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Konzept zur Kooperation verabschiedet: Burscheid und Wermelskirchen wachsen zusammen

Ruine mit Potenzial: Die Alte Ziegelei liegt zwischen Burscheid und Wermelskirchen und könnte ein Vorzeigeareal werden.

Ruine mit Potenzial: Die Alte Ziegelei liegt zwischen Burscheid und Wermelskirchen und könnte ein Vorzeigeareal werden.

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Ralf Krieger

Burscheid/Wermelskirchen -

144 Seiten stark ist der Entwurf für die Partnerschaft: Vertreter der Städte Burscheid und Wermelskirchen haben am Dienstagabend eine Vorlage zur Zusammenarbeit verabschiedet. So sollen regionale Themen wie etwa Infrastruktur und Verkehr, Kunst und Bildung besser abgestimmt werden.

Dabei wurde zunächst nur der Startschuss gegeben, um zusammenzuarbeiten. Wie die Partnerschaft im Detail aussehen soll, steht noch aus.

„Historische Weichenstellung“

Für Burscheids Bürgermeister Stefan Caplan ein entscheidender Schritt – er nannte den Beschluss eine „historische Weichenstellung“. Doch bis das Interkommunale Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept (IKEHK) – wie es offiziell heißt – beschlossen wurde, kam es zu Reibereien. FDP-Vertreter aus Wermelskirchen wollten die Abstimmung vertagen, da sie in ihrer eigenen Fraktion noch Beratungsbedarf sahen. Das stoß bei den anderen Vertretern auf Ärger. Klaus Becker von der Burscheider SPD konnte schlichten: „Wir wollen die Schnittmengen auf den Weg bringen. Wir beschließen nichts inhaltlich“. Bei der Abstimmung enthielt sich die Wermelskirchener FDP, es bleibt ein kleiner Makel an dem Hochglanz-Projekt.

Nun liegt es an den Städteentwicklungsausschüssen die Partnerschaft zu konkretisieren. Vor allem was die Finanzierung der großen Projekte angeht. Denn viele Entwürfe klingen attraktiv und fortschrittlich, wie diese allerdings bezahlt werden sollen, muss noch geprüft werden. Die Vertreter der Stadtentwicklungsausschüsse sowie die Bürgermeister zeigten sich aber zuversichtlich. „Wir stehen in der Konkurrenz mit anderen Kleinstädten der Region“, so Caplan. Um sich zu entwickeln, müsse man über den „kommunalen Tellerrand“ schauen, das könne man nur gemeinsam hinkriegen. In diesen Themen etwa soll zusammengearbeitet werden:

Mobilität in der Region

Die Verkehrsstruktur in Wermelskirchen und Burscheid soll verbessert werden. Vor allem die Anbindung an Remscheid und Wuppertal sowie an die „Balkantrasse“ soll verbessert werden. Auch innerstädtisch soll es mehr Angebote geben, etwa mit autonom fahrenden Bussen, Seilbahnen oder dem Personal Rapid Transit, einem führerlosen, spurgeführten Mini-Zug, der Platz für zwölf Gäste bietet.

Hochschul-Dependance

Auch in der Bildung soll besser zusammengearbeitet werden. Die ambitionierte Idee der Städte: eine Hochschul-Dependance, also einen Ableger einer Universität oder Fachhochschule mit einem eigenen Gebäude, in der Region zu etablieren. Der Entwurf sieht dafür etwa das Rhombus-Areal in der Wermelskirchener Innenstadt oder die ehemalige Schuhfabrik Neuenhaus an der Burscheider Stadtgrenze vor.

Hilgen beleben

Der Burscheider Ortsteil Hilgen liegt auf der Stadtgrenze zu Wermelskirchen. In dem gemeinsamen Projekt soll der Ort gestärkt werden, da viele Flächen brach liegen. Vorgesehen ist laut Entwurf ein „Dienstleistungs- und Kreativzentrum mit einem gastronomischen Angebot“. Ein Herzstück ist dabei die Alte Ziegelei, die zu einer Ruine verkommen ist. Sie soll zu einem Vorzeigeprojekt, einem Verbindungstor zwischen den Städten und einer Perle der Balkantrasse werden (siehe Balkantrasse mit Perlen).

Balkantrasse mit Perlen

Die als „Balkantrasse“ bekannte Bahnstrecke von Opladen bis Lennep führt durch Burscheid und Wermelskirchen. Was als Vorzeigeverbindung begann, ist nun durch bauliche Veränderungen laut Entwurf nicht mehr zeitgemäß. Entlang der Balkantrasse sollen deswegen „Perlen“ entstehen. Gemeint sind Höhepunkte wie Bürgerhäuser, Kulturzentren und Jugendfreizeitplätze. Die Balkantrasse soll als „Verbindungsband“ zwischen den Städten wiederbelebt werden und den Tourismus fördern.

Wohn- und Gewerberaum

In der Städtepartnerschaft verankert ist außerdem die bessere Absprache für die Entwicklung von Wohnraum und Gewerbeflächen. So soll künftig besser geprüft werden, auf welchem Gelände sich Firmen ansiedeln, wo bezahlbare Wohnungen entstehen und wo Flächen für Industrie freigegeben werden können. Besonders die Erschließung von neuen Gewerbegebieten rückt dabei in den Fokus, da in schon erschlossenen Ballungsräumen die Miet- und Grundstückspreise rasant steigen.