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Afghanistan: Zehn Tote nach US-Luftangriff in Kabul – Maas stellt Bedingungen

Kabul Drohnen Angriff ap

Eine US-Drohne hat in Afghanistan ein Haus zerstört.

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AP

Die radikalen Taliban sind nach dem Abzug der westlichen Truppen massiv vorgestoßen und haben in kürzester Zeit Afghanistan zurückerobert. Auch die Hauptstadt Kabul ist in der Hand der Islamisten. Die Lage am Flughafen ist unübersichtlich, unzählige Menschen versuchen verzweifelt zu fliehen. Die wichtigsten Ereignisse im Newsblog.

  • Montag, 30. August

Zehn Tote nach US-Luftangriff in Kabul

11 Uhr: Bei einem US-Luftangriff in der afghanischen Haupstadt Kabul am Wochenende sollen mindestens zehn Zivilisten getötet worden sein. Das berichtet der lokale TV-Sender ToloNews am Montag. Unter den Toten bei dem Angriff am Sonntag seien auch Kinder, hätten Anwohner dem Fernsehsender gesagt.

Das US-Militär hatte am Sonntag mitgeteilt, es untersuche nach dem Luftangriff auf ein Auto der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Berichte über mögliche zivile Opfer. Der Einsatz habe erfolgreich eine „unmittelbare Bedrohung“ für den Flughafen Kabul durch die Terroristen abgewendet, darüber hinaus würden die Ergebnisse des Luftschlags noch geprüft, hieß es in einer Stellungnahme der US-Kommandozentrale für die Region (Centcom). In dem zerstörten Fahrzeug habe sich „eine große Menge Sprengstoff“ befunden, „die womöglich zu weiteren Opfern führte“, hieß es.

„Es ist nicht klar, was passiert sein könnte und wir untersuchen das weiterhin. Wir wären sehr traurig über den möglichen Tod Unschuldiger“, hieß es in der Stellungnahme des Militärs.  

Maas will nur Afghanen mit Aufnahmezusage bei Ausreise helfen

10.30 Uhr: Bundesaußenminister Heiko Maas will nur denjenigen Menschen bei der Ausreise aus Afghanistan helfen, die eine Zusage für die Aufnahme in Deutschland haben. „Es geht uns nur um diese Personengruppe“, betonte der SPD-Politiker am Montag nach Gesprächen in Usbekistan, das als Nachbarland Afghanistans eine erste Anlaufstation für Schutzsuchende aus Afghanistan ist. Die Regierung in Taschkent habe sich bei der von Deutschland definierten Personengruppe zur Kooperation bereit erklärt. „Darüber hinaus haben wir auch keine Anfrage gestellt.“

Auf den Ausreiselisten des Auswärtigen Amts stehen mehr als 10 000 Afghanen. Dazu zählen ehemalige afghanische Mitarbeiter von Bundeswehr oder Ministerien - die sogenannten Ortskräfte - und besonders schutzbedürftige Menschen wie Menschenrechtsaktivisten oder Frauenrechtlerinnen. Hinzu kommen deren Familienangehörige. Zusammen geht es nach jetzigem Stand um mehr als 40 000 Menschen, die in Deutschland aufgenommen werden sollen - wenn es ihnen gelingt, das Land zu verlassen.

Raketen auf Flughafen in Kabul abgefeuert

7 Uhr: In der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es einem Medienbericht zufolge einen Raketenangriff gegeben. Am Montagmorgen (Ortszeit) seien aus der Gegend Chairchanah im Norden der Stadt mehrere Raketen in Richtung Flughafen abgefeuert worden, schrieb der lokale Fernsehsender ToloNews mit Berufung auf Augenzeugen auf Twitter. Der Fernsehsender CNN berichtete und Berufung auf US-Regierungmitarbeiter, dass mindestens fünf Raketen in Richtung Flughafen abgefeuert worden seien.

Über mögliche Opfer oder Schäden gab es zunächst keine Informationen. Der Flughafen verfügt über ein Raketenabwehrsystem. Dieses wurde erst vor wenigen Wochen getestet. In sozialen Medien wurden Videos geteilt, die ein brennendes Auto zeigen sollen, aus dem die Raketen abgefeuert worden sein sollen.

US-Präsident Joe Biden hatte am Sonntag vor möglichen weiteren Anschlagen rund um den Flughafen Kabul gewarnt. Erst am Donnerstag waren bei einem Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Flughafen Kabul mindestens 13 US-Soldaten - und -soldatinnen sowie zwei Briten ums Leben gekommen. Die Angaben über die afghanischen Todesopfer schwanken, Sender wie CNN sprachen von bis zu 200 Toten.

Der IS hat bereits in der Vergangenheit immer wieder verschiedene Ziele in Kabul mit Raketen angegriffen. Die US-Truppen wollen bis Dienstag Afghanistan verlassen haben.

  • Sonntag, 29. August

Biden trifft Familien der bei Anschlag in Kabul getöteten Soldaten

19.50 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat sich mit Hinterbliebenen der 13 bei dem Terroranschlag in Kabul getöteten US-Soldaten getroffen. Im Anschluss wohnten Biden, First Lady Jill Biden, Außenminister Antony Blinken, Verteidigungsminister Lloyd Austin und ranghohe Vertreter der Streitkräfte am Sonntag der Ankunft der Särge der getöteten Soldatinnen und Soldaten bei. Bidens Gespräch mit den Angehörigen fand hinter verschlossenen Türen statt.

Die vom US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz kommenden Särge, jeweils bedeckt mit einer amerikanischen Flagge, wurden von Soldaten am Stützpunkt Dover im Bundesstaat Delaware für die weitere Überführung aus einem Transportflugzeug entladen. Die Vertreter des Militärs salutierten den Gefallenen, Biden und die übrigen politischen Vertreter hielten ihre rechte Hand ans Herz. Anwesenden Journalisten zufolge wurden elf der Särge öffentlich entladen, zwei Familien hatten sich eine nicht-öffentliche Überführung gewünscht.

Die getöteten Soldatinnen und Soldaten waren zwischen 20 und 31 Jahre alt. Unter den Opfern waren laut Verteidigungsministerium elf Marineinfanteristen und je ein Soldat des Heeres und der Marine. Fünf der Marineinfanteristen waren gerade mal 20 Jahre alt. Unter den Opfern waren auch eine 23 sowie eine 25 Jahre alte Soldatin.

US-Militär fliegt Luftangriff gegen IS-Terroristen in Kabul

16.56 Uhr: Das US-Militär hat nach eigenen Angaben in der afghanischen Hauptstadt einen Luftangriff durchgeführt, um eine „unmittelbare Bedrohung“ für den Flughafen Kabul durch Terroristen abzuwenden. Eine Drohne habe erfolgreich auf ein Auto des örtlichen Ablegers der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gefeuert, erklärte das US-Militär am Sonntag. Weil es nach dem Raketeneinschlag zu „bedeutenden sekundären Explosionen“ kam, sei davon auszugehen, dass in dem Fahrzeug eine große Menge Sprengstoff gewesen sein müsse, hieß es weiter. Es werde geprüft, ob es bei dem Angriff zivile Opfer gab. Bislang gebe es aber keine dahingehenden Hinweise, hieß es.
Erst am Donnerstag waren bei einem Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Flughafen Kabul Dutzende Zivilisten sowie mindestens 13 US-Soldaten ums Leben gekommen.

Kabul von „starker“ Explosion erschüttert 

15 Uhr: In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind die Geräusche von mindestens einer Explosion gehört worden. Mehrere Nutzer schrieben auf Twitter, sie hätten eine „starke“ Explosion gehört. Gleichzeitig wurden Bilder und Videos geteilt, auf denen eine große, schwarze, aufsteigenden Rauchsäule zu sehen war. Zwei lokale Journalisten sprachen von einer Rakete, die in einem Privathaus in der Nähe des Flughafens eingeschlagen sein soll. Diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Erst am Donnerstag waren bei einem Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Flughafen Kabul mindestens 13 US-Soldaten - und -soldatinnen sowie zwei Briten ums Leben gekommen. Die Angaben über die afghanischen Todesopfer schwanken, Sender wie CNN sprachen von bis zu 200 Toten.

US-Präsdent Joe Biden hatte am Sonntag vor möglichen weiteren Anschlagen gewarnt. Die US-Armee, die gerade vom Flughafen Truppen ausfliegt und in Sicherheit bringt, hatte aber auch angekündigt, dass es wohl weitere Sprengungen von Ausrüstung geben werde. 

300 weitere Menschen aus Kabul gerettet

14.30 Uhr: Mit Unterstützung aus Deutschland sind nach dem Ende der Bundeswehrflüge mehr als 300 weitere Schutzbedürftige aus Kabul ausgeflogen worden. Darunter waren nach Angaben aus der Bundesregierung in der Nacht zum Sonntag etwa 140 Deutsche sowie Ortskräfte und Mitarbeiter eines Auftragsunternehmens des beendeten Nato-Einsatzes. „Zeit“ und „Spiegel“ berichteten zudem, dass 189 Schutzbedürftige organisiert von der privaten Rettungsinitiative Luftbrücke Kabul zum Flughafen gebracht und ausgeflogen wurden, darunter auch Mitarbeiter deutscher Medien. Die Bundeswehr hatte ihren Evakuierungseinsatz am Donnerstag beendet. Die US-Streitkräfte wollen bis Dienstag abziehen.

