Welche Website-Variante möchten Sie nutzen?

Mobile Ansicht Vollansicht
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

120 Demonstranten: Diskussion um Kartbahn und Binz vor Schmidtheimer Rathaus

In einer ruhigen und friedlichen Demo machten die Kartsportler in Schmidtheim ihre Positionen für den Erhalt der Kartbahn deutlich.

In einer ruhigen und friedlichen Demo machten die Kartsportler in Schmidtheim ihre Positionen für den Erhalt der Kartbahn deutlich.

Foto:

Everling

Schmidtheim -

Ein Menschenauflauf vor dem Schmidtheimer Rathaus ist wahrlich nicht alltäglich. Am Donnerstagnachmittag demonstrierten vor dem Verwaltungssitz der Gemeinde Dahlem rund 120 Mitglieder des Kartclubs Burg Brüggen (KCBB) und Unterstützer. Anlässlich der Ratssitzung wollten sie auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Um Frank Freyaldenhoven als Vertreter des KCBB die Gelegenheit zu geben, einige Dinge zum Thema Kartbahn an der Binz aus Sicht des Vereins darzustellen, unterbrach Bürgermeister Jan Lembach formell die Sitzung für eine halbe Stunde und begab sich mit dem Sprecher des KCBB in eine Diskussion.

Kartfans wollten Präsenz zeigen

Gesittet ging es derweil vor dem Rathaus zu. Deutlich zu spüren war das Bemühen der Kartfans, Präsenz zu zeigen, ohne unangenehm aufzufallen. So blieben Demo-Utensilien wie Trillerpfeifen oder Trommeln im Schrank. Die Polizei hatte das offenbar nicht anders erwartet: Nur eine Streifenwagenbesatzung war vor Ort, die entspannt die Lage beobachten konnte.

Mit ihrer Demo wollten die Mitglieder dagegen protestieren, dass die Gemeinde dieses Jahr nur zwei Rennveranstaltungen genehmigt, statt wie in den Vorjahren vier. Wie diese Zeitung berichtete, haben Klagen von Anwohnern über Lärmbelästigungen durch Kartbahn und Binz dazu geführt. Die Gemeinde zieht sich auf den Erbbauvertrag von 1981 über das Gelände zurück, in dem zwei Veranstaltungen gestattet werden. Das Gewerbeaufsichtsamt in Bonn hatte seinerzeit dagegen drei genehmigt.

„Wir müssen alle Beteiligten an einen Tisch bekommen.“ Christoph Merkel, Betreiber der Kartbahn, der sich unter die Demonstranten gemischt hatte, schlug versöhnliche Töne an. Am Ende müsse ein Kompromiss stehen, der für alle funktioniere, betonte er noch vor der Sitzung, zu der eine kleine Abordnung der KCBB-Mitglieder Freyaldenhoven in den Ratssaal begleitete. Dort erläuterte Bürgermeister Lembach, dass eine Aussprache in der Ratssitzung aufgrund der Gemeindeordnung nicht möglich sei und unterbrach die Sitzung, um den Rennsportfans Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.

Eine Delegation des KCBB um Frank Freyaldenhoven legte die Sicht der Dinge des Clubs im Gemeinderat dar.

Eine Delegation des KCBB um Frank Freyaldenhoven legte die Sicht der Dinge des Clubs im Gemeinderat dar.

Foto:

Everling

Zustimmung des nahegelegenen Klosters erforderlich

Doch erst legte er noch einmal die Sachlage aus Sicht der Gemeinde dar. „Die Bahn ist nie als Rennkartbahn gebaut worden“, sagte er. Mit Rücksicht auf das nahe gelegene Kloster Maria Frieden seien im Erbbauvertrag, der mit den Brüdern Nahrings als Erbauern der Bahn geschlossen worden sei, nur zwei Rennwochenenden vereinbart worden. „Es gibt eine rechtsverbindliche Erklärung, dass jede Änderung des Vertrages der Zustimmung des Klosters bedarf“, teilte er mit.

Vergangene Woche sei der Antrag zur betriebsrechtlichen Genehmigung beim Kreis eingereicht worden. Bis Mitte Juli müsse die Gemeinde eine Stellungnahme abgeben, die in der nächsten Ratssitzung besprochen werde. „Wir werden in dieser Sitzung dem Verein Gelegenheit geben, Stellung zu nehmen“, versprach er.

Einige Details, die die Gemengelage nicht durchsichtiger machten, trug Freyaldenhoven vor. So hatte sich das Kloster 1983 mit einer Erhöhung der Renntage auf drei einverstanden erklärt – allerdings nur für die Saison. In dem Zusammenhang zitierte er ein Schreiben, in dem die Vorbesitzer Nahrings eine Änderung des Erbbauvertrages anregten.

Erbbauvertrag ist höchstes Recht

„Wir haben drei gut gefüllte Ordner und auch diesen Brief, aber wir haben keine Antwort darauf oder eine Vertragsänderung“, erklärte Lembach. Er bot dem Verein an, gemeinsam die Ordner durchzugehen, um vielleicht Details klären zu können. Neu war auch ein Pachtvertrag zwischen Rosa Orphan, der Nachfolgerin der pleite gegangenen Brüder Nahrings und dem Insolvenzverwalter. Dessen Inhalt wurde nicht weiter erörtert.

Letztendlich ging Lembach nicht auf diese Details ein. „Wir sollten nicht in der Vergangenheit kramen, sondern in die Zukunft blicken.“ Auch er signalisierte Gesprächsbereitschaft. Im Augenblick sei aber der Erbbauvertrag höheres Recht, da könne der Rat auch nicht anders entscheiden. Die Gemeinde habe viele Schreiben bekommen, und ihr Vorgehen werde genau beobachtet. „Ansonsten wird mit viel Einsatz dagegen vorgegangen“, deutete er an, unter welchem Druck er steht. Es könne mit einer Einstweiligen Verfügung die Schließung der Kartbahn erwirkt werden, warnte er, ohne im Detail den Urheber einer derartigen Verfügung zu nennen.

Heute Renntag

Wer sich ein Bild machen möchte, wie es an den Renntagen auf der Kartbahn an der Binz zugeht, der hat am heutigen Samstag, 26. Mai, von 9 bis 18 Uhr die Gelegenheit. Es geht um den ersten Lauf der Clubmeisterschaft. In mehreren Klassen gehen die Fahrer auf der 1122 Meter langen Bahn an den Start. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos unter Tel. 06557/900170 oder online:

www.kcbb.de