Welche Website-Variante möchten Sie nutzen?

Mobile Ansicht Vollansicht
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Prozess in Köln: Senior um Tresor mit Münzen gebracht

gericht2

Ein 41-Jähriger wurde zu vier Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. (Symbolbild)

Foto:

dpa

Köln -

Immer wieder kamen Dilek H. die Tränen, als sie im Amtsgericht über den Vorwurf sprach, für den sie sich zu verantworten hatte. Am Ende wurde sie wegen gemeinschaftlichen Betrugs zu 9.000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Die 32-Jährige hatte im September 2017 bei einer Art von Betrug mitgemacht, mit der kriminelle Gruppen ganz Deutschland überziehen. Von Call-Center-ähnlichen Zentralen in der Türkei aus rufen die Täter bei alten Leuten an, geben sich als Polizeibeamte aus und machen ihnen weis, gerade hätten Kollegen Einbrecher festgenommen, in deren Unterlagen sich die Adresse des Angerufenen befinde. Es drohe also ein Einbruch. Um sicherzugehen, solle der Angerufene einem Polizisten oder einer Polizistin, die nachher vorbeikommen würden, alles übergeben.

Rentner übergab Silbermünzen

So geschah es auch im jetzt verhandelten Fall. Dilek H. (Name geändert) behauptete, sie sei ahnungslos auf die Bitte eines Freundes eingegangen, der für sie „wie mein kleiner Bruder“ gewesen sei. Sie habe ihm einen „Gefallen“ tun und bei einem 88-jährigen Rentner in Ehrenfeld Wertsachen abholen wollen. Zuvor war der alte Mann auf die beschriebene Art angerufen worden.

Gegen ein Uhr nachts klingelte Dilek H. bei ihm. Als der Mann ihr aufmachte und sie ihn mit einem Rollator vor sich sah, dämmerte ihr, dass etwas faul war. Sie nannte ihm das vereinbarte Codewort „Auto“, er ließ sie in die Wohnung. Ihr sei „mulmig“ gewesen, sagte sie vor Gericht, und am liebsten hätte sie kehrtgemacht, doch übers Handy habe ihr ein Unbekannter gedroht, sie dürfe die Sache auf keinen Fall abbrechen. Mit Mühe schleppte sie einen Tresor voller Silbermünzen im Wert von 1000 Euro aus der Wohnung. Eine Stunde habe sie gewartet, bis jemand gekommen sei, um den Safe abzuholen. Zurück zu Hause, habe sie den Bescheid bekommen, sie solle den Rentner erneut aufsuchen und eine Tüte mit Wertsachen abholen. Doch sie habe sich geweigert.

Nicht der erste „Gefallen“

Es war nicht das erste Mal, dass Dilek H. dem „kleinen Bruder“ einen „Gefallen“ tat – angeblich ohne zu wissen, dass sie sich an einem geplanten Verbrechen beteiligen sollte. Im September 2017 ging sie in ein Café in Offenbach, um etwas „abzuholen“, doch niemand kam; sie erhielt die Anweisung, sofort „abzubrechen“. Damals waren Ermittler den Tätern bereits auf der Spur und überwachten die Telefongespräche. Dilek H. wurde registriert, Fotos von ihr wurden in eine Datei aufgenommen. Der Kölner Rentner, der inzwischen gestorben ist, erkannte sie wieder, als ihm bei der Polizei Lichtbilder vorgelegt wurden.

Die Staatsanwaltschaft forderte eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung, die Verteidigerin bat um eine Geldstrafe. Die Richterin sagte, Dilek H.s umfassendes Geständnis sei „extrem strafmildernd“. Und: „Ich glaube Ihnen, dass Sie es bereuen“. Zugute hielt die Richterin ihr, dass sie „am unteren Rand der Hierarchie“ der Bande gestanden habe. Allerdings seien deren Taten „furchtbar“: Systematisch würden die Betrüger alte Menschen „um alles bringen, was sie haben“.