Auslandsaufenthalte: Idealismus allein reicht nicht

Mara Schmidt aus dem Junge-Zeiten-Team war mit dem Weltwärts-Programm an einer Schule in Ghana im Einsatz.
Mara Schmidt
Wer nach der Schule ein Freiwilliges Jahr im Ausland machen möchte, kann aus einer Vielzahl von Projekten und Entsendeorganisation wählen. Es braucht durchaus seine Zeit, bis man eine passende Organisation gefunden hat – und die sollte man sich auch nehmen.
Größere Verbände wickeln ihre Austauschprogramme routiniert und zuverlässig ab, aber auch kleinere haben ihren Reiz und sind meistens nicht so überrannt. Den besten Eindruck bekommt man auf Info-Messen wie zum Beispiel „Wege ins Ausland“ in Köln (nächster Termin 29. Januar 2013).
Die meisten Bewerbungsfristen liegen bereits ein knappes Jahr vor der geplanten Ausreise. Dabei gibt es einige Besonderheiten, die zu beachten sind: Viele Entsende-Organisationen verlangen ein ausformuliertes, umfangreiches Motivationsschreiben, das meist auch auf Englisch eingereicht werden muss. Solange die Aussagekraft erhalten bleibt, sind der formalen Gestaltung eines solchen Schreibens kaum Grenzen gesetzt.
Grundsätzlich gilt hier: Nicht die Perfektion der Bewerbung, sondern die Einzigartigkeit des Bewerbers macht den Unterschied. Insbesondere ehrenamtlichem Engagement wird dabei Beachtung geschenkt. Auch auf den ersten Blick banale Tätigkeiten und Jobs kommen in Frage. Im Grunde geht es vor allem darum, Bezüge zwischen den Aktivitäten in Deutschland und dem angestrebten Freiwilligen-Dienst herzustellen.
Viele Auslandsorganisationen stehen in kirchlicher Trägerschaft. Das heißt jedoch nicht, dass sie kirchenferne Bewerber per se ablehnen, sofern diese ihr Verhältnis zur Kirche nachvollziehbar und begründet darlegen können.
Die Entsendeorganisationen haben ein hohes Interesse daran, ihre Bewerber persönlich kennen zu lernen. Deshalb wird nach den schriftlichen Bewerbungen zu Auswahlseminaren eingeladen. Grundsätzlich gilt aber: Wer eine positive Rückmeldung auf seine Bewerbung erhalten hat, hat auch gute Chancen, tatsächlich einen Platz zu bekommen.
Charlotte (r.) hat die Arbeit und auch den Austausch mit den anderen Freiwilligen in dem Bildungszentrum sehr genossen.
International zusammengesetzte Gruppen junger Menschen aus ganz Europa kommen zu Workshops ins ASHA-Centre.
Der besondere Reiz eines entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes besteht darin, dass dieser für einen selbst mit keinerlei direkten Kosten verbunden ist, wenn man etwa über das staatliche Förderprogramm „Weltwärts“ einen Platz ergattert. Allerdings stellen solche Programme oft die Bedingung, einen Förderkreis für die Entsendeorganisation aufzubauen. Förderer können Verwandte, Freunde oder Paten sein, genauso aber auch Unternehmen. Eine weitere Möglichkeit wäre, einen monatlichen Förderbetrag durch das Kindergeld der Eltern abzudecken.
Manchmal muss bereits in der Bewerbung dargelegt werden, wie man einen Förderkreis aufbauen möchte. Nach der Zusage werben die Teilnehmer durch eigene Infoveranstaltungen für ihre Organisation, schreiben Rundbriefe an ihren Förderkreis oder halten ihn in einen Blog auf dem Laufenden.
Ein Freiwilligendienst im Ausland ist allerdings nicht nur Zuckerschlecken. Dazu braucht man auch eine gehörige Portion Pragmatismus. Wer das in der Bewerbung wie auch im Gespräch vermitteln kann, hat gute Chancen, einen ganz besonderen Lebensabschnitt anzutreten.