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Haus und Grund vs Avea: Großer Streit über die Abfallgebühr in Leverkusen bahnt sich an

Vergleichsweise teuer ist die Müllabfuhr in Leverkusen. Zu teuer, wie die Überschüsse der vergangenen Jahre zeigen.

Vergleichsweise teuer ist die Müllabfuhr in Leverkusen. Zu teuer, wie die Überschüsse der vergangenen Jahre zeigen.

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Ralf Krieger

Leverkusen -

Platz 100. Ganz unten und mit viel Abstand zum Zweitschlechtesten. Das war das Ergebnis einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft von 2016. Die Kölner hatten sich die Abfallgebühren der 100 größten Städte angeschaut. Und Leverkusen auf den letzten Platz gesetzt. Eine vierköpfige Familie zahlte danach über 900 Euro im Jahr, wenn sie jede Woche von der Avea ihren Restmüll abholen ließ. Zu welchem Preis das auch geht, konnte man in Flensburg sehen. Dort kostete das nach Berechnungen des IW keine 150 Euro.

Thomas Gutknecht trieb das auf die Palme. Der Vorsitzende des Haus- und Grundbesitzervereins forderte eine Erklärung von Avea-Chef Hans-Jürgen Sprokamp und Frank Stein. Der damalige Kämmerer errechnet die Müllgebühr, natürlich auf Basis dessen, was die Avea vorgibt. Das Ergebnis stellte Gutknecht aber nicht zufrieden.

Die Avea verwies auf einen methodischen Fehler in der Untersuchung: Die Forscher hatten nicht beachtet, dass es in der Stadt die Biotonne gibt und stattdessen einen Aufschlag berechnet. Die Müllgebühr sei also gar nicht so extrem hoch. „Trotzdem stehen wir tief im letzten Drittel. Günstig ist anders“, sagt Gutknecht jetzt. Daran ändere auch die jüngste Senkung der Gebühr nichts.

Avea-Chef meldet Rekordjahr

Dreieinhalb Prozent weniger zahlen die Bürger. Das sei noch viel zu viel, findet Gutknecht: Gerade hat Avea-Chef Sprokamp ein Rekordjahr verkündet. 2017 hat der Entsorgungskonzern 4,5 Millionen Euro Gewinn gemacht. Gerade eine Million davon will sein Chef in den Gebührenhaushalt übertragen. „Zur Glättung“, hieß es. Kein Wort von einer neuerlichen Senkung der Abgabenlast.

Gutknecht ist empört. „Wir erwägen einen Widerspruch gegen einen Gebührenbescheid. Zur Not fechten wir das auch vor Gericht aus“, kündigt er an. Die Abfallgebühr sei ein Thema, das alle angehe. Nicht nur Hausbesitzer, „sondern jeden Mieter. Das wird schließlich einfach durchgereicht“, betont der Anwalt.

Viel Geld auf der hohen Kante

Nach seinem Dafürhalten ist die Avea in den vergangenen Jahren regelmäßig übers Ziel hinaus geschossen. Das zeigten die hohen Überschüsse (siehe „ Immer wieder im Plus“ unter dem Artikel), die aus Gutknechts Sicht viel zu langsam abgeschmolzen werden: Dazu hat der Entsorger jeweils vier Jahre Zeit – und durchaus Ermessensspielraum, wie die jüngste Kalkulation zeigt: Aus den Überschüssen der Jahre 2014 und 2015, die sich auf eine Million Euro summieren, werden dieses Jahr knapp zwei Drittel verbraucht, um die Gebühren zu senken. Die 1,6 Millionen aus 2016 hat die Avea noch nicht angerührt.

Claus-Dieter Steinmetz bittet um Geduld – und Vorsicht. Der Avea-Sprecher weist auf die Risiken in der Branche hin. Zuletzt habe sich der gute Preis für Strom, den die Avea mit ihrem Müllofen im Eisholz erzielte, ausgewirkt. Und die Entsorgung von Gewerbeabfall sei voriges Jahr lukrativer gewesen als kalkuliert. Das Rekord-Ergebnis resultiere also nicht aus zu hohen Abfallgebühren. Niedrigere Sätze seien aber wahrscheinlich. Auf Platz 100 wird die Avea keinesfalls mehr landen.

Immer wieder im Plus

Immer wieder erwirtschaftet die Avea Überschüsse. In manchen Jahren sind sie deutlich ausgefallen.

2014 zum Beispiel entstanden mehr als 660 000 Euro, ein Jahr später waren es knapp 440 000.

Rekordverdächtig fällt das Plus aus 2016 aus: Mehr als 1,6 Millionen Euro Überschuss verbuchte die kommunale Entsorgungsfirma. Binnen vier Jahren wird das Geld nach und nach in die Gebührenkalkulation eingespeist. Sie werden weiter sinken. (tk)