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Hygiene: Was Kontaktlinsenträger häufig falsch machen und warum das gefährlich ist

Frau_traegt_Kontaktlinsen

Viele Kontaktlinsenträger sind sich nicht bewusst, wie man richtig damit umgeht. 

Foto:

Franziska Gabbert

Köln -

Ein dramatischer Fall sorgte vor kurzem für Aufsehen: Eine junge Frau war mit Kontaktlinsen duschen gegangen und verlor kurz darauf ihr Augenlicht. Die Irin hatte sich unter der Dusche mit winzigen Parasiten namens Akanthamöben infiziert, die im Leitungswasser vorkommen können, und litt nun an einer ernsten und äußerst schmerzhaften Acanthamoeba-Keratitis. „Der Schmerz war wie ein Schnitt durch meine Augen mit einem heißen Messer“, klagte Suzanne Dunne dem „Irish Mirror“.

Da die Frau ihre Linsen über Nacht nicht ausgezogen hatte, konnten sich die Parasiten zwischen Hornhaut und Kontaktlinsen einnisten und sich durch die Hornhaut fressen. Die Betroffene erblindete infolge einer heftigen Geschwürsbildung der Hornhaut. Retten konnten die Ärzte das Augenlicht ihrer Patientin nur durch eine schmerzhafte und langwierige Therapie. 

Parasit kommt überall vor, nur Hygiene kann schützen

Mit dem Einzelfall stellt sich die Frage: Wie gefährlich ist es, wenn man seine Kontaktlinsen nicht regelmäßig reinigt oder über Nacht vergisst herauszunehmen?

Auch wenn diese Erkrankung relativ selten ist, schätzt Dr. Thomas Reinhard, Leiter der Universitäts-Augenklinik in Freiburg, dass pro Jahr ungefähr 100 bis 150 Patienten betroffen seien. Die winzigen Parasiten kommen praktisch überall im Feuchten vor: in Schwimmbecken, Seen, in der Erde und im Mineralwasser. Ebenso in der Nase und auf der Rachenschleimhaut gesunder Menschen. Doch auch mit harmloseren Infektionen durch Linsen haben es Augenärzte immer wieder zu tun. 

Die häufigste Ursache einer Infektion ist immer mangelhafte Hygiene beim Umgang mit Kontaktlinsen, weiß Dr. Oliver Hoppe vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA). Der Kölner Augenarzt warnt: „Eine intakte Hornhaut kann davon zwar nicht geschädigt werden, aber es reichen bereits Mikroläsionen und schon entsteht eine Eintrittspforte.” Das Problem sei der falsche Umgang mit Kontaktlinsen. „Das Dauertragen von Kontaktlinsen kann die Hornhaut schädigen“, so Hoppe. Eine Unterhose müsse auch regelmäßig gewechselt werden, auch wenn sie nicht stinke, weil sich Keime darin vermehren und ausbreiten könnten. 

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Dr. Oliver Hoppe

Foto:

Hoppe

Kontaktlinsen niemals mit Leitungswasser reinigen

Außerdem sollten Kontaktlinsen niemals mit Leitungswasser gereinigt oder abgespült werden. Vor allem weiche Kontaktlinsen sollten vor dem Duschen oder Schwimmen immer herausgenommen werden. Sie wirken nämlich bei Keimbefall wie ein Brutkasten, da die natürliche Spülung des Tränenfilms nicht wirken kann.

Wichtig: Kontaktlinsen sollten über Nacht als Teil eines Drei-Komponenten-System gereinigt und desinfiziert werden. Zuerst müssen die Linsen mechanisch gereinigt werden. Dafür eignet sich am besten eine alkoholische Reinigungslösung. „Wenn man es gründlich macht, werden dabei 99 Prozent der Keime entfernt“, erklärt Hoppe. Danach sollten die Linsen in eine Desinfektions- beziehungsweise Aufbewahrungslösung gelegt werden. Dies geschieht im Normalfall mehrere Stunden über Nacht. Die verwendete Lösung wird danach verworfen und der Behälter soll nach der Entnahme der Linsen ebenfalls mit Desinfektionslösung ausgespült werden. Die Linsen werden dann vor dem Einsetzen mit steriler Kochsalzlösung abgespült, damit möglichst wenig Chemie die Bindehaut samt Tränenfilm belastet.

Lieber mehre Komponenten zur Reinigung verwenden

Oliver Hoppe rät von All-in-One-Reinigern für Kontaktlinsen ab: „Die Zusammensetzung ist zwar gesetzlich zugelassen, aber eigentlich gehören fett- und eiweißlösende Substanzen nicht dauerhaft ans Auge. Die Leute sind einfach zu faul, merkt er an. Außerdem rät er vor dem Einsetzen und Herausnehmen der Linsen stets gründlich die Hände zu waschen und mit einem fusselfreien Handtuch abzutrocknen. 

„Viele Menschen tragen Kontaktlinsen, die ihnen nicht richtig passen“

Ein weiteres Problem: „Viele Menschen tragen Kontaktlinsen, die ihnen nicht richtig passen, weil sie gar nicht angepasst wurden.“ Auch mangelnde Materialkunde kann gesundheitliche Folgen für den Träger nach sich ziehen. Vor allem der unbedachte Gebrauch von Kontaktlinsen aus Versandhandel oder Internet sei ein großes Problem, so Hoppe. Warnhinweise werden regelmäßig überlesen oder nicht ernst genommen. Die mangelnde Beratung vor einem Linsenkauf im Internet brächte es häufig mit sich, dass dafür nicht zugelassene Kontaktlinsen zu lange auf dem Auge blieben. Oft würden sie auch nicht nach dem vom Hersteller empfohlenen Zeitraum ausgetauscht. Dadurch werden Infektionen und auch Allergien begünstigt.

Empfehlungen zur Handhabung werden häufig ignoriert

Die Erfahrungen der deutschen Augenärzte entsprechen laut BVA auch den Ergebnissen einer amerikanischen Studie. Wer seine Kontaktlinsen aus dem Internet beziehe, „neigt dazu, die Empfehlungen für die Handhabung zu vernachlässigen“, heißt es dort. Zeitmangel sei der am meisten genannte Grund für den Linsenkauf im Internet, erklären die Augenärzte: „Doch die Zeitersparnis geht mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko für die Augen einher. Allein die oft gar nicht beachtete langfristige Unterversorgung mit Sauerstoff kann zu dauerhaften Schäden der Hornhaut führen.“

Zudem sollten Monatslinsen nicht länger als empfohlen benutzt und die Linsenbehälter regelmäßig ausgetauscht werden. „Sparsamkeit ist ja vollkommen okay, aber dann bitte intelligent“, mahnt Augenarzt Hoppe.