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Gefährlicher Stoff im Papier: So schaden viele Kassenzettel der Gesundheit

Kassenbon kommt aus der Kasse

Kassenzettel bestehen aus Thermopapier. 

Foto:

Daniel Karmann dpa/lby 

Köln -

„Möchten Sie den Kassenzettel?“ Diese Frage fällt nahezu bei jedem Kauf, ob im Supermarkt, Klamottenladen oder Drogeriemarkt. Doch nicht nur der Umwelt zu Liebe sollten Verbraucher wenn möglich auf den Kaufbeleg verzichten. Denn Kassenzettel können ernsthafte Gefahren für die eigene Gesundheit darstellen. Das Problem ist das Thermopapier, auf das sie gedruckt werden.

Umweltverbände warnen schon seit einigen Jahren davor, doch vielen Verbrauchern ist es trotzdem nicht bekannt. Viele Kassenzettel bestehen aus Thermopapier und enthalten die Chemikalie Bisphenol A (BPA) oder die chemisch verwandte Chemikalie Bisphenol S (BPS). Sie dienen als Farbentwickler. Beim Erhitzen in Kassen- oder Ticketautomaten wird aber nur ein Teil dieser Chemikalien verbraucht, der Rest verbleibt in ungebundener Form auf der Papieroberfläche. Das Problem: Bei beiden Stoffen handelt es sich aber um Hormongifte, die potenziell gesundheitsgefährdend sein können.

Chemikalie gilt als krebserregend

Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nehmen wir BPA vor allem über die Nahrung auf. Die zweitgrößte Quelle ist laut EFSA aber der Hautkontakt mit Thermopapieren – wie etwa Kassenzetteln. Einmal aufgenommen, entfaltet BPA im Körper eine östrogen-ähnliche Wirkung: Die Chemikalie gilt als Mitauslöser von hormonell bedingten Krebsarten wie Brust-, Hoden- oder Prostatakrebs, für Diabetes Typ 2, Fehlbildung der Geschlechtsorgane und Übergewicht.

„Negative Auswirkungen könnten hormonelle Schadstoffe bereits in sehr geringen Konzentrationen haben“, warnen Experten vom Umweltverband BUND. Auch darum mache es keinen Sinn, einen Grenzwert – wie sonst bei giftigen Stoffen üblich – festzulegen.

Große Gefahr für ungeborene Kinder und Kleinkinder

Vor allem Schwangere, die an ihren Arbeitsplätzen mit Kassenbons und anderen Bisphenol-belasteten Schriftstücken in Berührung kämen, würden inakzeptablen Risiken ausgesetzt – denn besonders gefährdet durch BPA seien Ungeborene, warnt der Umweltverband weiter. Eine niederländische Studie belegte 2016, dass BPA das Immunsystem von Ungeborenen im Mutterleib und von Kleinkindern angreifen könne.

Aus diesem Grund seien Betroffene später anfälliger für Lebensmittelallergien, Infektionskrankheiten oder Lernstörungen bei Kindern. Der Stoff sei bei über 90 Prozent der Einwohner von Industriestaaten im Blut und im Urin nachweisbar.

Bisphenol A ist in der EU ab 2020 verboten

Die EU stufte Bisphenol A Ende vergangenen Jahres als „besonders besorgniserregend“ ein. BPA darf ab Januar 2020 nicht mehr in Kassenzetteln in der EU verwendet werden. Darum satteln einige Hersteller nun um und verwenden den Stoff BPS. Doch auch dieser steht in Verdacht, viele ähnlich „schädliche Wirkungen auf die Gesundheit zu haben wie BPA“ schreibt die Europäische Chemikalienagentur Echa. Welche genau, werde derzeit noch untersucht.

BUND: In Stichproben waren 14 von 16 Kassenzetteln belastet

2016 führte der BUND eine Studie durch und kam zu einem besorgniserregenden Ergebnis: in 14 von 16 Stichproben konnten die Experten hormonähnlich wirkende Substanzen BPA und BPS nachweisen. Die höchsten Werte wurden damals bei Kassenbons von Shell- und Aral-Tankstellen, der Drogeriekette Rossmann und bei Eintrittskarten der Kinogruppe Cinestar gemessen. Auch die Modekette Zara fiel mit BPS belasteten Kassenzetteln auf. Bis heute hat der Moderiese nicht auf unbedenkliches Thermopapier umgestellt – obwohl es Hersteller gibt, die Thermopapier ohne Bisphenole anbieten. Bei Zara macht der Betriebsrat nun durch eine Unterschriftenaktion darauf aufmerksam und sucht Unterstützer.

Belege möglichst nur kurz in die Hand nehmen

Doch was können Verbraucher nun aktiv tun, um die BPA oder BPS-Belastung möglichst gering zu halten? Der BUND gibt Tipps:

  • Vermeiden Sie plastikverpackte Lebensmittel oder Konserven
  • Füllen Sie kein heißes Wasser in Plastikgefäße oder stellen Plastikgefäße in die Mikrowelle
  • Nehmen Sie Kassenbons nur so kurz wie möglich in die Hand
  • Waschen Sie sich nach dem Kontakt mit Kassenbons die Hände

Übrigens: Kassenzettel und entwertete Fahrkarten gehören nicht ins Altpapier, sondern aufgrund des Bisphenols in den Restmüll. Landet Bisphenol im Recyclingprozess, kann es im Ökosystem Grundwasser und Böden belasten.


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