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Notfallsanitäter äußert Bedenken: Kölner protestieren gegen Pläne für Holweider Klinik

Holweide Klinik Kritik

Ralf Unna,  Aufsichtsratschef  der städtischen Kliniken,  und Gewerkschafterin Eva Gürster diskutierten mit Bürgern. 

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Alexander Schwaiger

Köln -

Das Krankenhaus in Holweide soll in ein Medizinisches Versorgungszentrum umgewandelt werden. Ralf Unna, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen und Aufsichtsratsvorsitzender der Kliniken, stellte sich am Dienstagabend bei einer Diskussionsrunde den Fragen der Anwohner und Kritiker an dem Vorhaben. An der Versammlung in der Schützenhalle Holweide nahm auch Holger Baumann, Geschäftsführer der städtischen Kliniken, teil.

Unna, der auch Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Stadtrat ist, erklärte die Situation aus seiner Sicht. „Der Medizinstandort Holweide soll und muss erhalten bleiben. Stand jetzt soll statt des Krankenhauses ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) entstehen, das auch eine ständig geöffnete Anlaufstelle bietet“, sagte er. Weder ein Abbau von Betten noch von Stellen sei geplant. Die momentan betriebenen Betten sollen laut Plan des Rates an den Standort Merheim umziehen. Außerdem sollen dort durch Investitionen von mehr als 200 Millionen Euro neue Gebäude entstehen. In Holweide werden aktuell sechs Stationen nicht betrieben. Vier davon wegen Personalmangels, zwei wegen baulicher Maßnahmen, so Unna.

Kölner im Rechtsrheinischen haben wenig bis keine Klinik-Alternativen

180 Betten würden durch die Zentralisierung dauerhaft verloren gehen, sagte hingegen Jan Jikeli als Diskussionsteilnehmer aus dem Publikum. „Wie kann es sein, dass im linksrheinischen Köln die Krankenhäuser dicht an dicht stehen, aber die Menschen rechtsrheinisch bald nur noch nach Merheim können?“, wollte er wissen. Für seine Frage gab es viel Applaus. Kurz darauf entlud sich bei einem anderen Anwesenden die Wut über diese Verteilung in einem Zwischenruf: „Man fühlt sich als Bürger zweiter Klasse, wenn man rechtsrheinisch wohnt“, sagte er.

Die Stimmung im gut gefüllten Saal war hitzig. Verdi-Gewerkschafterin Eva Gürster, die die Veranstaltung leitete, unterband zu Beginn mit lauter Stimme und Klopfen auf den Tisch eine direkte Replik Unnas. So wurden jeweils mehrere gesammelte Argumente der Betroffenen gehört, worauf eine längere Antwort des Grünen-Politikers folgte. Keine seiner Antworten erhielt Applaus.

Kölner Notfallsanitäter äußert Sorgen

Ein anwesender Feuerwehrmann und Notfallsanitäter berichtete aus seinem Arbeitsalltag. „Wenn wir alle nach Merheim fahren müssen, dann wird es eine Schlange bis zum Kaufland geben“, sagte er. Die Hälfte der Dienstzeit bestehe schon jetzt nur aus der Anmeldung am Krankenhaus. Ein Krebspatient ergänzte: „Ich trage einen Katheter. Wenn der wegen des langen Anfahrtswegs überläuft – wo bleibt dann die verbesserte Qualität“, fragte er.

Die Bürger beschrieben ihre Sorge vor einer schlechteren Gesundheitsversorgung und ihre Hoffnung auf ein System, bei dem das Wohl der Menschen an oberster Stelle stehe. Unna und Baumann betonten die einstimmigen Ratsbeschlüsse zur Zukunft der städtischen Kliniken und die fehlende Wirtschaftlichkeit des Standorts Holweide.

In der nächsten Ratssitzung am 9. November wird das Thema fortgesetzt. Die Linke-Fraktion hat den Erhalt der Klinik in Holweide beantragt. Gürster rief die Anwesenden auf, an diesem Tag zum Rathaus zu kommen. Außerdem sei am 11. Dezember eine weitere Demonstration geplant.
Oberbürgermeisterin Henriette Reker konnte an der Versammlung trotz Einladung nicht teilnehmen. Ihr Büro sagte aber zu, eine Petition mit mittlerweile mehr als 4000 Unterschriften an den öffentlichen Beschwerdeausschuss weiterzuleiten.