Bauvorhaben.

Bernd Preuss (Mitte) erläuterte beim Ortstermin das Bauvorhaben.

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Esch

Lindenthal -

Über den ehemaligen Wendehammer der Stadtbahnlinie 9 am Hermeskeiler Platz ist längst Gras gewachsen. Bald wird die Wiese wieder verschwinden. Neben der Endstation werden Wohnungen gebaut. Die Lindenthaler Bezirkspolitiker selbst haben es der Stadtverwaltung vorgeschlagen. Seitdem diese Pläne bekannt sind, klingelt deshalb im Bezirksrathaus Lindenthal häufig das Telefon. Viele Menschen interessierten sich dafür. Allerdings muss Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker die meisten enttäuschen. Bei einem Ortstermin, zu dem der Ortsverband der CDU eingeladen hatte, erläuterten Politiker und Mitarbeiter der Wohnungsgesellschaft der Stadtwerke (WSK) nun die Pläne und den Grund dafür. Die Pläne Auf dem einen halben Hektar großen Areal entsteht ein Haus mit etwa 40 Wohneinheiten - allerdings ausschließlich für Mitarbeiter der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Falls die nicht alle Wohnungen nehmen, geht der Rest an Angestellte der Stadtwerke. Der Grund: Die KVB möchte in Zeiten des Fachkräftemangels Mitarbeiter an sich binden. Bernd Preuss, Leiter der WSK, erläuterte ihn genauer. „Die KVB möchten ihren Angestellten preisgünstigen Wohnraum in der Nähe der Unternehmenszentrale an der Scheidtweiler Straße anbieten." Etwa neun bis zehn Euro wird der Quadratmeter kosten, noch ist der Preis allerdings nicht endgültig kalkuliert. Damit läge die Miete einige Euro unter dem Quadratmeterpreis, der aktuell für Neubauten in Sülz und in Lindenthal verlangt wird.

Das Auto soll überflüssig werden

Preuss nannte aber noch andere Vorteile, die der Wohnungsbau habe. Eine Kita wird dort ebenfalls einziehen. Durch die kurze Anfahrt zur Arbeit hätten die Mitarbeiter mehr Zeit und würden keinen Pkw benötigen. Dadurch würde auch Autoverkehr verhindert, der die Innenstädte mit Abgasen belastet. Die KVB wolle dort auch Carsharing und Mieträder anbieten. In zwei Jahren soll der Baubeginn sein. Der Entwurf Ein Mitarbeiter der WSK, Jens Johannisson, stellte den Entwurf der Architektengesellschaft Happarchitecture JJH aus Frankfurt vor, der die Jury bei dem vorangegangenen Wettbewerb überzeugt hat. Wichtig sei gewesen, dass der Hermeskeiler Platz durch den Neubau ein Gesicht erhält. Überzeugt hätten vor allem die gewölbeartigen Fassadengänge zum Platz hin, die die Fassade auflockern und das Gebäude zum Platz hin offen gestalten.

Direkter Weg zur Banhaltestelle

An der Hermeskeiler Straße wird das Gebäude fünfstöckig gebaut und ausschließlich zum Wohnen genutzt. Am Hermeskeiler Platz und in Richtung Simmerer Straße wird es dann viergeschossig sein und sich so in die vorhabenden Bebauung einfügen. Am Platz sollen im Erdgeschoss zwei Gewerbebetriebe einziehen. Die Wohnanlage soll begrünt werden und ein Fußweg durch sie hindurch führen, so dass Anwohner der Wohnviertel am Beethovenpark weiter einen direkten Weg zur Bahnhaltestelle zur Verfügung haben. Ein zweigeschossiges freistehendes Haus im Innenhof wird die Kindertagesstätte beherbergen. Das Gesamtgebäude wird eine Tiefgarage erhalten, die von der Simmerer Straße aus befahren wird. Stellplätze sind für 60 Prozent der Bewohner des Neubaus vorgesehen. Die Kritik der Anwohner Die Information war ein Grund für eine der insgesamt vielen kritischen Fragen, die Anwohner beim Ortstermin stellten. „Wenn man schon eine Tiefgarage baut, wieso dann nicht mit einem Platz für jeden der neuen Anwohner?" fragte ein Besucher. Man könne sie schließlich vermieten, wenn die neuen Nachbarn sie nicht bräuchten. Der Parkdruck sei in den Straßen um den Hermeskeiler Platz sowieso schon sehr hoch.

Anwohner fürchten mehr Verkehr

Die Forderung, dort nun auch Anwohnerparken einzuführen, wurde laut. Weil das Parkhaus über die Simmerer Straße angefahren würde, machten sich einige Besucher Sorgen um das Verkehrsaufkommen. Schon jetzt würden sich zu gewissen Zeiten vor der Ampel am Hermeskeiler Platz Staus bilden. Lkw würden von ihrem Navi durch die Wohnstraßen im Viertel geführt. Wenn noch mehr Menschen mit Pkw zuzögen, sei ein Verkehrskollaps absehbar. Grün und Bäume würden vernichtet. Ein Besucher fragte, ob denn Ausgleichsbepflanzungen geplant seien. Stellungnahme des Bauherrn Bernd Preuss rechtfertigte die Pläne. Es besäßen sowieso nicht alle der künftigen Bewohner ein Auto. Wenn man für jede Wohneinheit des Neubaus einen Tiefgaragenstellplatz habe schaffen wollen, wäre das viel zu teuer geworden. „Das hätten wir nicht dadurch finanzieren können, dass wir die Stellplätze für 100 Euro im Monat vermieten, sondern wir hätten es auf die Mieter umlegen müssen. Wir möchten aber ja gerade günstigen Wohnraum schaffen." Im Rahmen der weiteren Planung würde ein genaues Mobilitätskonzept für den Verkehr um den Neubau erarbeitet. Auch würden natürlich an anderer Stelle neue Bäume aufgepflanzt, soweit gesetzlich gefordert.

Auch Jens Johannisson beruhigte: „Wir sind erst ganz am Anfang unserer Planungen." Das war für die Anwohner ein Anlass für eine Bitte: „Können Sie denn nicht noch einmal eine Informationsveranstaltung machen, wenn schon genauere Pläne existieren?", fragte eine Besucherin. Die anwesenden Politiker versprachen, sich darum zu kümmern, dass die Bürger noch einmal genauer informiert werden.