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Ariane Jacobi Immer ganz tief in den Jazz hinein

Mit ihrer tiefen, vollen Stimme begeistert Ariane Jacobi ihre Zuhörer im Radio und auf der Live-Bühne. Das erste Album der Jazz-Sängerin „Big City is for me“ ist gerade erschienen. Zehn Klassiker des Genres hat sie dafür neu arrangiert. (Bild: Grönert)

Mit ihrer tiefen, vollen Stimme begeistert Ariane Jacobi ihre Zuhörer im Radio und auf der Live-Bühne. Das erste Album der Jazz-Sängerin „Big City is for me“ ist gerade erschienen. Zehn Klassiker des Genres hat sie dafür neu arrangiert. (Bild: Grönert)

Überraschend ist die erste Begegnung mit Ariane Jacobi. Denn im Gespräch mit der blonden, schlanken Frau fällt ein Gegensatz sofort auf: Die tiefe, volle Stimme, die zu der weiblichen Erscheinung nicht so recht passen will. Das Besondere hat sie zu ihrem Beruf gemacht: Ariane Jacobi ist Hörfunk-Journalistin und Jazz-Sängerin. So ist sie auf WDR 5 regelmäßig im Magazin „Jazz twenty 5“ zu hören. Auch dem Deutschlandfunk, der Deutschen Welle und dem Katholisch-Sozialen Institut leiht sie ihre außergewöhnliche Stimme. Nicht zuletzt aber bereichert die 41-Jährige als anerkannte Jazz-Sängerin zusammen mit ihrem Ensemble die deutsche Club-Landschaft.

„Es ist schon amüsant, dass ich so viele Berufe habe, bei denen die Stimme so wichtig ist“, sagt Ariane Jacobi. Denn früher war sie von ihrem größten Kapital nicht sonderlich begeistert. „In der Grundschule musste ich bei Hörspielen die Schurken- und Ganovenrollen übernehmen. Dabei hätte ich gern so ein richtig hohes Gretchenstimmchen gehabt“, erzählt Ariane Jacobi. Doch bereits damals wurde ein erster Grundstein für ihre berufliche Laufbahn gelegt. An ihrer Schule suchte eine Rundfunkanstalt Kinder für ein Hörspiel - und die Wahl fiel auf Ariane Jacobi. „Ich musste dazu überredet werden. Ich hatte nämlich auch noch im Hinterkopf, dass alle Eltern laut loslachten, sobald ich mit meinem bräsigen Organ ein Weihnachtsgedicht vortrug. Erst, als ich mir ausrechnete, wie viele Gummibärchen und Comics ich mir für die »Gage« beim Hörfunk zulegen könnte, fackelte ich nicht mehr lange. Besonderen Ehrgeiz habe ich allerdings nicht an den Tag gelegt, so dass diese »Karriere« auch nicht lange andauerte“, stellt Ariane Jacobi rückblickend fest und lacht. Also sollte es noch einige Umwege geben, bis der Fluch wirklich zum Segen wurde.

„Wenn ich singe, dann am liebsten Jazz oder Jazz-Verwandtes“, sagt Ariane Jacobi mit strahlenden Augen. Eher zufällig war sie auf diese Musikrichtung gestoßen: Als junges Mädchen besuchte sie eine Tanzschule, um Stepptanzen zu lernen. Was ihr in den Räumen als Erstes ins Auge fiel, war ein Bild an der Wand. Darauf war eine pummelige, in einen Nerzmantel gehüllte Dame in viel zu kleinen Schuhen abgebildet. Von ihrer Tanzlehrerin erfuhr die damals 14-Jährige, wer diese Frau mit der faszinierenden Ausstrahlung war: Billie Holiday, die in den 30er bis 50er Jahren des 20. Jahrhunderts als Jazz-Sängerin große Erfolge feierte. Die Tanzlehrerin war es auch, die dem Teenager Schallplatten von Billie Holiday und vieler weiterer Jazz-Größen auslieh, die auch heute noch zu Jacobis Lieblingsmusikern gehören. Darunter sind Ella Fitzgerald, Duke Ellington, Sarah Vaughan, Anita O' Day, Helen Humes und Little Jimmy Scott.