Die Rettungsinitiative warf der Bundesregierung fehlende Unterstützung und massive Widerstände gegen eine vorbereitete Evakuierung vor. „Mit immensem Aufwand konnten wir 18 gefährdete Ortskräfte aus Kabul in Sicherheit bringen. 18 Menschenleben, dabei hätten es hunderte mehr sein können, wenn unsere Rettungsaktion nicht aktiv vom Auswärtigen Amt blockiert worden wäre“, hieß es in einer Erklärung, die am Sonntag auf der Internetseite der zivilgesellschaftlichen Initiative verbreitet wurde. Aus der Bundesregierung wurde die Kritik zurückgewiesen.

Offenbar nur rund 100 Ortskräfte von Bundeswehr aus Kabul ausgeflogen

10 Uhr: Mit den Evakuierungsflügen der Bundeswehr wurden einem Zeitungsbericht zufolge offenbar nur wenige Ortskräfte aus Afghanistan in Sicherheit gebracht. Entsprechende erste Zahlen habe das Bundesinnenministerium in dieser Woche unter anderem im Bundestag präsentiert, berichtete die „Welt am Sonntag“.

Demnach befanden sich unter den bis Mitte der Woche etwa 4500 Ausgeflogenen nur knapp mehr als 100 Ortskräfte mit ihren Familien. Insgesamt mache diese Gruppe rund 500 der 4500 ausgeflogenen Menschen aus.

Angesichts der unübersichtlichen Evakuierungen aus Kabul werde allerdings davon ausgegangen, dass sich mehrere Ortskräfte derzeit womöglich noch in anderen europäischen Ländern aufhielten. Eine Anfrage dazu habe das Bundesinnenministerium unbeantwortet gelassen, schrieb die „WamS“. Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin wurden demnach mittlerweile 5300 Menschen aus Kabul in Sicherheit gebracht. 

  • Samstag, 28. August

Joe Biden befürchtet weiteren Anschlag am Kabuler Flughafen

21.51 Uhr: Am Flughafen Kabul ist ein weiterer Terroranschlag vor dem Abzug der US-Truppen laut Präsident Joe Biden „sehr wahrscheinlich“. Die Lage sei weiterhin „extrem gefährlich und die Bedrohung durch Terroranschläge auf den Flughafen bleibt hoch“, erklärte Biden am Samstag. Das Militär sei angewiesen, alle möglichen Schritte zu unternehmen, um die Soldatinnen und Soldaten zu schützen.

Nach einer Beratung mit seinem Sicherheitsberatern und Kommandeuren erklärte er am Samstagnachmittag (Ortszeit), das Militär halte einen Anschlag in den nächsten 24 bis 36 Stunden für sehr wahrscheinlich.

Das US-Militär soll bis Dienstag aus Afghanistan abziehen. Damit wird auch der Einsatz zur Evakuierung von westlichen Staatsbürgern und früheren afghanischen Mitarbeitern und deren Familien enden.

Bei einem Anschlag am Donnerstag in der Nähe des Flughafens in Kabul waren Dutzende Menschen getötet worden, darunter auch 13 US-Soldaten.

Außenminister Heiko Maas bricht zu Länderreise auf

19.48 Uhr: Außenminister Heiko Maas bricht am Sonntag zu einer viertägigen Reise in fünf Länder auf, die alle eine Rolle bei den weiteren Bemühungen um die Ausreise Schutzsuchender aus Afghanistan spielen. Erste Station ist am Sonntag die Türkei, die für den Weiterbetrieb des Flughafens in Kabul und die Aufnahme von Flüchtlingen große Bedeutung hat.

Danach besucht der SPD-Politiker mit Usbekistan, Pakistan und Tadschikistan drei Nachbarländer Afghanistans sowie Katar. Das kleine, aber einflussreiche Golfemirat hat sich tatkräftig an den Evakuierungen beteiligt. In der Hauptstadt Doha sitzt außerdem das politische Büro der militant-islamistischen Taliban, das quasi als Außenministerium der neuen Machthaber in Afghanistan fungiert und mit dem der deutsche Unterhändler Markus Potzel seit Tagen Gespräche über Ausreisefragen führt.

Maas startet nur drei Tage nach dem Ende der Evakuierungsoperation der Bundeswehr, bei der die Luftwaffe unter extrem gefährlichen Bedingungen 5347 Menschen aus mindestens 45 Ländern aus Kabul ausgeflogen hat. Es stehen aber immer noch mehr als 10 000 Menschen auf den Ausreiselisten des Auswärtigen Amts, darunter 300 Deutsche.

Bundeswehr zieht Sanitätsflugzeug ab

18.18 Uhr: Die Bundeswehr hat nun auch ihr Sanitätsflugzeug aus dem usbekischen Taschkent abgezogen, das dort noch für eine mögliche Rettung Verletzter aus dem afghanischen Kabul stationiert war. Die fliegende Intensivstation „MedEvac“ und eine Transportmaschine A400M flogen am Samstag vom usbekischen Taschkent nach Wunstorf bei Hannover. Dort landeten sie am späten Nachmittag, wie die Luftwaffe bestätigte.

Bereits am Freitagabend waren drei Bundeswehrmaschinen aus Taschkent in Wunstorf gelandet, die rund 380 Soldaten aus dem Einsatz zurückbrachten. Bei der größten Evakuierungsoperation in der Geschichte der Bundeswehr hatte die Luftwaffe in elf Tagen 5347 Menschen aus mindestens 45 Ländern aus Kabul ausgeflogen, überwiegend Afghanen, aber auch mehr als 500 Deutsche.

Pentagon: Flughafen in Kabul weiterhin unter Kontrolle des US-Militärs

18.01 Uhr: Das US-Militär hat den Flughafen Kabul nach eigenen Angaben weiterhin komplett unter Kontrolle. Das Militär werde noch bis zum geplanten Abzug am Dienstag für Sicherheit und Betrieb des Airports verantwortlich sein, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Samstag. Alle Tore des Flughafens stünden weiter unter Kontrolle der US-Truppen.

Damit widersprach Kirby einer Darstellung der militant-islamistischen Taliban, wonach die USA „zwei, drei“ Zugänge zum Flughafen in der Nacht zu Samstag an Kräfte der Islamisten übergeben hätten. Die Taliban hätten Sicherheitskontrollen rund um den Flughafen errichtet, sagte Kirby. „Aber sie kontrollieren keine Tore, sie sind nicht am Flughafen und haben keine Rolle für die Sicherheit“, betonte Kirby.

20.500 aus Afghanistan ausgeflogene Menschen landeten bisher in Ramstein

14.21 Uhr: Etwa 20.500 Evakuierte aus Afghanistan sind bis Samstag auf der Air Base Ramstein in Rheinland-Pfalz gelandet. Das teilte der weltweit größte US-Luftwaffenstützpunkt außerhalb Amerikas mit. Ramstein nahe Kaiserslautern ist seit dem 20. August ein US-Drehkreuz für Geflüchtete aus Afghanistan.

Etwa 100 Flugzeuge der United States Air Force seien auf der Air Base eingetroffen, berichtete eine Sprecherin des Stützpunkts. Mehr als 5000 Evakuierte seien von dort mit etwa 22 Flügen weitergereist. Die Flüge werden voraussichtlich über das ganze Wochenende andauern.

Schutzsuchende wie etwa ehemalige Ortskräfte der USA in Afghanistan und ihre Familien, die aus Angst vor den Taliban ihre Heimat verlassen, kommen zunächst in Zelten und Flugzeughangars der Air Base unter. Sie werden registriert und bei Bedarf medizinisch behandelt. In der US-Militäranlage Rhine Ordnance Barracks in Kaiserslautern werden Menschen aus Afghanistan ebenfalls vorübergehend beherbergt.

Mehrere Flughafen-Gates in Kabul übernommen

12.23 Uhr: Die militant-islamistischen Taliban haben eigenen Angaben zufolge mehrere Tore am Flughafen Kabul unter ihre Kontrolle gebracht. „Zwei, drei“ Zugänge zum Flughafen seien in der Nacht zu Samstag von den USA an Kräfte der Islamisten übergeben worden, sagte ein Vertreter der Taliban der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Samstag.

Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, hatte eine derartige Übergabe nach ersten Medienberichten darüber in der Nacht zum Samstag allerdings vehement und ohne Zögern dementiert. Taliban kontrollierten weder den Flughafen noch Teile davon, noch Tore des Geländes, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums am Freitag.
In der Nacht zu Samstag hatten pro-Taliban-Nutzer auf Twitter Bilder geteilt, die Taliban-Kräfte wenige Meter hinter dem Zugang zum zivilen Teil des Flughafen zeigen sollen, also innerhalb des Flughafengeländes. Auch am Samstagmorgen (Ortszeit) teilten sie Bilder, die Taliban-Kräfte noch etwas weiter innerhalb des zivilen Teils des Flughafengeländes zeigten nahe des VIP-Parkplatzes und des Inlandsterminals.

