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Netzwerk gegen Lärm: Gemeinsamer Kampf gegen Lärm

Frank Gross hatte keine guten Nachrichten. Er ist Chef der Bewegung „Pro Rheintal“, kommt also „aus der Lärmhölle“ an der Loreley.

Frank Gross hatte keine guten Nachrichten. Er ist Chef der Bewegung „Pro Rheintal“, kommt also „aus der Lärmhölle“ an der Loreley.

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Ralf Krieger

Wiesdorf -

Es war kurz nach 21 Uhr am Donnerstagabend, als ein letztes Mal die grünen Stimmkarten nach oben gereckt wurden. Nach dem Vorstand war im Lindenhof auch ein elfköpfiger Beirat ins Amt gehoben worden. Von nun an hat die Stadt eine Interessengemeinschaft „Netzwerk gegen Lärm in Leverkusen“. So lautet der vollständige Name des gemeinnützigen Vereins. In diesem Zusammenschluss finden sich Vertreter aus fast allen Stadtteilen. Das ist auch kein Wunder, denn es gibt fast überall in dieser Stadt Lärmprobleme. Schlebusch, Opladen, Steinbüchel, Manfort, Alkenrath, Küppersteg, Bürrig und Hitdorf sind zunächst einmal vertreten. „Aber wir machen jetzt natürlich nicht den Deckel drauf. Jeder ist herzlich willkommen“, erklärte Friedrich Jonas aus der Schleswig-Holstein-Siedlung, der Vorsitzende des Bündnisses.


Die Einladung verfing allerdings auch nach mehrmaliger Wiederholung bei Rolf Müller nicht. Der Aktivist in der Interessengemeinschaft „Lärmschutz Güterstrecke Morsbroich“ tat gestern Abend in Manfort seine Einschätzung kund, dass in einem großen Netzwerk die durchaus unterschiedlichen Einzelinteressen untergehen würden. Die Leute von der Kalkstraße wollen folglich erst einmal alleine weitermachen.


Was auch noch fehlt, sind große Teile des politischen Spektrums: Nur Sozialdemokrat Walter Mende – der sich freilich als Rechtsanwalt vorstellte – und Erhard Schoofs sind im Beirat, „der aber kein Stimmrecht hat“, betonte Schoofs. Er wollte so dem Eindruck entgegenwirken, dass die Bürgerliste das Anti-Lärm-Netzwerk dominieren könnte, wie es hier und da schon vor der Gründungsversammlung behauptet wurde. Tatsächlich kamen gestern Abend auch Rüdiger Scholz und Hermann-Josef Kentrup (CDU), Gerd Wölwer (Grüne) und Alfred Mertgen (Die Unabhängigen) in den Lindenhof, um sich ein Bild zu machen. Aber keiner von ihnen ließ sich in das beratende Gremium wählen.

Werte, die krank machen


Dabei ist auf allen Ebenen viel zu tun. Das machte Frank Gross, Vorsitzender der Bewegung „Pro Rheintal“, den rund 80 Besuchern binnen einer Stunde klar. Den gebürtigen Langenfelder hat es mittlerweile an den Mittelrhein verschlagen. Und dort an der Loreley muss man sich eigentlich wundern, dass die holde Maid in Stein noch nicht von ihrem Sockel gefallen ist. Zwischen 104 und 110 Dezibel betrage die Lärmbelastung vor allem durch Güterzüge auf der Rheinstrecke, berichtete Gross. Das seien Werte, die krank machen, weil sie auch erreicht würden, wenn die Anwohner schlafen oder dies möchten: „Denn die meisten Güterzüge fahren nachts.“ Am Mittelrhein gibt es pro Tag 500 Zugbewegungen auf einem Gleisbett, das mehr als 150 Jahre ist. Und weil Güterzüge nicht nur laut sind, sondern auch lang und langsam, sei der Krach kaum zu ertragen. Gross hatte einen Begriff für „die Gegend wo ich herkomme: Lärmhölle.“


Und es sei zu befürchten, dass diese Hölle noch höllischer wird, wenn erst einmal die Güterstrecke zwischen Rotterdam und Genua so genutzt wird, wie es geplant ist. Denn nur in den Niederlanden und am Oberrhein seien für die großen Transversale neue Schienen und Trassen verlegt worden. „Die Holländer haben nach dem letzten Stand der Technik gebaut und viereinhalb Milliarden Euro ausgegeben“, berichtete Gross. Und am Oberrhein seien zweieinhalb Milliarden investiert worden für Tunnels, Lärmschutz, Umgehungsstrecken. „Aber dazwischen passiert gar nichts“, warnte der Mann, dessen Bewegung „Pro Rheintal“ in gewisser Weise das Vorbild abgibt für das neue Leverkusener Netzwerk. Wobei „Pro Rheintal“ von renommierten Wissenschaftlern Gutachten machen lässt und hochkarätige Symposien abhält, um sich Gehör zu verschaffen.

Gestern Abend im Lindenhof wurde auch in dieser Hinsicht ein Anfang gemacht: Mit dem Vortrag des Emmerichers Karl-Heinz Jansen wurden noch die Probleme nördlich von Leverkusen angesprochen. Auch die sind groß.