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Bayers Aktionäre treffen sich: Harte Kritik am Vorstand vor Hauptversammlung

Die Stimmung ist sehr schlecht. Das gilt nicht nur für Bayers Beschäftigte, sondern auch für die Aktionäre. Die Hauptversammlung am Freitag in Bonn wird hart für Vorstand und Aufsichtsrat.

Die Stimmung ist sehr schlecht. Das gilt nicht nur für Bayers Beschäftigte, sondern auch für die Aktionäre. Die Hauptversammlung am Freitag in Bonn wird hart für Vorstand und Aufsichtsrat.

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Ralf Krieger

Leverkusen -

Bayers Hauptversammlungen waren noch nie Treffen voller Harmonie. Zu groß die Zahl der Kritiker, zu viele Angriffspunkte in der Produktpalette: Pharmazie, Agrochemie, früher Großchemie. Da wird der Platz vor dem Versammlungsort zum Jahrmarkt von Argumenten und möglichst publikumswirksamen Auftritten. Tierschützer, Imker, Leute, die Bayer-Arzneien als Ursache ihrer Leiden sehen.

Seit Bayer davon gesprochen hat, Monsanto zu übernehmen und den Deal mit viel Verzögerung durchzog, sind die Proteste noch viel lauter geworden. Das war im vorigen Frühjahr zu merken – und am Freitag wird es in Bonn noch einmal wesentlich heftiger zugehen. Draußen wird – unter anderem – Glyphosat angeklagt.

Neue Gegner: ganz normale Aktionäre

Drinnen aber wird sich die Konzernführung an einer neuen Front bewähren müssen. Christian Strenger beantragt, den Bayer-Vorstand nicht zu entlasten. Und er ist eben nicht einer jener berechenbaren organisierten Kritiker, die sich zwar immer recht weit vorne auf der Rednerliste finden, deren Auftritt aber für viele Aktionäre das Signal ist, das Buffet aufzusuchen.

Der Professor und heutige Aufsichtsrat der Fondsgesellschaft DWS steht für die Anlegerseite, begründet seinen Antrag, Vorstand und – nachdem er sich schützend vor den Vorstand gestellt hat – auch den Aufsichtsrat nicht zu entlasten, mit dem Absturz des Aktienkurses.

Damit trifft der Mann, der sich übrigens auch im Förderverein des Museums Schloss Morsbroich engagiert, den Nerv der ganz normalen Aktionäre. Die sind sauer, weil der Wert ihrer Geldanlage nahezu ins Bodenlose gestürzt ist.

Werner Baumann

Werner Baumann

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Ralf Krieger

Da der Kurs jeweils mit den beiden bislang schlecht ausgegangenen Glyphosat-Prozessen abgeschmiert ist, steht der Monsanto-Deal schwer in der Kritik: Die Deutsche Schutzgemeinschaft Wertpapierbesitz und die Aktionäre Karl Hopfner und Horst Maiwald stoßen ins selbe Horn. Auch sie gehen Vorstandschef Werner Baumann an, der das Mega-Projekt angeschoben hatte, kaum dass er ins Amt gekommen war.

Sein Vorgänger Marijn Dekkers hatte eine Monsanto-Übernahme als zu toxisch eingeschätzt und die Finger davon gelassen. Dafür war er sogar ein halbes Jahr früher in Rente gegangen.

Lichtgestalt Marijn Dekkers

Unter Dekkers jedoch war Bayer mal zum wertvollsten Unternehmen im Deutschen Aktien-Index aufgestiegen. Das Papier notierte phasenweise um die 140 Euro. Kurse, von denen man jetzt, in der 60-Euro-Lage nur träumen kann. Dumm, dass die goldenen Zeiten noch nicht vorbei und vergessen sind. So steht Baumann als großer Wertvernichter da. Und als Buhmann, während sein Vorgänger als Lichtgestalt gilt.

Das ist zwar ein bisschen ungerecht, weil sich der größte Dekkers-Deal – die Übernahme der rezeptfreien Präparate des US-Konzerns Merck und Co. – im Nachhinein als bei weitem nicht so großartig herausgestellt hat wie erwartet. Manches Produkt hatte seine besten Zeiten hinter sich.

Baumann hat noch andere Baustellen

Nun ist es Werner Baumann, der etwa die Sonnenschutzserie Coppertone auf die Verkaufsliste setzen musste. Doch das geht im großen Glyphosat-Geschrei unter.

Bayers und Baumanns Tonlage ist diese: Glyphosat ist sicher, am Ende werden das auch amerikanische Richter und Geschworene einsehen, Zweifler haben keine Ahnung. Das kann nicht zur Harmonie beitragen.