Von wann die Fotos sind, ist nicht klar. In der Vergangenheit haben die Islamisten ihre Kämpfer immer wieder kurzzeitig an bekannte Punkte geschickt und Fotos machen lassen, um beispielsweise in sozialen Medien ihr Vorrücken auf eine bestimmte Stadt vorzutäuschen und Panik zu schüren.

Vereinte Nationen starten Hilfsappell wegen Dürre

12.53 Uhr: In einem dringenden Hilfsappell haben die Vereinten Nationen Unterstützung für Millionen afghanische Bauern gefordert, denen wegen extremer Dürre verheerende Ernteausfälle drohen. Die Bauern seien von „akuter Ernährungsunsicherheit“ bedroht, erklärte die UN-Ernährungsorganisation FAO am Samstag. Sie warnte vor einer innerafghanischen Fluchtbewegung und weiterer Instabilität in Afghanistan.

„Wenn wir es nicht schaffen, den am meisten von der akuten Dürre bedrohten Menschen zu helfen, werden viele von ihnen dazu gezwungen, ihre Farmen zu verlassen“, betonte FAO-Direktor Qu Dongyu. „Dies könnte die Ernährungsunsicherheit verschärfen und die Stabilität Afghanistans zusätzlich bedrohen.“ Von akuter Ernährungsunsicherheit aufgrund der Dürre in Afghanistan sind nach UN-Angaben insgesamt etwa 14 Millionen Menschen bedroht, darunter zwei Millionen Kinder. Laut FAO werden zusätzlich zu bestehenden Hilfsgeldern weitere 18 Millionen Dollar (15 Millionen Euro) benötigt. Mit diesem Betrag könnten demnach 250.000 Bauernfamilien - etwa 1,5 Millionen Menschen - mit Weizensaatgut versorgt werden.

Nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan befürchten viele Hilfsorganisationen einen nur noch eingeschränkten humanitären Zugang zu Menschen in Not. Die Vereinten Nationen warnten angesichts mangelnder Lebensmittelvorräte vor einer humanitären Katastrophe in dem Land.

  • Freitag, 27. August

General mit Sturmgewehr – Ziviler Flugverkehr in Kabul ungewiss

22.00 Uhr: Der Kommandeur des deutschen Evakuierungseinsatzes in Afghanistan wagt keine Prognose, wann der Flughafen von Kabul wieder zivile Flugzeuge abfertigen kann. „Der zivile Teil auf der Südseite (des Flughafens) ist zerstört“, sagte Brigadegeneral Jens Arlt am Freitagabend nach der Rückkehr nach Deutschland auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf bei Hannover. Er trug - aus dem Einsatz kommend - noch sein Sturmgewehr.

Es werde schwierig werden, dort Gebäude und die notwendige Sicherheitsstruktur wieder herzustellen, sagte er. Das Ausfliegen schutzbedürftiger Menschen sei allein aus dem militärischen Teil des Flughafens in Kabul erfolgt. Deutschland hofft darauf, dass Ortskräfte und andere Personen künftig auch mit zivilen Flugzeugen Afghanistan verlassen können.

Arlt sprach von einem „hochdynamischen Einsatz“ zwischen Kabul und der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Es sei gelungen, humanitäre Not zu lindern. „Dieser Einsatz wird mich prägen, wird uns alle prägen“, sagte der General. „Ich freue mich, dass ich wieder zurück bin in Deutschland.“ Die heimgekehrten Soldaten und Soldatinnen kehrten noch nachts mit Bussen aus Wunstorf an ihre Heimatstandorte zurück.

Kramp-Karrenbauer: Soldaten haben „Unfassbares gesehen und erlebt“

21.30 Uhr: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat den Kräften der Evakuierungsmission aus Afghanistan für ihren schweren Einsatz gedankt. Ihr sei in Gesprächen deutlich geworden, dass die Soldatinnen und Soldaten, die Diplomaten aus Kabul sowie Polizisten „Unfassbares gesehen und erlebt haben und dass sie Unglaubliches geleistet haben“, sagte Kramp-Karrenbauer am Freitagabend auf dem Fliegerhorst Wunstorf bei Hannover.

Die Männer und Frauen unter dem Kommando von Brigadegeneral Jens Arlt, dem Kommandeur der Luftlandebrigade 1, hätten volles Vertrauen bekommen und „dieses Vertrauen und alle Erwartungen, wie wir in sie gesetzt haben, mehr als erfüllt“. Kramp Karrenbauer sagte auch: „Die ersten Gedanken auch an dem heutigen Abend gelten den Opfern des fürchterlichen Terroranschlags gestern, sowohl den zivilen Opfern aber natürlich insbesondere auch den amerikanischen Kameraden, mit denen diese Operation vor Ort Seite an Seite durchgeführt worden ist.“

Generalleutnant Pfeffer in Wunstorf: „Kein Grund zum Feiern“

21.00 Uhr: Der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Erich Pfeffer, hat den Soldaten der Evakuierungsmission für ihren schwierigen Einsatz in Afghanistan gedankt. „Der heutige Tag ist angesichts der dramatischen Lage in Afghanistan kein Grund zum Feiern. Aber, es ist ein Tag zur Würdigung der erfolgreichen Evakuierung von mehr als 5000 Menschen, ein Tag zur Würdigung Ihres extrem intensiven Einsatzes über nahezu zwei Wochen“, sagte Pfeffer am Freitagabend auf dem niedersächsischen Fliegerhorst Wunstorf vor den mit Waffen angetretenen Einsatzkräften, die in drei Maschinen gelandet waren.

„Gleichzeitig ist es äußerst schmerzhaft zu wissen, dass es uns in der begrenzten Zeit nicht gelungen ist und auch nicht gelingen konnte, alle zu evakuieren, die mit oder für Deutschland in Afghanistan gearbeitet haben“, sagte Pfeffer. „Trotzdem ist es ein Tag der Freude über die Rückkehr unserer Truppen aus Kabul. Doch diese Freude wird auch massiv getrübt durch die niederträchtigen Anschläge auf den Flughafen in Kabul des gestrigen Tages.“

Pfeffer würdigte den Einsatz der Soldatinnen und Soldaten, darunter Fallschirmjäger aus Seedorf (Niedersachsen), das Kommando Spezialkräfte (KSK) aus Calw (Baden-Württemberg), Hubschrauberteams der Spezialkräfte der Luftwaffe aus Laupheim (Baden-Württemberg) sowie Militärpolizisten aus Berlin, Hilden und München sowie Soldaten aus anderen Standorten.

Biden will Drahtzieher des Kabul-Anschlags töten lassen

21.00 Uhr: Die US-Regierung hat ihre Entschlossenheit betont, die Drahtzieher des verheerenden Anschlags von Kabul töten zu lassen. „Er hat klar gemacht, dass er nicht will, dass sie noch auf der Erde leben“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Freitag in Washington mit Blick auf die jüngste Drohung von US-Präsident Joe Biden gegen die Terroristen. Psaki reagierte auf die Frage, ob Biden die Urheber der Attacke töten lassen oder vor Gericht stellen wolle.

Außerhalb des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt Kabul hatte sich am Donnerstag nach US-Angaben ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz Isis-K in die Luft gesprengt und Dutzende Menschen mit in den Tod gerissen, darunter 13 US-Soldaten. Biden hatte den Terroristen wenige Stunden nach der Attacke mit Vergeltung gedroht und gesagt: „Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen.“

Psaki sagte, die Regierung werde sich nicht zu Details äußern, wie genau man gegen die Urheber des Anschlags vorgehen werde. Sie betonte aber, dieses Bekenntnis dazu bleibe bestehen, „bis es erledigt ist“. Der Präsident und das Militär hätten keinen Zweifel, dass sie jede Befugnis hätten, Isis-K anzugreifen.

Weißes Haus: Weiterer Terroranschlag in Kabul wahrscheinlich

20.15 Uhr: Die kommenden Tage werden nach Ansicht der US-Regierung die „gefährlichste“ Phase des Evakuierungseinsatzes aus Afghanistan. US-Präsident Joe Biden sei bei einem Treffen mit seinem nationalen Sicherheitsteam davor gewarnt worden, dass ein weiterer Terroranschlag in Kabul wahrscheinlich sei, hieß es am Freitag in einer Mitteilung der Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Es würden aber maximale Schutzmaßnahmen ergriffen.

Biden sei außerdem von seinen Kommandeuren über Pläne informiert worden, Angriffsziele gegen die Terrororganisation Isis-K zu entwickeln, hieß es weiter. Isis-K ist ein örtlicher Ableger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Die Amerikaner sprachen von Isis statt vom IS - daher bezeichnen sie den Zweig als Isis-K.

Die Evakuierung der US-Bürger, die sich noch in Afghanistan aufhielten, habe Vorrang. Es würden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um diese sicher zum Flughafen zu bringen. Biden hatte sich den Angaben nach am Freitagmorgen im Lagezentrum des Weißen Hauses mit seinen nationalen Sicherheitsberatern, Kommandeuren, Diplomaten und weiteren hohen Beamten getroffen. Der Präsident habe den Kommandeuren seine Zustimmung zu allen Befugnissen gegeben, die sie zur Durchführung der Operation und zum Schutz der Truppen benötigten.

