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Patrouille gegen Hitzekollaps: DRK-Helfer haben ein wachsames Auge auf Marktbesucher

Dirk Osbahr und Karl Sieben

Die DRK-Helfer passen sich dem Schritt der Marktbesucher an, dabei gilt der Blick von Dirk Osbahr und Karl Sieben (v. l.) weniger der Auslage der Händler als den Gesichtern der Passanten.

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Oliver Tripp

Brühl -

39 Grad signalisieren die roten Leuchtdioden der Anzeige über der Kurfürsten-Apotheke den aufmerksamen Blicken von Karl Sieben und Dirk Osbahr um 15 Uhr. Für die zwei DRK-Helfer im Sanitätsdienst ist es der Start zur Patrouille zwischen den Buden des Döppe- un Buuremaats, der sich an diesem Wochenende vom Ende der Uhlstraße mit einem Abstecher über den Steinweg bis zum Beginn der Kölnstraße erstreckt.

Die Auslagen der Händler, die von vielen Besuchern an diesem Samstag unter die Lupe genommen werden, erregen bei Sieben und Osbahr nur wenig Aufmerksamkeit. Dennoch ist Siebens Kopf ständig in Bewegung, wenn er seine unmittelbare Umgebung mustert, selbst dann, wenn der mittlerweile 81 Jahre alte DRK-Stadtverbandsvorsitzende seine Scherze mit Bekannten und Händlern macht.

Achten auf Warnsignale einer Kreislaufschwäche

Auch Osbahr entgehen beim Blick in die Gesichter der Passanten nicht die sicheren Warnsignale einer drohenden Kreislaufschwäche. Die Folgen von zu viel Sonne und der großen Hitze bahnten sich bei den Betroffenen zunächst ganz unbemerkt an, dann folgten oft Unwohlsein, Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zur Ohnmacht, weiß Dirk Osbahr.

Rettungsrucksack

Im Rucksack transportiert Dirk Osbahr die Minimalausrüstung für den Sanitätsdienst, neben Material für die Wundversorgung sind es Kunststoffschienen für Brüche oder das Stethoskop und ein Blutdruckmessgerät.

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Tripp

Einen Hitzschlag bemerke man erst, wenn es schon zu spät sei, die Betroffenen zeigten „plötzliche Wesensänderungen“. Als Folge von Bewusstseinsstörungen reagierten sie unvermittelt aggressiv bis hin zu Tritten und Schlägen, auch wenn sie im Alltag als völlig friedfertige Menschen bekannt seien, schildert der Rettungsassistent. Das habe er zum Glück erst einmal in seiner langen Praxis auf dem Rettungswagen und im ehrenamtlichen medizinischen Dienst für das DRK erlebt. Immer gelte es, Hitze-Patienten so schnell wie möglich in den Schatten zu bringen, sie in die stabile Seitenlage zu legen, kühle Getränke zu geben und den Rettungswagen zu alarmieren.

Helfer sind gut bekannt

Bei ihrer Patrouille über den Markt passen sich die zwei DRK-Helfer dem gemäßigten Bummelschritt der Marktbesucher an und bewegen sich bevorzugt im Schatten. Bei den Händlern und vielen Besuchern sind die zwei gut bekannt, so manchem gibt Sieben einen guten Rat mit auf den Weg: „Pass auf die Sonne auf.“ Beim „Holländer“ suchen die zwei genau das, was sie anderen als vorbeugende Maßnahmen empfehlen, Schatten und ein kühles Getränk. Verkäufer Mike begrüßt sie mit Handschlag. Mangels eines eigenen Rettungswagens als Behandlungsstation, wo sie auch ihre eigenen Getränke aufbewahren könnten, machen sie immer beim „Pommstopp“ Pause.

Minimalausrüstung

Im Rucksack transportiert Dirk Osbahr die Minimalausrüstung für den Sanitätsdienst, neben Material für die Wundversorgung sind es Kunststoffschienen für Brüche oder das Stethoskop und ein Blutdruckmessgerät.

