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Kritik an Stadt Köln: Großflächige Mäuseplage in Niehler Flüchtlingsunterkunft

In der ehemaligen Hauptverwaltung der Glanzstoff-Werke sind 76 Menschen untergebracht.

In der ehemaligen Hauptverwaltung der Glanzstoff-Werke sind 76 Menschen untergebracht.

Foto:

Arton Krasniqi

Niehl -

Die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft an der Neusser Landstraße 2 leiden unter einer Mäuseplage. „Die Mäuse laufen hin und her“, sagt Sozialpädagogin Dagmar Doelle: „Die hängen in allen Schächten und Zwischendecken.“ Doelle betreut eine aus Eritrea geflüchtete Familie, die seit vier Monaten in dem Gebäude wohnt. „Sie laufen auf dem Boden und auf den Spielsachen der Kinder herum“, sagt der 28-jährige Vater zweier Kinder im Alter von zwei Jahren und neun Monaten. Er habe Angst um die Gesundheit der Kinder. Gerade jetzt, wenn es draußen kälter werde, kämen mehr Mäuse ins Haus als bisher. Ihre Scheu hätten die Tiere längst abgelegt, sagt Dagmar Doelle: „Es ist schon fies.“

Immer wieder Umzüge

Die Verwaltung bestätigte auf Anfrage das Problem. Das gesamte Objekt an der Neusser Landstraße sei befallen, so Stadtsprecherin Simone Winkelhog. Aber es werde gehandelt. Aktuell sind 76 Menschen in der ehemaligen Hauptverwaltung der Glanzstoff-Werke aus den 1920er Jahren untergebracht, sie müssten wegen der aktuell laufenden Bekämpfung der Mäuseplage zeitweilig innerhalb des Gebäudes in bereits behandelte Räume umziehen, so die Sprecherin: „Da derzeit nicht alle Wohneinheiten belegt sind, ist dies möglich.“

Dagmar Doelle wirft der Stadt allerdings vor, den Umzug schlecht zu managen. Informationen darüber, wie lange die Bewohner in ihren Übergangs-Zimmern bleiben müssen, gebe es nicht. Zudem müssten sie ihre Möbel selbst durch das Haus tragen. Die Bewohner würden schlecht behandelt, sagt die 57-Jährige.

Lange habe sich die Stadt zudem halbherzig um das Mäuseproblem gekümmert – trotz der gesundheitlichen Gefahren durch die Tiere. Die Stadt bestätigte, dass die Mäuseplage bereits seit mehreren Monaten besteht. Das Amt für Wohnungswesen und das Gesundheitsamt seien zwar mehrfach aktiv geworden. Wegen der „baulichen Gegebenheiten“ und der „offenen Lagerung von Lebensmitteln“ sei die Beseitigung jedoch „erheblich erschwert“, so die Verwaltung.

Einer der aufgestellten Giftköder

Einer der aufgestellten Giftköder

Foto:

Arton Krasniqi

Die Bewohner sollen deshalb schließbare Schränke für Lebensmittel bekommen: „Zusätzlich werden die dort untergebrachten Personen in einer Versammlung über die Aufbewahrung und den Umgang mit Lebensmitteln informiert und aufgeklärt.“ Dagmar Doelle reagiert verärgert auf diesen Punkt. Hygienische Probleme seien ihr zumindest bei ihrer Familie nicht aufgefallen: „Die haben die Tiere nicht angelockt.“

In sechs Bauabschnitten soll das Backstein-Haus nun „entwest“ werden. Drei Bauabschnitte seien bereits abgeschlossen, so die Stadt. Das Verfahren: Zunächst werden Giftköder in den Schlupflöchern und Laufwegen der Mäuse ausgelegt, danach Ritzen und Löcher geschlossen, um einen erneuten Befall zu verhindern.

Stadt: keine Gefährdung

Zum Schluss sollen die Räume desinfiziert und gereinigt werden. Vor Weihnachten werde die Aktion, die von Experten des Gesundheitsamts begleitet werde, abgeschlossen sein, heißt es von der Verwaltung. Da die Bewohner vorübergehend in bereits behandelte Räume umzögen, sei eine Gefährdung etwa durch die Giftköder ausgeschlossen.

Der 28-jährige Bewohner aus Eritrea bezweifelt allerdings die Wirksamkeit der Schädlingsbekämpfung. In Zimmern, die bereits behandelt wurden, seien wieder Mäuse unterwegs: „Sie bleiben immer“, sagt er. „Im Grunde muss das Gebäude geräumt werden“, sagt Dagmar Doelle. Sie werde nun die Zustände in einem offenen Brief an Politik und Verwaltung anprangern. Die Familie aus Eritrea würde unterdessen am liebsten umziehen – in eine Unterkunft ohne Mäuse.