In der Nähe des Flughafens von Kabul hatte sich am Donnerstag nach US-Angaben ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz Isis-K in die Luft gesprengt und Dutzende Menschen mit in den Tod gerissen, darunter 13 US-Soldaten. Biden drohte den Terroristen mit Vergeltung. „Wir werden Euch jagen und Euch dafür bezahlen lassen“, hatte er am Donnerstag gesagt.

Bundeswehrflugzeuge kehren von Evakuierungsmission zurück

19.55 Uhr: Die ersten Soldaten der Bundeswehr sind von ihrer Evakuierungsmission in Afghanistan nach Deutschland zurückgekehrt. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf bei Hannover landete am Freitagabend die erste von drei Militärmaschinen. Die zwei weiteren Flugzeuge wurden wenig später erwartet. An Bord eines Flugzeugs war nach Militärangaben auch Bundesverteidigungsministerium Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Die Einsatzkräfte waren in Taschkent gestartet, der Hauptstadt von Usbekistan. Dort hatte die Bundeswehr ein Drehkreuz eingerichtet, um in kurzen Shuttleflügen Deutsche und bedrohte Afghanen aus Kabul auszufliegen. Für den Rückflug der Soldaten nach Deutschland wurden ein Airbus A310 der Luftwaffe und zwei Militärtransporter A400M eingesetzt. Nach Bundeswehrangaben waren an der Evakuierungsmission 454 Einsatzkräfte beteiligt, darunter 19 Soldatinnen.

Verletzte US-Soldaten nach Deutschland geflohen

18.41 Uhr: Bei dem Anschlag am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul verletzte US-Soldaten sind nach Deutschland geflogen worden. Zwei Maschinen mit den Verletzten seien am Freitag am US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz gelandet, erklärte das US-Verteidigungsministerium in Washington. Die Soldaten seien zum nahegelegenen US-Militärkrankenhaus in Landstuhl gebracht worden und würden dort behandelt. In Landstuhl westlich von Kaiserslautern befindet sich das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA. Bei dem Selbstmordanschlag in Kabul waren am Donnerstag mindestens 85 Menschen getötet worden, unter ihnen 13 US-Soldaten. 18 US-Soldaten wurden verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). fs/gt

Pentagon: Nur ein IS-Selbstmordattentäter bei Angriff in Kabul

17.05 Uhr: Bei dem verheerenden Terrorangriff am Flughafen in Kabul hat sich nach Erkenntnissen des US-Verteidigungsministeriums ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt - nicht zwei. US-Generalmajor William Taylor sagte am Freitag im Pentagon, man sei nicht sicher, wie es am Vortag zu der falschen Angabe von zwei Selbstmordattentätern habe kommen können. „Wir hielten es für wichtig, die Angaben hier zu korrigieren.“ Das Verteidigungsministerium hatte am Donnerstag nach dem Terrorangriff von zwei Selbstmordattentätern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gesprochen. 

12.500 Menschen aus Kabul ausgeflogen in 24 Stunden rund um Anschlag

15.55 Uhr: Trotz des Anschlags außerhalb des Flughafens von Kabul gibt es weiter Evakuierungsflüge aus Afghanistan. Innerhalb von 24 Stunden - zwischen dem frühen Donnerstagmorgen und dem frühen Freitagmorgen Washingtoner Zeit - brachten die USA und ihre Verbündeten rund 12.500 Menschen außer Landes, wie das Weiße Haus am Freitag mitteilte. 8500 seien vom US-Militär ausgeflogen worden, 4000 wiederum in Maschinen internationaler Partner. Ein Teil der 24-Stunden-Spanne lag vor dem Terrorangriff nahe des Airports, der den Flugbetrieb zeitweise lahmgelegt hatte. Nach Angaben des Weißen Hauses flogen die USA und ihre Verbündeten seit dem Start der Evakuierungsmission in Kabul Mitte August rund 105.000 Menschen aus.

Bei dem Anschlag außerhalb des Flughafens in Kabul hatten Selbstmordattentäter und eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz IS am Donnerstag viele Zivilisten und mindestens 13 US-Soldaten getötet.

Italien will G20-Sondergipfel zur Lage in Afghanistan einberufen

14.55 Uhr: Italien will zeitnah einen Sondergipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) zur Lage in Afghanistan einberufen. Das sagte Außenminister Luigi Di Maio am Freitag in Rom nach einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Zur Lage in Afghanistan sei eine „enge internationale Absprache“ notwendig, sagte Di Maio. Italien hat derzeit den Vorsitz der G20 inne, ein genauer Terminplan wurde zunächst nicht bekannt.

„Wir sind bereit, konkrete Vorschläge der italienischen Seite zu prüfen“, sagte Lawrow der russischen Staatsagentur Tass zufolge. Italien habe zugesichert, bald ein entsprechendes Konzeptionspapier vorzulegen. Zuvor hatte sich Lawrow auch mit Italiens Ministerpräsident Mario Draghi über die Lage in Afghanistan nach dem Abzug westlicher Truppen ausgetauscht. Bei einem Anschlag am Flughafen Kabul waren am Donnerstag Dutzende Menschen verletzt und getötet worden.

Italien wollte seine Evakuierungsmission in dem Land am Freitag beenden, dann sollte die letzte Maschine aus Kabul abheben. „In den kommenden Stunden endet die erste Notfall-Phase in Afghanistan“, sagte Di Maio. Nun gehe es darum, einen Plan zu entwickeln, wie man die afghanische Bevölkerung auch in Zukunft unterstützen könne. Nach Angaben des italienischen Verteidigungsministeriums hat das Land im Lauf der Mission knapp 4900 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht.

UNO rechnet mit halber Million weiterer afghanischer Flüchtlinge bis Jahresende 

14.40 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban rechnen die Vereinten Nationen allein bis Jahresende mit bis zu einer halben Million weiterer afghanischer Flüchtlinge. „Wir bereiten uns auf etwa 500.000 neue Flüchtlinge in der Region vor“, sagte am Freitag die stellvertretende UN-Flüchtlingskommissarin Kelly Clements vor Reportern. Bislang sei jedoch noch keine massive Fluchtbewegung zu verzeichnen. 

Lage am Flughafen in Kabul als „hochgefährlich“ eingestuft

14 Uhr: Das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amts schätzt die Sicherheitslage am Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul als „hochgefährlich“ ein. Es bestehe weiterhin ein hohes Anschlagsrisiko rund um den Flughafen, hieß es am Freitag in einem Schreiben an deutsche Staatsbürger, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Wir raten Ihnen deshalb dringend, sich derzeit nicht zum Flughafen zu begeben.“ Es sei noch nicht absehbar, wann der reguläre Flugbetrieb wieder aufgenommen werde.

Zurzeit gibt es keine zivilen und kommerzielle Flüge vom internationalen Flughafen Kabul. Die Bundeswehr hatte am Donnerstag ihre Luftbrücke aus der afghanischen Hauptstadt Kabul nach elf Tagen beendet. Der Evakuierungseinsatz der USA läuft noch einige Tage weiter. Die Bundesregierung setzt nun auf Diplomatie, um Ortskräften und deutschen Staatsbürgern weiter eine Ausreise zu ermöglichen.

Vier Abgeschobenen gelingt Rückkehr nach Deutschland

13.45 Uhr: Über die Evakuierungsflüge aus Afghanistan ist es nach Kenntnis der Behörden vier vormals Abgeschobenen gelungen, nach Deutschland zurückzukehren. Aufgrund der Notlage habe sich die Bundesregierung bei der Evakuierung für ein „sehr pragmatisches Verfahren“ entschieden, das auch mit Risiken verbunden sei, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Steve Alter, am Freitag in Berlin. Dazu gehöre, dass die Sicherheitsüberprüfung, die normalerweise vor Erteilung des Visums erfolgt, erst bei der Einreise vorgenommen werde.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte am Donnerstag gesagt, von Abgeschobenen seien gefälschte Dokumente vorgelegt worden, um an Bord der Evakuierungsflugzeuge zu gelangen.

Mindestens einer der vormals abgeschobenen Afghanen sei direkt wieder in Haft genommen worden, berichtete der Sprecher. Andere erhielten eine Duldung, weil keine Bedenken gegen ihren Aufenthalt in Deutschland bestünden. Deutschland hatte zuletzt nur Männer nach Afghanistan abgeschoben, vor allem Straftäter und Islamisten, die von der Polizei als potenziell gefährlich eingestuft worden waren. 

Terroranschlag fordert mindestens 108 Todesopfer

12.30 Uhr: Mindestens 108 Menschen sind bei dem Anschlag am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul ums Leben gekommen, mehr als 150 sind verletzt.

Britische Diplomaten hinterließen Daten afghanischer Helfer

11.45 Uhr: Britische Diplomaten haben einem Bericht der Londoner „Times“ zufolge bei der Evakuierung ihrer Botschaft in Kabul sensible Daten afghanischer Ortskräfte und Bewerber hinterlassen. Wie ein Reporter, der das Gebäude mit Erlaubnis der Taliban betreten konnte, berichtete, waren auf dort herumliegenden Dokumenten teilweise Namen, Adressen und Telefonnummern zu finden.

