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Güterzugstrecke Morsbroich: Initiative geht eigenen Weg

Rolf Müller, Hans-Peter und Paul Schwind und Michael Heinisch fordern Lärmminderungen an der Güterstrecke Morsbroich.

Rolf Müller, Hans-Peter und Paul Schwind und Michael Heinisch fordern Lärmminderungen an der Güterstrecke Morsbroich.

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Ralf Krieger

Leverkusen -

Das Thema Lärm ist auf der Tagesordnung der Leverkusener Politik weit vorn. In der vergangenen Woche hat sich das „Netzwerks gegen Lärm in Leverkusen“ im Manforter Lindenhof gegründet. Verschiedene Bürgerinitiativen haben sich dem Gemeinschaftsvorhaben angeschlossen. Nicht so die Anwohner der Kalkstraße in Manfort die angesichts der konzertierten Aktion skeptisch geblieben sind.


Zwar wolle man mit dem Netzwerk eng zusammen arbeiten. Aber die im vergangenen Jahr gegründete Interessengemeinschaft „Lärmschutz Güterstrecke Morsbroich“ möchte ihre Selbstständigkeit wahren. Gut 30 Mitglieder sehen ihre Interessen als Anwohner, aber auch als Immobilienbesitzer durch die zukünftig noch zunehmende Nutzung durch die Transversale Genua-Rotterdam erheblich beeinträchtigt. Die Akzeptanz werde weit überschritten. In einem stadtweiten Bündnis, so die Argumentation der Kalkstraßen-Anrainer, könnten ihre Forderungen verblassen. Zu vielseitig und unterschiedlich seien die Belange aller lärmbelästigten Bürger.


Michael Heinisch, der mit seiner Frau Bettina das Hotel-Restaurant Fück an der Kalkstraße betreibt, beobachtet schon lange, dass zumal Hotelgäste, die vom Land kommen, mit dem Lärm Probleme haben. Auch die Erschütterung, die das Traditionshaus in direkter Nachbarschaft zur Güterzugstrecke in immer dichterem Takt erfährt, macht allen zu schaffen. „Ich habe eine Uhr von meiner Oma geerbt. Die stand früher auf dem Schrank. Alle halbe Jahre habe ich sie nach hinten geschoben, weil sie durch die Eisenbahnvibration nach vorne rutschte. Heute müsste ich sie jeden Abend mehrmals verschieben. Oder festkleben, damit sie nicht herunterfällt“, sagt Heinisch.

Mit den Zügen aufgewachsen


Paul Schwind berichtet von wackelnden Blumenvasen in seinem Wohnzimmer. Der Senior ist mit den Zügen aufgewachsen. Aber so drastisch, wie der Schienenverkehr zulege, da müsse er protestieren. „Bei einer Dampflok ist man früher aus dem Bett gefallen“, sagt Anwohner Rolf Müller. Aber der Takt werde immer enger. Mitunter alle drei Minuten rausche und rumple ein Zug vorbei und das sei für die Nerven und die Gesundheit schlimm. „Wenn der Schienenverkehr in Zukunft noch ausgebaut wird, dann dürfte das doch auch für die Patienten des Klinikums unerträglich werden“, prognostiziert Naturschützer Müller.


Ein triftiger Grund, sich für die eigene Interessengemeinschaft stark zu machen, sei für ihn auch die Tatsache, dass sich im „Netzwerk Lärm“ Politiker beteiligen, die seiner Auffassung nach auf Stimmen aus, aber nicht unmittelbar als Anwohner betroffen seien. Immerhin sei die Güterzugstrecke Morsbroich nachträglich in den Antrag zum Schutz gegen Eisenbahnlärm von Jamaika plus aufgenommen worden, nachdem er gegen den Fauxpas protestiert hatte. Die Bahnstreckenabschnitte Rheindorf bis Bürrig sowie entlang der Schleswig-Holstein-Siedlung waren bei dem Antrag auf Fördermittel aus dem Lärmschutzprogramm der Deutschen Bahn AG bedacht worden. Die Morsbroicher Strecke bis vor wenigen Tagen nicht. Die Interessengemeinschaft fordert, dass die Deutsche Bahn die Emissions- und Schallquellen genau unter die Lupe nimmt. „Unser primäres Ziel sind Lärmschutzwände“, fordert Müller. „Wichtig ist, dass die Hauseigentümer ihre Ansprüche auf Schallschutz gegenüber der Bahn geltend machen.“ Sonst drohe große Entwertung von Häusern, Eigentumswohnungen und Liegenschaften entlang der Bahnlinie, so Müller.


Verbessern ließe sich die derzeitige Situation aber auch durch durch die regelmäßige Pflege und das Schleifen der Schienen, die Anschaffung neuer Loks mit leiseren Motoren oder ein sanfteres Beschleunigen und Anfahren. Durch die Erschütterung seien bereits Risse in einigen Mauern entstanden. „Früher war wenigstens sonntags Fahrverbot“, klagt Paul Schwind. Wohnungen, die Hauseigentümer vermieten wollen, werden nach Erfahrung seines Sohnes Hans-Peter Schwind immer häufiger dankend abgelehnt. Und auch mit Doppelverglasung sei das Lärmproblem nicht gelöst. „Hier will ja auch keiner wie im Gefängnis sitzen. Aber zum Telefonieren geht man schon automatisch rein“, sagt Müller.