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Fitnessstudio

Manche Fitnessstudios ziehen auch im Lockdown Beiträge von ihren Mitgliedern ein. (Symbolbild)

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Politik

Frank Zimmermann hat lange durchgehalten. Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte er sich fest vorgenommen, es allein zu schaffen. Ohne das Geld seiner Kunden. Um nicht noch mehr als nötig zu verprellen. Aber zuletzt ging ihm die Luft aus. Und so wandte sich der Besitzer von „Franks Fitnesspark“ in Düren auf seiner Homepage in einem sehr emotionalen Video an die Mitglieder des Fitnessstudios, das er seit 20 Jahren führt. „Ich muss euch jetzt um Hilfe bitten, ich muss ab März die Beiträge wieder einziehen, sonst schaffen wir das als privates Unternehmen nicht mehr“, sagte er. „Alle meine Rücklagen und Ersparnisse sind völlig ausgeschöpft.“

Zimmermann geht es wie vielen in seiner Branche. Ihm fehlen während des Lockdowns nicht nur die Einnahmen, sondern er verliert mit jedem Tag, an dem sein Studio nicht öffnen darf, auch immer mehr Kunden. „Eine natürliche Fluktuation ist in unserem Geschäft üblich“, sagt Frank Böhme, einer der Gründer der Just-Fit-Kette mit 22 Studios in Köln und Umgebung. „Aber im Moment kommen noch coronabedingte Kündigungen dazu und, das ist das besonders Schlimme, wir können keine Akquise betreiben. Wir haben keine Chance, neue Kunden zu gewinnen.“ In Zahlen heißt das für sein Unternehmen: Von den 56.000 Mitgliedern zu Beginn der Corona-Krise sind aktuell noch 42.000 übrig. „Das ist existenziell, wir werden drei bis fünf Jahre brauchen, um auf den alten Stand zu kommen“, sagt Böhme.

Auch Zimmermann wurde nach eigenen Angaben um fünf Jahre zurückgeworfen. Er habe bislang rund 200 Mitglieder verloren, was für ihn bedeute, dass er den Personalbestand reduzieren muss, wenn er wieder öffnen darf. Die Reaktionen seiner Kunden auf seine Videobotschaft waren gemischt. Er habe viel Zuspruch erhalten, sagt Zimmermann. „Viele haben gesagt, wenn es nicht anders geht, soll ich abbuchen.“ Einige wiesen aber auch darauf hin, selbst in Kurzarbeit zu sein und sich das nicht leisten zu können. Inzwischen hat Zimmermann doch noch die erste Abschlagszahlung der November-Hilfen des Staates bekommen. Nun könne er noch einige Wochen länger durchhalten, sagt er – ohne Beiträge abbuchen zu müssen.

„Lieber beim Staat verschuldet als bei den Mitgliedern“

Auch die Just-Fit-Studios haben ab dem zweiten Lockdown keine Beiträge mehr von ihren Kunden eingezogen. „Wir haben uns über einen KFW-Kredit lieber beim Staat verschuldet als bei unseren Mitgliedern“, erklärt Böhme. Studios, die vor der Pandemie weniger gut aufgestellt waren, sei das jedoch nicht möglich. „70 Prozent der Fitnessstudioanbieter buchen ihren Mitgliedern weiterhin Beiträge ab, die können nicht anders, die haben nicht die Liquidität“, sagt Böhme. Das Problem: Irgendwann müssen sie dafür beitragsfreie Trainingsmonate gewähren. Die Not ist also nicht aufgehoben, sondern nur verschoben. Böhme prophezeit deshalb: „Das wird ein Massensterben in der Branche geben.“

Online-Sportkurse kostenlos

So weit denkt Ralf Gottlieb noch nicht. Er ist Stellvertretender Geschäftsführer und Chef des Sportbereichs beim Spa und Sports Club im Mediterana in Refrath. Es ist ein Premium-Studio, der Mitgliedsbeitrag liegt bei rund 100 Euro pro Monat. „Natürlich erheben wir während des Lockdowns keine Beiträge, wir können ja keine Dienstleistungen erbringen“, sagt Gottlieb. Das Mediterana bietet seinen Kunden zwar Online-Sportkurse an, diese aber kostenlos. „Weil wir jahrelang gut gewirtschaftet haben, ist die Situation einigermaßen erträglich", sagt Gottlieb, „aber auf die Dauer geht das so natürlich nicht.“

Dass nun Friseursalons bereits im März wieder öffnen dürfen, während sie selbst ihre Studios geschlossen halten müssen, stößt bei keinem der Fitnessstudioleiter auf Verständnis. „Es ist niederschmetternd, dass schöne Haare wichtiger sind als die Gesundheit von knapp zwölf Millionen Menschen, die in Deutschland regelmäßig in Fitnessstudios trainieren“, sagt der Dürener Zimmermann. Und Böhme findet: „Man kann doch nicht den Friseur wieder aufmachen, nur weil die Politiker sich nicht mehr im Spiegel ansehen können.“

Der Lockdown im November und Dezember sei richtig und wichtig gewesen. „Aber mittlerweile sollte man sich doch Gedanken gemacht haben, wie man mehr Gewerbetreibenden als den Friseuren wieder die Möglichkeit bieten kann, unter Auflagen ihr Unternehmen zu retten“, sagt Böhme.

Frank Zimmermann, Studiobetreiber

Frank Zimmermann, Studiobetreiber

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Zimmermann

Natürlich argumentiert er für seine Branche, die er mehr dem Gesundheits- und erst nachgeordnet dem Freizeitsektor zurechnet. Schließlich sei eine regelmäßige sportliche Betätigung erwiesenermaßen entscheidend für ein gesundes Leben. Böhme erzählt von Diabetikern, Krebspatienten, Menschen mit Burnout, für die ihr Training weit mehr sei als ein Zeitvertreib in ihrer Freizeit. Und er wünscht sich wie Zimmermann, Gottlieb und viele weitere Kollegen eine Perspektive für die Wiedereröffnung. Dabei gehe es ihm um sein Unternehmen, seine Existenz. Aber auch, betont Böhme, um Gesundheit und Wohlbefinden seiner Kunden.