Pressesprecher: Von der Sparkasse zu den Piraten

Von der Sparkasse zur Piratenpartei: Ingo Schneider.
Ralf Krieger
Leverkusen/Düsseldorf -
Pressesprecher sind selten bekannt, sie arbeiten im Hintergrund. Aber es gibt Ausnahmen: Den Regierungssprecher kennt man, der Bayer-Vorstands-Sprecher ist in Leverkusen kein Unbekannter. Ebenso besitzt der ehemalige Sparkassen-Sprecher Ingo Schneider gewisse Bekanntheit: Bis Weihnachten 2011 präsentierte er beim Kölner Regionalsender Center-TV den Sparkasse-Leverkusen-Finanztipp („Vergessen Sie bei Ihren guten Vorsätzen fürs neue Jahr Ihr Geld bitte nicht“). Die Werbefilmchen sind auf der Internetseite des Senders noch heute abrufbar.
Etwa um die Zeit des Jahreswechsels auf 2012 trennten sich die Sparkasse und Schneider. Keinen besonders leichten Job dürfte der Wiesdorfer, den man auch aus dem Lokalradio kennt, jetzt angenommen haben: Er ist Sprecher der Fraktion der Piratenpartei im Landtag NRW in Düsseldorf.
Ein scharfer Wechsel
Das ist ein scharfer Wechsel vom Sprecher der sehr hierarchisch funktionierenden Sparkasse in die manchmal seltsam anmutende Welt der Computerpartei. Die Truppe von 20 Piraten-Abgeordneten gilt als chaotisch, und einzelne Mitglieder zeigten sich in den ersten 100 Tagen schwer berechenbar: Einerseits meldeten die Zeitungen nach der Sommerpause, dass bisher wenig laufe bei der neuen Fraktion, bisher stellte die Fraktion noch keinen politischen Antrag. Man müsse sich erst finden, heißt es. Schlagzeilen machten zwei Fraktionsmitglieder andererseits, als sie den SPD-Finanzminister anzeigten, weil der Steuer-CDs in der Schweiz gekauft hat. Auch nach dieser Aktion gab es Erklärungsbedarf für die Öffentlichkeit. Dafür ist jetzt Schneider da. Schneider musste öffentlich verkaufen, dass die Fraktion sich von der Aktion der zwei Mitglieder distanziert und dass man sich bisher absichtlich nicht in die politische Landtagsarbeit eingebracht habe.
Der Wiesdorfer, ganz Profi, drückt das chaotische Wesen der Gruppe so aus: „Es ist so, dass die Piraten anders strukturiert sind als herkömmliche Parteien.“ Die Pressestelle der Partei habe Schneider von Null aufgebaut, das habe schon viel Zeit in Anspruch genommen, sagte er. Eine neue Fraktion braucht Mitarbeiter. Nach dem Wahlerfolg der Piratenpartei mussten 50 neue Stellen in Düsseldorf geschaffen werden.
Dennoch bleibt Schneider in Leverkusen. In einem selbst gemachten Radiobeitrag auf der Internetseite der Piraten sagt er, er habe etwas „crazy-verrücktes“ machen wollen. Mit seinem Arbeitgeber müsse sich ein Sprecher identifizieren, sagt der Wiesdorfer. Deshalb ist er jetzt auch in die Partei eingetreten.