Jodie Foster will Deutsch lernen

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Jodie Foster über den Wolken.

Jodie Foster über den Wolken.

In „Flightplan“ spielt die 43-jährige US-Schauspielerin eine Frau, die erst ihren Mann verliert und der dann auch noch die kleine Tochter abhanden zu kommen scheint. Mit Jodie Foster sprach Uwe Mies.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Frau Foster, proben Sie in „Flightplan“ das Fach der hysterischen Frau?

FOSTER: Ach, es kommt auf den Standpunkt an. Aus ihrer Sicht ist die Frau ganz fest davon überzeugt, dass sie richtig handelt. Aus der Sicht aller anderen ist sie tatsächlich nur eine hysterische Ziege, die Unruhe stiftet. Das fand ich schon sehr interessant an der Idee des Films.

War es hilfreich für die Rolle, dass Sie selbst Mutter sind?

FOSTER: Hm, ich habe schon Mutterrollen gespielt, als ich selbst noch keine war. Aber es gibt für eine reale Mutter sicherlich eine Verbindung zwischen Selbstverständnis und Rolle, die so mit Worten nicht zu fassen ist und sich auf die Darstellung auswirkt. Es fließen dann einfach mehr persönliche Erfahrungswerte mit ein.

Sie haben mal gesagt, Sie würden immer die gleiche Rolle spielen.

FOSTER: Nun ja, es gibt gewisse Themen, Motive, die mich für einen Film einnehmen. Ich spiele Leute, die allein in der Welt stehen und spüren, dass sie nicht hineinpassen. Sie sind irgendwie innerlich vernarbt, und deshalb tragen sie eine gewisse Traurigkeit in sich.

Wie viel davon findet sich in der wahren Jodie Foster?

FOSTER: Keine Ahnung, ich bin ja nicht mal sicher, wer die wahre Jodie Foster ist. Aber mit Blick auf meine Filme dürfte mir „Nell“ schon am nächsten gekommen sein.

Sie befinden sich in einem kritischen Alter, mit dem Hollywood nichts anfangen kann.

FOSTER: Ja, es ist auch ein kritisches Alter im privaten Sinne. Denn im Wesentlichen hat sich der Charakter gebildet und die berufliche Karriere auch. Man wird nicht plötzlich Astronaut. Die Kinder sind auch in einem Alter, wo sie nicht mehr klein, aber auch noch nicht flügge sind. Man befindet sich einer Art Warteschleife zwischen jüngerer und älterer Karriere.

Gewisse Dinge gehen natürlich nicht mehr.

FOSTER: Stimmt, ich habe nie das Bond-Girl gespielt. Mein Image ist ein anderes. In gewisser Hinsicht macht das die Dinge leichter.

Was sind Ihre persönlichen Zielsetzungen im Beruf?

FOSTER: Ich verspüre den Drang, mit Regisseuren zu arbeiten, von denen ich als Regisseurin noch etwas lernen kann. Und langfristig schiele ich auf gute Altersrollen, wie sie Simone Signoret spielte oder Gena Rowlands derzeit ausfüllt. Sie wissen schon, die vom Leben ausgetrocknete, etwas verbiesterte Concierge mit der Zigarette im Mundwinkel.

Ihre nächste Rolle wird Leni Riefenstahl sein. Werden Sie dafür Deutsch lernen?

FOSTER: Das hoffe ich sogar sehr. Ich spreche Französisch, Italienisch und Spanisch, aber Deutsch kommt mir sehr schwer vor.

Mit Riefenstahl wagen Sie sich an ein historisches Vorbild heran.

FOSTER: Es stimmt, ich habe bislang so gut wie nie eine historische Figur gespielt. Das ist auch ein Grund, weshalb die Arbeiten am Drehbuch so lange dauern. Es ist eben eine immens komplexe Geschichte, und es wird hoffentlich ein Moralstück. Denn eines ist jetzt schon klar, dass das Thema immens kontrovers diskutiert werden wird.

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