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Start-up „Barf-Alarm“ aus OpladenNur frisches Fleisch kommt in den Napf

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Julia Reinarz setzt ganz auf frische Fleischnahrung für Hunde und vertreibt diese über das Internet. Das Helle im Beutel vorne sind Hasenpfoten.

Julia Reinarz setzt ganz auf frische Fleischnahrung für Hunde und vertreibt diese über das Internet. Das Helle im Beutel vorne sind Hasenpfoten.

  • Zwei Leverkusener wollen mit ihrer Geschäftsidee im Internet expandieren

Leverkusen – Die Geschäftsidee kam Julia Reinarz als sie im Mallorca-Urlaub mit ihrem Freund Fabian Rossbacher und seinen internetaffinen Freunden zusammensaß. Sie stellte fest: „Ich will auch im Internet Geld verdienen.“ Zwei Jahre später sitzt sie im ersten Stock ihres Einfamilienhauses im Arbeitszimmer, Dobermann-Hündin Lilly neben sich und auf ihrem Balkon stapeln sich mindestens hundert silberne speziell angefertigte Kühltaschen.

Mit ihnen verschickt sie rohe Lammherzen, Kaninchenköpfe oder Rinderohren inklusive Fell in die gesamte Republik. „Barf“ nennt sich das, was sie über ihren Internetshop vertreibt und ist eine Ernährungsmethode für Hunde: Statt Dosen und Trockenfutter bekommen die Tiere rohes Fleisch, Knochen und Innereien, die Ernährung des Wolfes soll imitiert werden.

Produkte aus der Region

Und Reinarz verspricht den Kunden von Barf-Alarm zusätzlich: Kein Fleisch aus Massentierhaltung, keine Lebendtiertransporte, keine Hormonfütterung. Es kommen nur glückliche Tiere aus der Eifel und dem Bergischen Land in den Napf. „Ich möchte das Futter meines Hundes selbst zubereiten und wissen, wie es dem Tier ging, das ich füttere“, sagt die 29-Jährige, die als Hundehalterin seit fast zehn Jahren „barft“, selbst aber Vegetarierin ist.

Vor ein paar Jahren sei sie mit ihrer Fütterungsmethode noch ziemlich allein auf der Hundewiese gewesen, mittlerweile gibt es einige Facebook-Gruppen mit mehreren tausend Mitgliedern, die sich über das Thema austauschen. Mit einer Bemerkung à la „Ich hab gerade ein Päckchen Frolic aufgemacht“ könne man in solchen Kreisen schnell mal die geballte Wut der Hundebesitzer auf sich ziehen, erzählt Reinarz grinsend.

Eine Geschäftsidee also ganz dem Zeitgeist entsprechend: Nachhaltig und regional einkaufen, das geliebte Haustier gesünder und Allergien schonender ernähren und sich bei einer bietenden Gelegenheit über diejenigen erheben, die es anders machen.

Eine Expansion steht an

Geschäfts- und Lebenspartner Fabian Rossbacher – selbst Fleischesser, aber nur bewusst und vom regionalen Metzger – ist vom gemeinsamen Geschäft überzeugt. Der erfahrene Marketing-, Suchmaschinen- und Start-up-Experte sieht einen potenziellen Kundenstamm von mindestens 50 000 Menschen in Deutschland. 11,6 Millionen Hunde gibt es laut Statistik hierzulande, abzüglich der Halter, die sich das rohe Fleisch für ihren Vierbeiner nicht leisten können oder kein Interesse haben, bleiben immer noch mehrere Zehntausend übrig. Und diese gilt es zu erreichen. Dafür hat Rossbacher einen Plan. In den nächsten Monaten soll skaliert, gewachsen und expandiert werden. „Unsere Wachstumskurve geht nach oben, jetzt wollen wir den großen Sprung wagen.“

Die vier länglichen weißen Kühltruhen, neben denen Reinarz die Fleischbrocken im heimischen Keller zersägt und in handlichen Portionen einfriert, sollen langfristig weg. Stattdessen will das Gründerpärchen mit der finanziellen Unterstützung eines Investors ein Kühlhaus anmieten, Angestellte einstellen und Deutschland systematisch nach neuen Zulieferern durchkämen. „Wir können unser Geld vermehren, wir haben das Kapital und mit Frau Reinarz das Know-how“, wirbt Rossbacher weiter, als stünde er in der Start-up-Sendung „Die Höhle der Löwen“.

Versand bleibt ein Risiko

Ihr Aussichten seien besonders gut, da sie aktuell noch keine Mitbewerber im Internet hätten, sondern nur lokale Geschäfte. Ein Risikofaktor ist zurzeit noch der Versand: Wenn das Päckchen nicht innerhalb von zwei Tagen geliefert wird oder einmal zu lange beim Nachbarn steht, taut das Fleisch und muss weggeschmissen werden – eine Nahrungsmittelverschwendung und ein Ärgernis für den Kunden. Doch Rossbacher wäre wohl nicht der Internetvisionär in der Beziehung, wenn er nicht auch für dieses Problem eine Lösung hätte: „Wir können uns vorstellen, irgendwann selbst zu liefern. So wie Amazon.“

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