Einige der ehemaligen Helfer, die von der „Times“ kontaktiert wurden, waren bereits evakuiert worden. Andere hatten vergeblich versucht, in den Flughafen zu gelangen. Unter den identifizierbaren Personen war demnach auch ein 33 Jahre alter Übersetzer, der nach eigenen Angaben für die Bundeswehr in Kundus gearbeitet hatte.

Die britischen Diplomaten hatten die Vertretung in Kabul am 15. August in großer Eile in Richtung Flughafen verlassen. Das britische Außenministerium teilte dem Bericht vom Donnerstagabend zufolge mit, bei der Evakuierung des Gebäudes sei „alles unternommen worden, um sensibles Material zu zerstören“. Verteidigungsminister Ben Wallace sagte dem „Times Radio“ jedoch, das Zurücklassen der Dokumente sei „nicht gut genug“. Das hätte nicht passieren dürfen, erklärte Wallace weiter und fügte hinzu, Premierminister Boris Johnson werde sich die Details ansehen.

Mehrere Menschen, deren Kontaktdaten in der Botschaft auffindbar waren, wurden nach Angaben der „Times“ noch außer Landes gebracht, nachdem die Behörden von der Zeitung kontaktiert wurden. Das Schicksal mehrerer weiterer Personen sei ungewiss, so der Bericht.

Steinmeier eilt US-Präsident Biden zur Seite

11.15 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat nach dem Anschlag am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul in einem Kondolenzschreiben an US-Präsident Joe Biden sein Mitgefühl zum Ausdruck gebracht. „Wir trauern mit Ihnen um die Opfer des brutalen Anschlags in Kabul. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der tapferen amerikanischen Soldaten, die ihr Leben gaben, um das Leben anderer zu retten“, schrieb Steinmeier am Freitag. Mit ihrem mutigen Einsatz hätten die Soldaten auch die Evakuierung vieler Deutscher und tausender afghanischer Ortskräfte erst möglich gemacht.

„Wir beklagen mit Ihnen auch die vielen Toten und Verletzten unter der afghanischen Zivilbevölkerung, die unseren Schutz gesucht haben“, schrieb Steinmeier weiter. Deutschland stehe in dieser schweren Stunde fest an der Seite der Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus.

Afghanische Ministerin flieht nach Skandinavien 

10.15 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban konnte sich die ehemalige afghanische Ministerin für Mineralien und Erdöl, Nargis Nehan, nach Norwegen retten. Auf Twitter schrieb sie am Donnerstag, sie sei endlich mit ihrer Familie in Norwegen gelandet, hätte aber ihren Vater und ihre Schwester zurücklassen müssen.

Britischer Minister: Rettungsmission kurz vor dem Abschluss

10 Uhr: Nach mehreren anderen westlichen Ländern haben nun auch Großbritannien und Spanien das Ende ihrer Evakuierungen aus Kabul angekündigt. In „wenigen Stunden“ würden die Evakuierungsflüge für britische und afghanische Staatsbürger beendet, sagte Verteidigungsminister Ben Wallace am Freitagmorgen dem Sender Sky News.

Die Armee werde sich nun noch um etwa tausend Menschen kümmern, die sich bereits auf dem Flughafengelände befinden. Zwar hielten die Soldaten noch Ausschau nach ausreiseberechtigten Menschen in der Menge, die sich vor dem Flughafen versammelt habe. Grundsätzlich sei der Prozess aber nun abgeschlossen, sagte Wallace. Der Verteidigungsminister bezeichnete den verheerenden Doppelanschlag am Kabuler Flughafen als „entsetzlich“. Der Angriff habe den Abzug der britischen Soldaten aber nicht beschleunigt.  

Die britische Rettungsmission in Afghanistan neigt sich dem Ende zu. Es sei nur noch eine Sache von Stunden, sagte Verteidigungsminister Ben Wallace am Freitagmorgen im Nachrichtensender Sky News. Die Bearbeitung von Ausreisedokumenten sei bereits beendet und der britische Eingang zum Flughafen geschlossen. „Wir werden weiterhin versuchen, ein paar Menschen in der Menge zu finden, wo wir können“, so Wallace weiter. Es sei aber „eine traurige Tatsache“, dass nicht jeder einzelne evakuiert werden könne. Wallace rief Menschen, die das Land nach dem Abzug der westlichen Truppen verlassen wollten, dazu auf, in eines der Nachbarländer auszureisen.

Wann genau die letzten britischen Soldaten den Flughafen in Kabul verlassen werden, konnte der konservative Politiker noch nicht sagen. Die US-Streitkräfte würden aber die letzten vor Ort sein.

Der blutige Anschlag vom Donnerstag habe keinen Einfluss auf die Dauer des Einsatzes gehabt, sagte der Minister. Britische Soldaten kamen bei dem Angriff nicht zu Schaden. Wallace sprach aber von etwa 60 bis 80 afghanischen Zivilisten, die neben den 13 getöteten US-Soldaten bei den Selbstmordattentaten ihr Leben verloren.  

Zahl der Todesopfer bei Terroranschlag steigt weiter

8.30 Uhr: Bei dem Doppelanschlag am Kabuler Flughafen sind nach jüngsten Angaben insgesamt 85 Menschen getötet worden. Es gebe mindestens 72 Todesopfer in den Krankenhäusern der Stadt, sagten zwei frühere Mitarbeiter des afghanischen Gesundheitsministeriums am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Unter den Opfern seien viele Frauen und Kinder. Mehr als 150 Menschen seien verletzt worden.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurden bei dem Doppelanschlag auch 13 US-Soldaten getötet und 18 weitere verletzt. Zwei Selbstmordattentäter hatten sich am Donnerstagabend vor dem Kabuler Flughafen in die Luft gesprengt, wo tausende Afghanen auf einen Platz in einem der letzten westlichen Evakuierungsflugzeuge warteten. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich. US-Präsident Joe Biden kündigte Vergeltung an. 

Mehr als 100.000 Menschen aus Kabul evakuiert

2 Uhr: Die US-Luftwaffe und ihre Verbündeten haben nach Angaben des Weißen Hauses bereits mehr als 100 000 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Allein am Donnerstag seien vom Vormittag bis kurz vor Mitternacht (Ortszeit Kabul) rund 7500 Menschen evakuiert worden, 5100 davon mit Flugzeugen des US-Militärs, erklärte ein Vertreter der US-Regierung.

Damit sei die Zahl der seit Mitte August ausgeflogenen Afghanen und westlicher Staatsbürger auf 100 100 gestiegen. Der Großteil von ihnen wurde mit Flugzeugen der US-Luftwaffe ausgeflogen. Die militant-islamistischen Taliban hatten in Afghanistan Mitte August die Macht übernommen.

13 US-Soldaten bei Terroranschlag getötet

1 Uhr: Nach dem Anschlag in Kabul ist ein weiterer US-Soldat seinen Verletzungen erlegen. Die Zahl der getöteten Soldaten stieg damit auf 13, wie ein Sprecher des US-Militärs am Donnerstag (Ortszeit) sagte. Die Zahl der verletzten Truppenmitglieder sei auf 18 angestiegen. Sie alle würden mit medizinisch ausgerüsteten Transportflugzeugen vom Typ Boeing C-17 aus Kabul ausgeflogen.

Nach dem Anschlag an einem Tor des Flughafens der afghanischen Hauptstadt hatte das US-Verteidigungsministerium zunächst von zwölf getöteten und 15 verletzten Soldaten gesprochen. 

  • Donnerstag, 26. August

Biden droht Terroristen mit Vergeltung

23.48 Uhr:  US-Präsident Joe Biden hat nach dem tödlichen Anschlag in der Nähe des Flughafens von Kabul den dafür verantwortlichen Terroristen mit Vergeltung gedroht. „Wir werden Euch jagen und Euch dafür bezahlen lassen“, sagte Biden am Donnerstag im Weißen Haus. Das US-Militär werde Einsätze gegen die für den Anschlag verantwortliche Terrormiliz Islamischer Staat (IS) durchführen, kündigte er an. Gleichzeitig kündigte er an, die Evakuierungen aus Afghanistan fortsetzen zu wollen. Er versicherte, die Terroristen könnten die USA nicht dazu bringen, ihre „Mission“ zu stoppen. „Wir werden sie finden, und wir werden sie da rausholen“, sagte Biden am Donnerstag (Ortszeit) in einer Ansprache im Weißen Haus in Washington mit Blick auf US-Bürger, die noch im Land seien.

Bei den Sprengstoffanschlägen in Kabul sind zahlreiche Menschen verletzt und getötet worden - darunter nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums auch zwölf amerikanische Soldaten. Es sind die ersten Soldaten seit Februar vergangenen Jahres, die in Afghanistan gewaltsam ums Leben kommen. Dutzende Menschen wurden nach Angaben der militant-islamistischen Taliban verletzt. Die genaue Zahl der Anschlagsopfer blieb zunächst offen. Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums haben sich mindestens zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz IS habe anschließend das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt. Die Evakuierungsmission in Kabul soll dennoch weiter fortgeführt werden. Die US-Regierung geht davon aus, dass noch etwa 1000 US-Amerikaner in Afghanistan sind.

