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Vorsicht vor Wucherpreisen: Wann man ein Wespennest entfernen darf und was es kostet

Wespen

Schädlingsbekämpfer haben in diesen Tagen wegen der anhaltenden Hitze und der enorm hohen Wespenzahl Hochkonjunktur

Foto:

Frank Rumpenhorst/dpa

Erfurt -

Wespen sind im Allgemeinen friedliche und nützliche Insekten, können dem Menschen aber auch zur Last fallen. Beispielsweise wenn sie direkt am Haus ein Nest gebaut haben und zu Hunderten unterwegs sind.

Schädlingsbekämpfer haben in diesen Tagen wegen der anhaltenden Hitze und der enorm hohen Wespenzahl Hochkonjunktur.

Viele müssen angesichts prall gefüllter Auftragsbücher sogar reihenweise Anfragen ablehnen. „Ich bekomme täglich bis zu 200 Aufträge, aber kann nur bis zu 15 von ihnen ausführen“, sagt der Dortmunder Experte Tim Krause. Doch sollten überhaupt alle Wespennester entfernt werden und was muss man dabei beachten?

Ich habe ein Wespennest am Haus, muss das weg?

Nicht unbedingt. Wespen dürfen – auch wenn sie nervig sind – nicht einfach getötet werden und die Nester nicht entfernt werden. Der Grund: Sie stehen unter Artenschutz, geregelt in Paragraph 39 Absatz 14 des Bundesnaturschutzgesetzes. Noch strenger durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt sind Hornissen, Wildbienen und einige besondere Wespenarten. Verstöße können mit hohen Geldbußen bis zu 50.000 Euro geahndet werden, wie die Verbraucherzentrale Thüringen informiert.

In welchen Fällen dürfen Wespennester entfernt werden?

Nur wenn triftige Gründe vorliegen – etwa weil man Allergiker ist oder dort Kinder spielen – darf ein Nest von einem Fachmann entfernt werden. Das heißt: Nicht jedes Wespennest muss zwangsläufig entfernt werden, nur weil es da ist. Wenn beispielsweise ein Nest direkt am Küchenfenster gebaut wurde, wird ein Fachmann eher raten, das Fenster nicht mehr zu öffnen und die Wespen am Leben zu lassen. Experten bei Umweltbildungseinrichtungen beraten im Zweifelsfall oder geben Tipps.

Kammerjäger beim Wespen entfernen

Um ein Wespennest entfernen zu können, müssen triftige Gründe vorliegen.

Foto:

Julian Stratenschulte/dpa 

Warum gibt es gerade überhaupt so viele Wespen?

Einer der Gründe für die hohe Zahl an Wespen-Einsätzen ist die anhaltend extreme Hitzewelle. Die sogenannte Schafskälte im Juni, die in früheren Jahren oft einen Rückschlag für die Populationen bedeutete, blieb dieses Jahr weitgehend aus. Auch Überflutungen gab es in den meisten Regionen nicht. Die Nester konnten nach Nabu-Angaben unter diesen Bedingungen groß und stark werden, so dass viele Tiere erfolgreich durchkamen.

Wie teuer ist es, ein Wespennest vom Fachmann entfernen zu lassen?

Für das Umsiedeln oder Töten von Wespen sind – je nach Region und Aufwand – Preise zwischen 80 und 150 Euro üblich. Teurer wird es allenfalls, wenn beispielsweise eine Hebebühne bestellt werden muss, um ans Nest zu gelangen. Doch Obacht, in der Branche sind auch einige schwarze Schafe unterwegs, die mit der Not der Kunden ein großes Geschäft machen.

Die Verbraucherzentrale Thüringen warnt: Immer wieder melden sich dort Verbraucher, „die von teuren und laienhaft arbeitenden Notdiensten abgezockt und noch an der Haustür unter Druck gesetzt werden.“ So meldete sich im Sommer 2018 eine Frau bei der Verbraucherzentrale Thüringen, die satte 800 Euro zahlen sollte, um ein Wespennest entfernen zu lassen.

Woran erkenne ich einen seriösen Schädlingsbekämpfer?

Verbraucherschützer raten: Wenn Sie einen Schädlingsbekämpfer kontaktieren, wählen sie einen, der runter einer örtlichen Festnetznummer erreichbar ist. Wer über das Internet sucht, sollte einen Blick auf das Impressum der Seite werfen. Ist der Schädlingsbekämpfer vor Ort, sollte man darauf achten, dass  er die Tiere nicht unbegründet stört oder tötet. Seriöse Anbieter arbeiten mit einer Naturschutzbehörde zusammen.

Beim Bezahlen gilt: Eine Rechnung niemals direkt an der Türe zu bezahlen. „Sie haben das Recht, die Rechnung überprüfen zu lassen.“ Ruft der Kammerjäger zu hohe Preise auf, ist der Rat der Experten eindeutig: Verbrauchter sollten solche Wucher-Preise bei der Polizei zur Anzeige bringen, denn sie seien sittenwidrig. Außerdem sollten Verbraucher überzogene Rechnungen anfechten. 

Kann ich Nester jederzeit entfernen lassen?

Am besten lassen sich Wespenneste während der Nestbauphase im April oder im Herbst entfernen. Zu dieser Jahreszeit ist das Wespennest nämlich nicht bewohnt. Wer ein bewohntes Nest im Sommer entfernen möchte, sollte abwägen und im Zweifel immer im Sinne des Naturschutzes handeln und das Nest eher dort belassen. Denn Wespen nehmen eine wichtige Rolle im Ökosystem ein.

Wespennest wird entfernt

Wespennester sollten ausschließlich vom Profi entfernt werden.

Foto:

Matthias Merz/dpa

Kann ich das Nest auch selbst entfernen?

Ein Wespennest selbst zu entfernen, ist nicht zu empfehlen. Wespennester sollten weder angezündet oder mit Wasser- oder Hochdruckstrahlern entfernt oder zerstört werden. Die Tiere werden sehr aggressiv, wenn ihr Nest bedroht ist. Haben Wespen an Mauerwerk oder am Dach ein Nest gebaut, setzen professionelle Kammerjäger giftigen Wespenschaum ein, der im Internet oder im Baumarkt erhältlich ist.

Alternative Umsiedeln – wie geht das?

Eine Alternative ist, den ganzen Schwarm samt Nest einzusaugen und an einem anderen Ort wieder herauszulassen. Das sollte man keinesfalls selbst machen, sondern einen Imker oder eine Umweltschutzorganisation für Hilfe kontaktieren. (sar / mit dpa)