An der Art von Musik gefallen ihr besonders die tiefe Emotionalität, der ursprüngliche Sound, die Improvisation und die Rhythmik. „Ich fühlte mich hier, im Jazz, mit meinem rauen Stimmsound zum ersten Mal gut aufgehoben.“ Bereits als 16-Jährige hatte Ariane Jacobi ihre erste Band. Obwohl sie schon damals von einer Karriere als Jazz-Sängerin träumte, studierte sie zunächst Deutsche Philologie, Kunstgeschichte und Musikpädagogik. Bereits während des Studiums an der Universität Köln arbeitete sie als Journalistin und Moderatorin - unter anderem beim Hörfunk. „Bis heute kann ich die Arbeit beim Radio und meine Tätigkeit als Sängerin gut miteinander verbinden“, so Ariane Jacobi. „Es ist reizvoll, einerseits mit so etwas Abstraktem, Flüchtigem zu spielen wie mit der Musik und andererseits mit so etwas so Konkretem wie der Sprache umzugehen.“

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Ariane Jacobi hat das passende Ensemble gefunden

Seit etwa zehn Jahren hat Ariane Jacobi das passende Ensemble für ihren musikalischen Stil gefunden. Die Musiker, mit denen sie zusammen auf der Bühne steht und ihre CD aufgenommen hat, sind ebenso wie Ariane Jacobi bekannte Jazz-Größen. Dazu zählen der Pianist Olaf Polziehn, Bassist Ingmar Heller, Gitarrist Rolf Marx, Schlagzeuger Joost van Schaik und Saxofonist Frank Jacobi.

Köln sei für die Musik-, Literatur- und Kunstinteressierten das ideale Pflaster: „Ich brauche dieses pulsierende Leben und die kulturellen Eindrücke“, meint die Künstlerin. Die Liebe zur Großstadt macht auch der Titel ihres ersten Albums deutlich. „Big City is for me“ ist gerade auf dem Wismarer Label AO-NRW erschienen. Jacobi hat dafür zehn Klassiker des Jazz und traditionellem Rhythm 'n' Blues eingesungen. Dazu zählen bekannte Lieder wie „Hallelujah, I love him so“ von Ray Charles und weniger bekannte Songs, zum Beispiel „Big City“ von Marvin Jenkins.

„Ich schätze die Kompositionen, die ich ausgewählt habe, weil sie entweder harmonisch, melodisch ansprechend sind oder ein derzeitiges Lebensgefühl von mir ausdrücken. Somit kann ich die Songs problemlos zu meinen eigenen machen“, erklärt Ariane Jacobi. Wie das Arrangieren der Klassiker vor sich ging, erklärt die Musikerin am Stück „Lover, come back to me“ von Sigmund Romberg: „Den Song haben wir in Nat-King-Cole-Tradition, also mit minimiertem Sound ohne Schlagzeug eingespielt. Die Musiker spielen Soli, die so stark sind, dass sie wie kleine Eigenkompositionen wirken.“

Perfekt fügt sich Ariane Jacobis Gesang in die zehn teils swingenden, teils ruhigen Jazz-Arrangements ihres Albums ein. Mit einem Gretchenstimmchen wäre sie sicherlich nicht so weit gekommen.

Musiker, die vorgestellt werden möchten, wenden sich an den „Kölner Stadt-Anzeiger“, Telefonnummer: 2 24-23 23 / 22 97, E-Mail: KSTA-Stadtteile@mds.de, Anschrift: Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln. Bewerber sollten aktuelle Musikproben auf CD oder als Sounddatei zusenden.