Die USA hätten Informationen dazu, wo sich die Drahtzieher der Anschläge aufhielten. Die USA würden auch ohne große Militäreinsätze Möglichkeiten finden, diese zur Rechenschaft zu ziehen. „Wo auch immer sie sind“, betonte Biden.

Ableger der IS-Terrormiliz reklamiert Anschlag in Kabul für sich

21.48 Uhr: Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag am Flughafen von Kabul für sich reklamiert. Dies verlautbarte IS-Khorasan, wie der IS sich in Afghanistan und Pakistan nennt, am Donnerstagabend mit einer über das Internet verbreiteten Nachricht des IS-Sprachrohrs Amak.

Pentagon: Zwei IS-Selbstmordattentäter und Schützen bei Angriff

21.25 Uhr:  Bei dem Terrorangriff am Flughafen in Kabul haben sich nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums mindestens zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Nach den Detonationen hätten eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Donnerstag in einer Videoschalte mit Journalisten im Pentagon.

US-Streitkräfte: Evakuierungen gehen nach Terrorangriff weiter

21.12 Uhr: Die US-Streitkräfte setzen die Evakuierungsmission in Kabul auch nach dem verheerenden Terrorangriff am Flughafen der afghanischen Hauptstadt fort. „Wir führen den Auftrag weiter aus“, sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Donnerstag in einer Videoschalte mit Journalisten im Pentagon. 

Zwölf US-Soldaten getötet – BBC berichtet von insgesamt 60 Toten

21.05 Uhr:  Bei den zwei Sprengstoffanschlägen in der afghanischen Hauptstadt sind nach Angaben der militant-islamistischen Taliban mindestens 13 Menschen getötet und mehr als 50 weitere verletzt worden. Unter den Toten sind auch zwölf US-Soldaten, wie General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Donnerstag in einer Videoschalte mit Journalisten im Pentagon mitteilte. 15 US-Soldaten seien verletzt worden.

Die genaue Zahl der Anschlagsopfer blieb zunächst offen.  Die BBC berichtete unter Berufung auf einen Offiziellen aus dem Gesundheitswesen von insgesamt 60 Toten. Pentagonsprecher John Kirby sprach auf Twitter von einer „komplexen Attacke“.  Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte: „Wir haben zurzeit keine Informationen über deutsche Opfer.“

Der Sprecher des politischen Büros der Taliban in Doha, Suhail Schahin, erklärte, man verurteile den grausamen Vorfall aufs Schärfste und werde alles unternehmen, um die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Er bestätigte, dass sich zwei Explosionen ereigneten. Eine fand ersten Informationen zufolge an einem der Flughafentore statt, eine weitere bei einem nahe gelegen Hotel. Ein Augenzeuge erzählte dem TV-Sender, die Explosion sei sehr stark gewesen. Manche Menschen seien ins Wasser gefallen - an einem Gate ist ein langer Wassergraben - und mehrere ausländische Soldaten seien zu Boden gefallen. 

Die Sicherheitslage rund um den Flughafen hatte sich zuletzt noch einmal deutlich zugespitzt. Die Bundeswehr hatte bereits am Dienstag berichtet, das zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Kabul unterwegs seien. Ähnlich hatte sich US-Präsident Joe Biden geäußert. Praktisch täglich versuche ein örtlicher Ableger des IS, den Flughafen anzugreifen, hatte er erklärt. Die Terrormiliz sei auch ein „erklärter Feind“ der Taliban. Biden begründete unter anderem mit dieser Terrorgefahr auch sein Festhalten an dem Plan, die US-Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen.

Kreise: UN-Generalsekretär lädt Vetomächte zu Krisensitzung ein

19.58 Uhr: Angesichts der chaotischen Situation und der angespannten Sicherheitslage in Afghanistan hat UN-Generalsekretär António Guterres die Vetomächte zu einem Krisentreffen eingeladen. Diplomatenkreisen zufolge sollen die Botschafter der USA, Chinas, Russlands, Großbritanniens und Frankreichs am Montag in New York mit dem UN-Chef zusammenkommen, um sich über die Lage auszutauschen.

Bundeswehr beendet Evakuierungsflüge

19.35 Uhr: Die Luftwaffe hat am Donnerstag alle deutschen Soldaten, Diplomaten und verbliebenen Polizisten aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgeflogen. Das sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Berlin nach dem Start der letzten Maschine. Damit ist der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan nach elf Tagen beendet.

Kramp-Karrenbauer und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonten aber, dass die Bundesregierung weiter versuchen werde, schutzbedürftigen Menschen die Ausreise aus Afghanistan zu ermöglichen. „Wir beenden die Luftbrücke mit dem heutigen Tag“, sagte Merkel auf einer eigenen Pressekonferenz. „Wir sind mit Hochdruck und Nachdruck dabei, eben Bedingungen auszuhandeln mit den Taliban darüber, wie weitere Ausreisen auch möglich sein werden.“

Der Einsatz hatte am Montag vergangener Woche begonnen. Bundeswehr-Generalinspekteur Eberhard Zorn sagte am Donnerstag, dass die Bundeswehr seit Beginn 5200 Menschen aus 45 Nationen ausgeflogen habe. Darunter seien 4200 Afghanen und 505 deutsche Staatsbürger.

Mehrere US-Soldaten bei Anschlag in Kabul getötet

19.25 Uhr: Bei dem Anschlag außerhalb des Flughafens von Kabul sind nach Angaben der US-Regierung mehrere amerikanische Soldaten getötet worden. Das teilte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Donnerstag mit, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Mehrere US-Soldaten seien verletzt worden, auch mehrere Afghanen seien der Attacke zum Opfer gefallen.

Merkel geht von Selbstmordanschlag aus

18.53 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht davon aus, dass es in der afghanischen Hauptstadt Kabul einen oder mehrere Selbstmordanschläge gegeben hat. Sie sagte am Donnerstag in Berlin, dies sei ein „absolut niederträchtiger Anschlag in einer sehr, sehr angespannten Situation“.

Taliban: Mindestens 13 Tote in Kabul

18.50 Uhr: Bei dem Anschlag am Flughafen der afghanischen Hauptstadt sind nach Angaben der militant-islamistischen Taliban mindestens 13 Menschen getötet worden. Mindestens 52 weitere seien verletzt worden, teilte der Sprecher des politischen Büros der Taliban in Doha am Donnerstag mit.

UN verurteilen Anschlag als „abscheulich“

18.35 Uhr: Die Vereinten Nationen sprechen nach dem Anschlag in Kabul von mehreren Toten und Verletzten. UN-Generalsekretär António Guterres „verurteilt diesen Terroranschlag, bei dem eine Reihe von Zivilisten getötet und verletzt wurden, und spricht den Familien der Getöteten sein tief empfundenes Beileid aus“, sagte UN-Sprecher Stephane Dujarric am Donnerstag. Es gebe bisher keine Informationen zu Hintergründen der „abscheulichen“ Tat.

Bei dem Anschlag in der afghanischen Hauptstadt waren zuvor nach Angaben einer lokalen Nichtregierungsorganisation mindestens sechs Menschen getötet und mehr als 60 weitere verletzt worden. Vor dem Flughafen hat es nach ersten Erkenntnissen zwei Explosionen gegeben - eine an einem der Flughafentore und eine bei einem nahe gelegen Hotel. Das US-Verteidigungsministerium berichtete, dass bei der Explosion an einem der Flughafentore auch Amerikaner zu Schaden gekommen seien.

Taliban: Mindestens 52 Verletzte in Kabul, Zahl der Toten unklar

18.10 Uhr: Nach Angaben der militant-islamistischen Taliban zufolge sind bei dem Anschlag am Flughafen Kabul mindestens 52 Menschen verletzt worden. Es habe auch Tote gegeben, allerdings sei die Zahl noch unklar, sagte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Donnerstag dem lokalen TV-Sender ToloNews.

Die Nichtregierungsorganisation Emergency hatte zuvor mitgeteilt, dass mindestens sechs Menschen tot in ihr Krankenhaus in Kabul eingeliefert worden seien. Vor dem Flughafen hat es nach ersten Erkenntnissen zwei Explosionen gegeben - eine an einem der Flughafentore und eine bei einem nahe gelegen Hotel. Die Taliban haben vor rund eineinhalb Wochen die Macht in Afghanistan übernommen.

Kabul von Anschlagsserie erschüttert – Mindestens sechs Tote

17.40 Uhr: Bei einem Anschlag am Flughafen Kabul sind der Nichtregierungsorganisation Emergency zufolge mindestens sechs Menschen getötet worden. Mehr als 60 weitere seien verletzt worden, teilte Emergency am Donnerstag auf Twitter mit. Die Nichtregierungsorganisation betreibt ein Krankenhaus vor Ort und berichtete, dass sechs Menschen tot in ihre Klinik eingeliefert worden seien.

Vor dem Flughafen hat es nach ersten Erkenntnissen zwei Explosionen gegeben - eine an einem der Flughafentore und eine bei einem nahe gelegen Hotel. Das US-Verteidigungsministerium berichtete, dass bei der Explosion an einem der Flughafentore auch Amerikaner zu Schaden gekommen seien. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, schrieb auf Twitter von einer „komplexen Attacke“. Eine Zahl von Toten oder Verletzten nannte er nicht. Kirby bestätigte die weitere Explosion am Hotel.

