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Die Eifel lockt als Orchideenrevier

Die grüne Hohlzunge war die Orchidee des Jahres 2004; sie ist auch in der Eifel zu finden.

Die grüne Hohlzunge war die Orchidee des Jahres 2004; sie ist auch in der Eifel zu finden.

Orchideen gelten als besonders guter Indikator für ein intaktes Biotop. Wo sie wachsen, ist der Naturhaushalt noch in Ordnung.

Eifel - Einsame Dörfer am Fuße bewaldeter Höhen, stille Seen und klare Bäche, alte Abteien und majestätische Burgen - die Eifel ist für ihre wildromantische Landschaft bekannt. Doch das Mittelgebirge hält noch andere Schätze bereit, die sich dem Blick der meisten Besucher entziehen: Auf stillen Lichtungen und mageren Kalkwiesen wachsen 40 der 60 in Deutschland heimischen Orchideenarten. Die Eifel gilt als das beste Orchideenrevier zwischen Rhein und Weser.

Im Mai und Juni blühen hier die meisten heimischen Orchideen, die allesamt unter Naturschutz stehen. Ihre Namen sind ebenso exotisch wie ihr Aussehen: Rot-violett leuchtet das Rote Waldvögelein, der Hängende Mensch hat kleine, an gelbe Männchen erinnernde Blüten, und dunkelrot blüht das Mannsknabenkraut. Etwas unauffälliger als ihre Schwestern ist die Grüne Hohlzunge, die zur Orchidee des Jahres 2004 gekürt wurde. In Nordrhein-Westfalen wächst sie nur an einer Stelle, und zwar rund um die Eifelgemeinde Nettersheim.

Mehr als 2000 der seltenen Hohlzungen stehen hier dicht an dicht. Regelmäßig - in diesem Jahr am 16. Mai - werden Vorträge, Ausstellungen und Exkursionen rund um das Thema Orchideen angeboten. Auch der Arbeitskreis der Heimischen Orchideen (AHO) Nordrhein-Westfalen ist beteiligt. Der AHO NRW wurde 1983 als eigenständige Gruppe innerhalb des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegründet. Heute hat er 200 Mitglieder. „Wir wollen die Vielfalt der Natur erhalten. Jede Orchideenart, die verschwindet, macht uns ärmer“, erklärt der AHO-Vorsitzende und Botaniker Michael Luwe. Orchideen seien zudem ein besonders guter Indikator für ein intaktes Biotop. Wo sie wüchsen, seien der Naturhaushalt und die Artenvielfalt meist noch in Ordnung.

Auf der Suche nach neuen Populationen spüren die Orchideenschützer ihren Lieblingen in den heimischen Wäldern und Wiesen nach. Ihr Ziel ist es, die Bestände der einzelnen Arten zu erfassen, um Erkenntnisse über ihre Verbreitung zu gewinnen - und sie dann umso besser zu hegen und zu pflegen. Jeder neue Orchideenfund wird in eine Kartei aufgenommen. Nach zehn Jahren Suche ist die Bilanz positiv: In der Eifel und rund um Köln waren 1990 etwas mehr als hundert Orchideenvorkommen bekannt. Bis 2002 waren in dieser Region schon 1300 Fundorte registriert. Ist eine neue Population entdeckt, muss der Standort beobachtet und gepflegt werden. Denn wilde Orchideen sind besonders empfindliche Gewächse und „konkurrenzschwach“. Wenn der Boden mit anderen Pflanzenarten verkrautet oder zuwächst, kommen sie nicht mehr hoch.

Drohen daher Gräser, Büsche und Hecken eine Population zu überwuchern, rücken die Orchideenschützer den Gewächsen mit Hacken, Sensen und Sägen zu Leibe und befreien ihre Schützlinge vom tödlichen Dickicht. Den Großteil der Pflegearbeit verrichten aber die Bauern, die im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms NRW dafür bezahlt werden, dass sie Wiesen und Felder mähen und so vor dem Zuwachsen schützen.

Den genauen Standort einer Art verraten die Orchideenfreunde nie. Sie wissen, was passieren kann, wenn solch ein Platz bekannt wird: Unvorsichtige Pflanzenfreunde pilgern zu dem neuen Fundort und trampeln die Orchideen nieder, andere plündern gleich den ganzen Bestand. Vor drei Jahren wurden in der Eifel von einem Knabenkrautbestand an die 200 Pflanzen geklaut. „Das war ein Schock für uns“, erzählt Luwe.

Regelmäßig bietet der Arbeitskreis Heimische Orchideen Exkursionen zu den exotisch anmutenden Pflanzen an, an denen jeder Interessierte teilnehmen kann. Wer auf einer Wanderung selbst einmal Orchideen aufspürt, kann seinen Fund dem AHO melden. (ddp)

 www.europorchid.de

 www.nettersheim.de

 www.eifel-online.de

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