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Betrüger: Flutopfer soll 1800 Euro für Transport von „geschenktem Wohnmobil“ zahlen

Ein Wohnmobil ähnlich wie dieses wurde der Eifel Tourismus GmbH in Prüm per Mail für Flutopfer angeboten.

Ein Wohnmobil ähnlich wie dieses wurde der Eifel Tourismus GmbH in Prüm per Mail für Flutopfer angeboten.

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Jens Büttner/dpa

Schleiden-Gemünd -

„Das ist eine echte Schweinerei, dass man auch noch versucht, Flutopfer zu betrügen.“ Lydia Schumacher ist außer sich, weil sich ein vermeintliches Hilfsangebot aus dem Ausland als Betrugsversuch entpuppt hat.

Ging dem zweifelhaften Angebot auf den Grund: Lydia Schumacher.

Ging dem zweifelhaften Angebot auf den Grund: Lydia Schumacher.

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Archivfoto: Stephan Everling

Eine Frau hatte sich per E-Mail bei der Eifel Tourismus GmbH  in Prüm gemeldet und kostenlos ein Wohnmobil als Übernachtungsmöglichkeit für Flutopfer angeboten, weil sie in die Vereinigten Staaten auswandern wolle. Schumacher hätte „nur“ die Transportgebühr von 1800 Euro zahlen müssen. Nach dem Austausch mehrerer Mails kam der Gemünderin die ganze Geschichte mehr und mehr spanisch vor und sie schaltete die Polizei ein. Der ist noch ein weiterer ähnlicher Fall bekannt.

Betroffene lebt seit der Flut in einem Rohbau

Lydia Schumacher wohnt in Gemünd-Mauel und lebt nach der Flutkatastrophe derzeit in einem Rohbau. „Der Keller war vollgelaufen, und im Erdgeschoss stand das Wasser etwa 1,30 Meter hoch. Sämtliche Möbel musste ich wegschmeißen“, so Schumacher. Auch Teile ihres Grundstücks seien weggespült worden. Deshalb sei sie froh gewesen, als sie von einem Bekannten von dem Angebot mit dem Wohnmobil gehört habe.

„In der E-Mail an die Tourismus GmbH schrieb eine Frau, dass sie Rentnerin sei und zu ihrem Mann in die USA ziehen werde. Deshalb wolle sie das Wohnmobil an Flutopfer verschenken“, berichtet Schumacher. Eine Telefonnummer sei in der E-Mail nicht angegeben gewesen, auch nicht der Wohnort der Anbieterin. Eine Kontaktaufnahme sei deshalb nur per E-Mail möglich gewesen. „Ich habe sie angeschrieben und mich für die Hilfe bedankt. Ich habe ihr auch erklärt, dass ich ein Flutopfer bin“, so Schumacher.

Daraufhin habe sie eine merkwürdige Antwort erhalten: „Ich sollte alle meine Daten inklusive der Nummer meines Personalausweises schicken.“ Noch größer wurde die Verwunderung, als sich Schumacher die Fotos des Wohnmobils ansah, die die Anbieterin mitgeschickt hatte: „Das sah ziemlich neu als, als ob es noch nicht oft im Einsatz gewesen wäre.“

Schumacher schrieb die Frau an und bat um ein Telefonat. Die Anbieterin mit einem französisch klingenden Namen habe ihr daraufhin in schlechtem Deutsch geantwortet, dass das nicht möglich sei. Ein Grund dafür habe sie nicht angegeben.

Kontaktaufnahme immer wieder abgewimmelt

„Ich wurde immer misstrauischer und habe den Namen im Internet eingegeben. Da kam nur ein Eintrag in einem sozialen Netzwerk zum Vorschein“, so Schumacher. Weil sie selbst bei diesem Anbieter kein Konto hat, bat sie eine Freundin, sich das Profil der vermeintlichen Wohltäterin einmal genauer anzuschauen. Die Freundin habe ihr dann die Kopie des Profils zugeschickt und sie gleich gewarnt, dass es sich dabei offenbar um einen Fake-Account handele: „Es gab kein Foto und keine Kontakte. Da wurde mir klar, dass es sich wohl um einen Betrug handelt.“

Nur wenig später wurde sie in ihrer Einschätzung bestätigt. Ihr wurde mitgeteilt, dass es Probleme gebe und sie die Transportkosten von 1800 Euro übernehmen müsse. Schumacher ging zum Schein auf das Angebot ein: „Ich habe der Frau geschrieben, dass die Übernahme der Transportkosten kein Problem sei, wenn ich mit dem Spediteur am Telefon sprechen könne.“

Doch dies, so schrieb die Frau zurück, sei leider nicht möglich. Schumacher solle erst einmal die 1800 Euro überweisen. „Da habe ich dann bei der Polizei eine Strafanzeige gestellt.“ Die Beamten haben laut Schumacher herausgefunden, dass das angegebene Konto zu einer französischen Bank gehöre.

Polizei ermittelt in mehreren Fällen

„Wir ermitteln gegen Unbekannt“, sagt Polizeisprecher Franz Küpper und bestätigt die Geschichte von Lydia Schumacher. Die Täter nutzten die Hilflosigkeit der Menschen aus und machten falsche Versprechungen. „Uns ist noch ein ähnlicher Fall bekannt. Da sollte ein Flutopfer ein Auto geschenkt bekommen, wenn er die Frachtkosten übernimmt“, so Küpper.

Es sei durchaus möglich, dass weitere Fälle gebe, die der Polizei jedoch nicht gemeldet worden seien. Die Täter geben laut Küpper für die Überweisungen in der Regel ausländische Konten an, an die die deutsche Polizei kaum herankomme: „Da ist es sehr schwer, die Hintermänner zu ermitteln.“ Den Betroffenen könne man nur raten, bei solchen Angeboten misstrauisch zu sein und die Polizei zu kontaktieren.