Ein auf Twitter geteiltes Bild, das offenbar vom Inneren des Flughafengeländes aufgenommen wurde, zeigte eine große Rauchwolke. Der lokale Fernsehsender ToloNews veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Verletzte in Schubkarren transportiert werden. Ein Augenzeuge erzählte dem TV-Sender die Explosion sei sehr stark gewesen. Manche Menschen seien ins Wasser gefallen – an einem Gate ist ein langer Wassergraben – und mehrere ausländische Soldaten seien zu Boden gefallen. Er habe auch Tote gesehen. 

Letzte geplante Rettungsflüge der Bundeswehr in Kabul gestartet

16.40 Uhr: Die letzten Maschinen der Bundeswehr zur Rettung von Deutschen und einheimischen Mitarbeitern aus Afghanistan sind am Donnerstag abgehoben. Die letzten drei Flugzeuge starteten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am frühen Abend (Ortszeit) vom Flughafen Kabul aus mit dem Ziel Taschkent in Usbekistan.

Russischer Botschafter: Bislang rund 50 Tote an Kabuler Flughafen

15.45 Uhr: Am Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind nach Angaben des russischen Botschafters vor Ort in den vergangenen Tagen circa 50 Menschen ums Leben gekommen. „Am Kabuler Flughafen herrscht Chaos, die Amerikaner können dort tatsächlich nichts sicherstellen“, sagte Dmitri Schirnow am Donnerstag im russischen Staatsfernsehen. „Es gibt dort Opfer. Etwa 50 gewöhnliche Menschen sind gestorben.“

Russland hatte am Mittwoch vier Militärtransportflugzeuge nach Afghanistan geschickt, um mehr als 500 Menschen aus verschiedenen Ländern zu retten. Darunter seien etwa 360 russische Staatsbürger gewesen, die nun in Sicherheit seien, sagte Schirnow. Etwa 100 weitere Russen seien noch im Land, hätten bislang aber auch nicht den Wunsch nach Evakuierung geäußert.

Derzeit bemühten sich Diplomaten um afghanische Studenten, die an russischen Universitäten studierten, sagte Schirnow. Alleine in diesem Jahr sollten demnach 400 Afghanen an Hochschulen in Russland eingeschrieben werden.

Merkel sagt Israel-Reise wegen Lage in Afghanistan ab

15.40 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel hat die für den 28. bis 30. August geplante Reise nach Israel wegen der dramatischen Entwicklung in Afghanistan abgesagt. Beide Seiten seien sich einig, dass der Besuch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden solle, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag mit.

In Evakuierungs-Maschine aus Kabul geborenes Baby nach Flugzeug benannt

14.40 Uhr:  Ein an Bord eines US-Transportflugzeugs aus Kabul geborenes afghanisches Baby ist nach dem Flugzeug benannt worden, in dem es auf die Welt gekommen ist. Die Mutter hatte das Mädchen kurz nach der Landung auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Deutschland noch im Laderaum der Maschine bekommen. Seine Eltern beschlossen daraufhin, sie nach dem Rufzeichen des Flugzeugs „Reach“ zu nennen, wie der Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa, General Tod Wolters am Mittwoch mitteilte.

Flugzeuge der US-Luftwaffe nutzen Codenamen, um untereinander und mit der Flugsicherung zu kommunizieren. Der Code für die Transport-Maschinen des Typs C-17 lautet in der Regel „Reach“ gefolgt von einer Zahl. Die Kennung der Evakuierungs-Maschine lautet „Reach 828“. Im Rahmen der Evakuierungen aus Afghanistan wurden laut General Wolters bereits zwei weitere Kinder nach der Landung in Ramstein geboren. Insgesamt haben die USA bisher rund 7000 Menschen über US-Stützpunkte in Europa ausgeflogen.

  • Mittwoch, 25. August

Deutsche Botschaft warnt vor Schießereien und Anschlägen in Kabul

20.32 Uhr: Die deutsche Botschaft in Kabul hat am Mittwoch vor Schießereien und Terroranschlägen am Flughafen der afghanischen Hauptstadt gewarnt. „Es kommt sehr häufig zu gefährlichen Situationen und bewaffneten Auseinandersetzungen an den Gates. Dazu kommen aktuelle Terrorwarnungen“, heißt es in einem Schreiben an deutsche Staatsbürger, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Zugang zum Flughafen sei kaum noch möglich.
Die Bundeswehr hatte bereits am Dienstag berichtet, das zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat in Kabul unterwegs seien. Die internationale Evakuierungsaktion, die nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban eingeleitet wurde, soll am 31. August mit dem Abzug der US-Streitkräfte enden. Der letzte Bundeswehrflug könnte schon deutlich früher gehen.

Bei Helikoptereinsatz in Kabul 21 Deutsche in Sicherheit gebracht

19 Uhr: Soldaten der Bundeswehr und der US-Streitkräfte haben bei ihrem gemeinsamen Helikoptereinsatz in der afghanischen Hauptstadt Kabul 21 Deutsche in Sicherheit gebracht. Dabei hätten die US-Soldaten ihre eigenen Hubschrauber geflogen und die Bundeswehrsoldaten die Aufstellung an einem Sammelpunkt organisiert, sagte Generalinspekteur Eberhard Zorn am Mittwoch in Berlin. „Die Operation ist in der Nacht durchgeführt worden“, sagte er. Nach früheren Informationen waren Spezialkräfte an dem Einsatz beteiligt.

Größte Sorge mache inzwischen die Anschlagsgefahr bei Evakuierungen aus der Stadt. „Und zwar nicht die Anschlagsgefahr, die von den Taliban ausgeht“, sagte Zorn dazu. „Die Taliban gewährleisten im Grunde die Sicherheit, und zwar die Sicherheit rings um den Flugplatz durch ihre Checkpoints, aber auch bei den jeweiligen Konvois, die durchgeführt werden.“

Die Bundeswehr hat bis Mittwochabend mit 34 Flügen bisher 5193 Menschen aus Kabul ausgeflogen, darunter mehr als 3600 Afghanen. Insgesamt wurden Menschen aus 45 Nationen von der Bundeswehr ausgeflogen. „Wir werden versuchen, bis wirklich zur letzten Sekunde und mit dem letzten Flieger auch zu evakuierende Personen mitzunehmen“, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Einen genauen Zeitpunkt für das Ende der Luftbrücke nannte sie nicht.

Taliban sagen Ausreisen auch nach Truppenabzug zu

17.36 Uhr: Die Taliban haben nach Angaben des deutschen Afghanistan-Botschafters Markus Potzel zugesagt, auch nach dem vollständigen Abzug der internationalen Truppen weiter Afghanen aus dem Land ausreisen zu lassen. Der Taliban-Chefunterhändler Scher Mohammed Abbas Staniksai habe zugesichert, Afghanen „mit gültigen Dokumenten“ könnten das Land nach dem 31. August mit kommerziellen Flügen verlassen, schrieb der zu Verhandlungen nach Doha entsandte Botschafter am Mittwoch im Onlinedienst Twitter. Angesichts des vollständigen US-Truppenabzugs zum 31. August könnte die Luftbrücke der Bundeswehr aus Kabul schon am Freitag aufgehoben werden, wie die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch aus Sicherheitskreisen in Berlin erfuhr. Viele Afghanen fürchten, das Land nach dem vollständigen Abzug der internationalen Truppen nicht mehr verlassen zu können. Am Mittwoch warteten am Kabuler Flughafen erneut tausende Menschen auf eine Mitfluggelegenheit.

Bundestag stimmt Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Kabul zu

15.48 Uhr: Der Bundestag hat dem Einsatz von bis zu 600 Bundeswehrsoldaten bei der Evakuierungsaktion in der afghanischen Hauptstadt Kabul nachträglich zugestimmt. Die Abgeordneten billigten das bis zum 30. September befristete Mandat am Mittwoch mit großer Mehrheit.

Baerbock spricht von „außenpolitschem Desaster“

14.25 Uhr: Die Opposition im Bundestag hat ein vernichtendes Fazit der deutschen Afghanistan-Politik gezogen. Der „gescheiterte Afghanistan-Einsatz“ sei der „schwärzeste Punkt“ in der 16-jährigen Kanzlerinnenschaft von Angela Merkel (CDU), sagte Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sprach von einem „außenpolitischen Desaster“. FDP-Chef Christian Linder warf der Bundesregierung „Unverantwortlichkeit und Handlungsunfähigkeit“ vor. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland legte der Regierung zur Last, dass sie das Leben deutscher Soldaten für eine zum Scheitern verurteilte Mission geopfert habe.

Grünen-Chefin Baerbock warf der Bundesregierung vor, die Alarmsignale vor der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan bewusst ignoriert zu haben. Sie habe das Land als stabil hingestellt, „weil Sie weiter nach Afghanistan abschieben wollten“, sagte Baerbock an die Adresse der Regierung. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch forderte personelle Konsequenzen. Die Fehler insbesondere von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) seien „unentschuldbar“, sagte Bartsch.