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Tripp

Mike will es diesmal von Osbahr genau wissen: „Kann man eigentlich auch einen Magen intubieren?“ Osbahr schildert ihm ganz sachlich die schwallartigen Mengen Blutes, die infolge eines Leberschadens aus den geschwächten Adern der Speiseröhre fließen können. Ja, da setze man einen Tubus, um mit Hilfe eines Ballons die lebensgefährliche Blutung zu stoppen. Bei der Schilderung des blutverschmierten Rettungswagens nach so einem Einsatz bittet Mike dann doch um etwas „weniger Details“.

Mit 13 dem DRK-Stadtverband beigetreten

Seit vielen Jahrzehnten schon ist Sieben im Sanitätsdienst auf Brühler Märkten unterwegs. Mit 13 Jahren ist der heutige Vorsitzende dem Brühler DRK-Stadtverband beigetreten, für seinen Einsatz ist der Ehrenamtler mittlerweile mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden, das DRK ehrte ihn mit der höchsten Auszeichnung, dem DRK-Ehrenzeichen. „Ich lebe und sterbe für das DRK“, sagt der Sanitäter Sieben ganz unsentimental.

Auch der 46-jährige Osbahr blickt auf lange Erfahrung im Rettungsdienst zurück, zunächst trat er 1984 als Feuerwehrmann den Freiwilligen der Hürther Wehr bei, wurde dann Berufsfeuerwehrmann und fuhr 15 Jahre als Rettungsassistent im Rettungswagen mit.

Besucher auf Markt

Einen Hitzekollaps erleidet an diesem Samstag niemand, aber ein durstiges Korianderpflänzchen fällt Dirk Osbahr auf, das die Marktfrau in den Schatten holt.

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Tripp

„Ganz ohne Ehrenamt ist es aber doof“, habe er schnell gemerkt und sei 1998 dem Hürther DRK beigetreten, schildert Osbahr. Dann habe er einen Herzinfarkt im Dienst erlitten, „zu viele Zigaretten, zu wenig Bewegung“, erzählt Osbahr. Heute sei er Frühpensionär, geblieben sei die ehrenamtliche Tätigkeit. Er beabsichtige, bald als Vorsitzender des Brühler Stadtverbandes in Siebens Fußstapfen zu treten.

„Marscherleichterung“ beim Schützenfest empfohlen

Zum Glück bleibt es am Samstag ruhig. Nein, „Kreislauf“ hätten sie noch keinen „gehabt“, beantworten sie neugierige Fragen. Anders als noch bei der Kirmes vor kurzem, als es gleich mehrfach „Kreislauf“ und sogar einen Herzinfarkt gegeben habe, oder bei einem Schützenfest vor einer Woche, wo beim Exerzieren in praller Sonne und dicker Jacke die Herren reihenweise weiche Knie bekommen hätten, schildert Sieben. Man habe dem Kommandanten dringend „Marscherleichterung“ empfohlen.

DRK-Ausweis

Der abgelaufene DRK-Ausweis an der Brust von Karl Sieben zeigt ihn als Mann in den besten Jahren.

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Tripp

In der Regel verlaufe der Dienst auf dem Markt unspektakulär, so wie heute, sagt Osbahr. Auch wenn bei der Menge der Besucher – der Veranstalter im Auftrag der Wepag, Rolf Kaus, sprach von 10 000 – jederzeit alles Mögliche passieren könne. Den Nachwuchs für solche Einsätze zu motivieren sei schwierig, dennoch gehörten sie zum finanziellen Rückgrat des DRK-Stadtverbands, Verbrauchsmaterialien und die Fahrzeuge würden aus dem Rechnungsbetrag des Auftraggebers für den Einsatz finanziert, ihre Dienstzeit stellten sie dem DRK kostenfrei zur Verfügung, sagt Osbahr.



Kurz vor Marktschluss muss er doch noch den Rucksack mit der Minimalausrüstung für mobile Einsätze öffnen. An der Getränketheke hat sich eine Frau beim Spülen an einer Scherbe geschnitten, sie bekommt ein Pflaster. Ansonsten fällt Osbahr vor allem ein durstiges Korianderpflänzchen auf, das alle Stängel hängen lässt. Mit einem Dankeschön nimmt die Marktfrau den Topf aus der Hand des Rettungsassistenten vom sonnigen Auslagentisch in Empfang und stellt das Kraut in den Schatten.