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Echo: Wolfgang Niedecken beklagt „menschenverachtende Brutalität“

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Wolfgang Niedecken (rechts) überreicht Klaus Voormann den Echo-Preis – den Voormann jetzt nicht mehr haben will.

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Getty Images

Klaus Voormann erhielt vergangenen Donnerstag den Echo für sein Lebenswerk. Am Montag gab er ihn wieder zurück. „Dies geschieht“, schreibt der 79-Jährige in einem Statement, „um mein Unverständnis auszudrücken gegenüber der Verantwortungs- und Geschmacklosigkeit aller verantwortlichen Beteiligten, die es nicht geschafft haben, rechtzeitig Konsequenzen zu ziehen.“

Damit zielt er auf die Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang. Die hatten mit Zeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ bereits im Vorfeld der Preisverleihung für ungläubiges Entsetzen gesorgt.

Paul McCartney war verhindert

Der ausrichtende Bundesverband Musikindustrie zeichnete sie trotzdem mit dem Preis für das beste Rap-Album aus und buchte sie zudem für einen Liveauftritt – platziert unmittelbar vor der Echo-Verleihung an Klaus Voormann.

Eigentlich sollte sein alter Freund Paul McCartney den Preis überreichen. Voormann hatte die Beatles während ihrer wilden Jahre in Hamburg kennengelernt, später entwarf er das Cover zu ihrem Album „Revolver“ und spielte Bass in John Lennons Plastic Ono Band.

Doch McCartney war verhindert. Stattdessen hielt Wolfgang Niedecken die Laudatio, auch er ist schon lange mit Voormann befreundet. Niedecken sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Montag, dass er und Voormann die Texte der Rapper nicht gekannt hätten.

Die Verleihung „gekapert“

Auch seien sie bei der Generalprobe nicht zugegen gewesen. In einer „Klarstellung“ via Facebook heißt es weiter: „Beim vorletzten Show-Act wurden wir dann mit der menschenverachtenden Brutalität der beiden Schein-Musikanten konfrontiert, allerdings ohne irgendetwas von deren Gebrabbel zu verstehen.“

Erst am nächsten Tag habe er sich mit dem Text befasst. Die Rapper hätten die Verleihung „gekapert“ und alle am Nasenring vorgeführt. Niedecken schreibt: „Klaus und mich haben die Veranstalter ganz einfach ins Messer laufen lassen.“ Voormann fragt in seiner Erklärung: „Woher kommt es, dass derartige Entgleisungen hierzulande so erfolgreich sind und von Sendern wie Vox sogar noch gefeatured werden?“

Statt der aufgeheizten Stimmung entgegen zu wirken, hätten die Echo-Verantwortlichen mit der „martialischen Performance“ von Kollegah und Farid Bang noch einen draufgesetzt. Die Nominierungen der Rapper und die daraus resultierende Preisverleihung, so Voormann, machten einen Echo-Ethikrat und alle an diesem Abend vergebenen Echos zur Farce.

Vox bedauert Entscheidung Voormanns

Der Kölner Sender Vox, der die Verleihung übertragen hatte, bedauerte auf Anfrage dieser Zeitung Voormanns Entscheidung. „Für alle Fragen und Kritik zum Auftritt standen und stehen wir ihm jederzeit zur Verfügung“, so Sprecherin Julia Kikillis.

Unterdessen forderte Peter Maffay, ebenfalls Echo-Lebenswerk-Preisträger, den Rücktritt der Verantwortlichen: „Es muss eine Aufarbeitung geben.“ Änderungen am Konzept reichten nicht aus. „Die Konsequenz aus den Vorfällen sollte sein: Die Verantwortlichen nehmen ihren Hut, und an ihre Stelle treten glaubhafte Personen, die für die Zukunft die nötige Transparenz garantieren.“


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