Auch FDP-Fraktionschef Lindner lastete der Bundesregierung Versagen an. „Die letzten Tage und Wochen haben den Eindruck unorganisierter Unverantwortlichkeit verstärkt“, sagte er. Die aktuelle Situation sei „eine Katastrophe“, sie komme aber „nicht aus dem Nichts“. Hunderte Menschen mehr hätten evakuiert werden können, wenn die Regierung rechtzeitig gehandelt hätte. Nun müsse „politische Verantwortung zugeordnet“ werden, „personelle Konsequenzen müssen folgen“, sagte der Liberale. 

AfD-Fraktionschef Gauland bezeichnete den internationalen Afghanistan-Einsatz als von vornherein falsch. „In Afghanistan ist die Idee des Exports der westlichen Lebensart krachend gescheitert“, sagte er. „Die Afghanen pfeifen in ihrer Mehrheit auf die Verwestlichung“.

Merkel will mit Taliban verhandeln

13.55 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für Verhandlungen mit den militant-islamistischen Taliban in Afghanistan über die Zeit nach dem Abzug der internationalen Truppen ausgesprochen. In einer Regierungserklärung im Bundestag betonte sie aber auch, dass es „keine unkonditionierten Vereinbarungen“ mit den neuen Machthabern in dem zentralasiatischen Krisenland geben dürfe. 

„Unser Ziel muss es sein, dass so viel wie möglich von dem, was wir in den letzten 20 Jahren in Afghanistan an Veränderungen erreicht haben, bewahrt wird“, sagte sie. Darüber sei auch mit den Taliban zu sprechen. „Die Taliban sind jetzt Realität in Afghanistan. Diese neue Realität ist bitter, aber wir müssen uns mit ihr auseinandersetzen.“ 

Merkel weist Kritik an Umgang mit Ortskräften zurück

13.40 Uhr: Die massive Kritik an dem Umgang der Bundesregierung mit ehemaligen afghanischen Mitarbeitern wies Merkel in ihrer Regierungserklärung weitgehend zurück. Man sei in einem Dilemma gewesen. „Stellen wir uns für einen Moment vor, Deutschland hätte im Frühjahr nicht nur mit dem Abzug der Bundeswehr begonnen, sondern gleich auch mit dem Abzug von Mitarbeitern und Ortskräften deutscher Hilfsorganisationen“, sagte sie. „Manche hätten dies sicher als vorausschauende Vorsicht gewürdigt, andere dagegen als eine Haltung abgelehnt, mit der Menschen in Afghanistan im Stich gelassen und ihrem Schicksal überlassen werden.“ Beide Sichtweisen hätten ihre Berechtigung.

Die Bundesregierung habe damals sehr gute Gründe dafür gesehen, den Menschen in Afghanistan nach dem Abzug der Truppen wenigstens in der Entwicklungszusammenarbeit weiter zu helfen - „ganz konkrete Basishilfe von Geburtsstationen bis zur Wasser- und Stromversorgung“, sagte Merkel. Im Nachhinein sei es leicht, die Situation zu analysieren und zu bewerten. „Hinterher, im Nachhinein alles genau zu wissen und exakt vorherzusehen, das ist relativ mühelos.“ Doch die Entscheidung habe in der damaligen Situation getroffen werden müssen.

Situation „offensichtlich unterschätzt“ – Merkel zeigt sich betroffen

12.45 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Fehleinschätzungen der internationalen Gemeinschaft bei der Entwicklung in Afghanistan nach dem Abzug der internationalen Streitkräfte eingeräumt. Es sei unterschätzt worden, „wie umfassend und atemberaubend“ schnell der Widerstand gegen die radikalislamischen Taliban aufgegeben worden sei, sagte Merkel am Mittwoch in einer Regierungserklärung im Bundestag. Die gesamte internationale Koalition habe die Geschwindigkeit dieser Entwicklung „ganz offensichtlich unterschätzt“.

Die Kanzlerin zeigte sich erschüttert über die Lage in Afghanistan. Die Entwicklung der vergangenen Tage sei „furchtbar“ und „bitter“. Für die Menschen in Afghanistan sei dies eine „einzige Tragödie“, vor allem für diejenigen, die sich für eine freie Gesellschaft eingesetzt hätten. Merkel versicherte, die Evakuierungsmission aus Afghanistan „solange wie möglich“ fortzusetzen.

Sie machte aber keine Angaben dazu, wie lange die Evakuierungsflüge der Bundeswehr noch andauern. Aus Sicherheitskreisen hatte es zuvor geheißen, dass die Bundeswehr-Luftbrücke voraussichtlich schon am Freitag enden werde. Merkel betonte, dass Ende der Luftbrücke dürfe nicht das Ende der Bemühungen sein, afghanischen Ortskräften zu helfen.

Bundeswehr-Luftbrücke aus Afghanistan könnte schon Freitag enden

10.15 Uhr: Angesichts des bevorstehenden US-Truppenabzugs aus Afghanistan könnte Medienberichten zufolge die Bundeswehr ihre Evakuierungsflüge bereits in dieser Woche beenden. Das Verteidigungsministerium wollte aber Berichte nicht bestätigen, wonach die Luftbrücke voraussichtlich schon am Freitag enden soll. Medienberichte über einen möglichen Zeitpunkt könne er „weder bestätigen noch dementieren“, sagte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch.

Mehrere Medien hatten zuvor über ein Ende der Flüge am Freitag oder Samstag berichtet. Die Bundeswehr evakuierte bis zum Mittwochmorgen nach Angaben des Verteidigungsministeriums insgesamt 4654 Menschen aus Afghanistan. Am Dienstag wurden demnach in fünf Flügen 983 Menschen ausgeflogen. Am Mittwoch wurden die Evakuierungsflüge fortgesetzt.

Das Ende der Flüge am Freitag konnte auch der Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter (CDU), nicht bestätigen. Klar sei aber, dass bei einem Abzug der USA am 31. August deren Partner zwei bis drei Tage vorher aus Afghanistan heraus müssten, sagte er am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. Deshalb sei es ganz wichtig, dass afghanische Ortskräfte auch danach ausreisen könnten. Es gehe deshalb darum, mit den radikalislamischen Taliban zu verhandeln.

Auch der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt (CDU), wollte ein Ende der Bundeswehr-Luftbrücke in dieser Woche nicht bestätigen. „Es bleibt unser Ziel, diese Operation möglichst lange durchzuführen, um möglichst viele Personen in Richtung Usbekistan zu evakuieren“, sagte Hardt im Südwestrundfunk. Die Gespräche dazu liefen auf allen Ebenen.  

Afghanische Sicherheitskräfte bekamen 10.000 Bundeswehr-Pistolen

7 Uhr: Die Bundeswehr hat die afghanischen Sicherheitskräfte während ihres 20-jährigen Einsatzes mit 10.000 Pistolen ausgerüstet. Daneben sei seit 2002 nur Sanitätsmaterial und Bekleidung an die Armee und die Polizei abgegeben worden, teilte das Verteidigungsministerium der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Die Pistolen vom Typ Walther P1 seien bereits 2006 kostenlos zur Verfügung gestellt worden.

Was daraus nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban geworden ist, ist dem Ministerium nicht bekannt. „Es liegen dem BmVg (Verteidigungsministerium) keine Erkenntnisse darüber vor, ob diese Güter in die Hände der Taliban gelangt sind“, erklärte eine Sprecherin.

Die afghanischen Streitkräfte hatten sich vielerorts kampflos den Taliban ergaben. Ausgerüstet worden sind sie in den 20 Jahren des internationalen Militäreinsatzes vor allem von den USA. Alleine zwischen 2013 und 2016 statteten die Vereinigten Staaten Armee und Polizei mit fast 600 000 Schusswaffen, 76 000 Fahrzeugen und mehr als 200 Flugzeugen aus, wie das „Wall Street Journal“ vergangene Woche unter Berufung auf einen US-Regierungsbericht berichtete.

In Washington wird freimütig eingeräumt, dass viel von dem militärischen Gerät nun wohl von den Islamisten genutzt wird. „Wir haben natürlich kein vollständiges Bild davon, wohin die einzelnen Rüstungsgüter gegangen sind, aber sicherlich ist eine ganze Menge davon in die Hände der Taliban gefallen“, sagte der Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan.

Die Bundesregierung hat seit Beginn des Militäreinsatzes 2002 den Export von Kriegswaffen und anderen Rüstungsgütern für 419 Millionen Euro nach Afghanistan genehmigt. Der weitaus größte Teil wurde allerdings an die Streitkräfte der Nato-Verbündeten, an Botschaften oder an die Vereinten Nationen geliefert, darunter Panzer, gepanzerte Fahrzeuge sowie Handfeuerwaffen wie Gewehre und Maschinenpistolen.

An afghanische Sicherheitskräfte ging nur ein geringer Teil, vor allem geschützte Fahrzeuge, Minenräumgeräte, verstärkte Container, Schutzausrüstung oder Kommunikationsgeräte. Das geht aus den jährlichen Rüstungsexportberichten der Regierung und einer aktuellen Aufstellung des Bundeswirtschaftsministeriums hervor, die der dpa vorliegt. (afp/dpa/red)