Welche Website-Variante möchten Sie nutzen?

Mobile Ansicht Vollansicht
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Tag des offenen Denkmals: St. Johann Enthauptung als ein Highlight

Der Chor der Kirche St. Johann Enthauptung ist im 16. Jahrhundert ausgemalt worden.

Der Chor der Kirche St. Johann Enthauptung ist im 16. Jahrhundert ausgemalt worden.

Foto:

Jürgensonn

Erftstadt-Niederberg -

Das Kleinod versteckt sich hinter Bäumen. Wer sich nicht auskennt im kleinen Erftstädter Stadtteil Niederberg, hat kaum eine Chance, die Kirche St. Johann Enthauptung zu finden. Ob es hilfreich ist, einen Einheimischen zu fragen?

Historisch sind nicht nur die Figuren, sondern auch das Gitter.

Historisch sind nicht nur die Figuren, sondern auch das Gitter.

Foto:

Jürgensonn

„Sogar manche Niederberger wissen nichts von der alten Kirche“, sagt Eduard Kohlgraf. Er kennt sich aus in der Geschichte des Gotteshauses, und deshalb wird er am Sonntag, 9. September, beim Tag des offenen Denkmals Besucher durch die Kirche führen – und auch durch die neue Kirche, gleich auf der anderen Straßenseite.

Wechselhafte Geschichte

Im Jahr 1090 ist St. Johann Enthauptung gebaut worden, als Saalkirche mit damals rechteckigem Chor. Über die Jahrhunderte ist angebaut und wieder abgerissen worden, der Dachreiter wurde verkauft, das Dach stürzte zum größten Teil ein. Spuren der wechselhaften Geschichte kann man an den Wänden entdecken: Über den Arkaden waren mal Fenster, weil dort einst die Außenmauer verlief. Auch im Chorraum sieht man eine zugemauerte Fensteröffnung.

Übermalte Fresken

Der Chor hat diverse Umbauten hinter sich, den ersten vermutlich schon im zwölften Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert wurde dann ein gotischer Chor daraus, der noch einmal knapp 100 Jahre später mit einem Rippengewölbe versehen wurde. In den Jahren von 1530 bis 1540 wurde das Gewölbe ausgemalt.

Die Fresken sind behutsam restauriert worden.

Die Fresken sind behutsam restauriert worden.

Foto:

Jürgensonn

Vor diesen Bildern steht der heutige Besucher staunend. Sie sind weitgehend erhalten. Lange Zeit waren sie übermalt. Erst in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden sie wieder entdeckt, freigelegt und in den Jahren 1989 bis 1991, fachmännisch ausgedrückt, „substanzerhaltend“ restauriert.

An der Decke entfaltet sich das Weltgericht, an der Wand erkennt man die Heiligen Drei Könige, rechts und links des zugemauerten Fensters Szenen der Enthauptung von Johannes Baptist.

Grabstätte der Gönnerin

Maria von Üxheim, deren Vater 1450 die Burg Niederberg gekauft hatte und die 1497 Otto von Metternich geheiratet hat, galt als Gönnerin der Niederberger Kirche. Deshalb wurde sie dort begraben, die Platte der Gruft sieht man bis heute. Unbekannte hätten allerdings 1923 die Grabstätte aufgebrochen. „Was sie dort gefunden haben, haben sie nicht verraten“, bedauert Kohlgraf. Der Leichnam sei jedenfalls nicht mehr in der Gruft.

Moderne Fenster harmonieren mit dem alten Gemäuer.

Moderne Fenster harmonieren mit dem alten Gemäuer.

Foto:

Jürgensonn

Von 1910 bis 1913 ist die neue Niederberger Kirche gebaut worden. Die alte stand da schon unter Denkmalschutz. „Deshalb hat Niederberg als einziger Erftstädter Ortsteil zwei katholische Kirchen“, erzählt der Heimatkundler. Ansonsten sei es üblich gewesen, die alte abzureißen und die neue an gleicher Stelle zu bauen.

Harmonie von Alt und Neu

Leergeräumt wurde St. Johann Enthauptung trotzdem. Die Seitenaltäre, die Kreuzwegstationen, die Glocken – all das wanderte in den Neubau. Heute beeindruckt das alte Gemäuer mit schlichter Würde. Moderne Fenster – einige vom Leverkusener Glasmaler Paul Weigmann geschaffen, harmonieren perfekt mit der strengen Linienführung.

Vor dem Chorraum ist ein Tisch mit Stühlen aufgebaut, dort tagt der Kirchenvorstand, dem Eduard Kohlgraf seit 1978 angehört. Und dort trifft sich auch die „Junge Kirche“, eine Gruppe von Müttern, deren Kinder vor kurzem zur Erstkommunion gegangen sind. Es ist noch Leben in der alten Kirche.

Weitere Termine zum Tag des offenen Denkmals im Rhein-Erft-Kreis finden Sie auf der nächsten Seite.

Tag des offenen Denkmals

Aktionen zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, gibt es in vielen Städten im Rhein-Erft-Kreis. Einige Gebäude, die sonst nicht geöffnet sind, können besichtigt werden. Veranstalter ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Bergheim

St.-Georg-Kapelle, Klosterstraße 2, von 14 bis 17 Uhr, Führungen mit Mitgliedern des Arbeitskreises Kulturkapelle.

Römerturm, Thorr, Zum Römerturm/Ecke Römerstraße, von 9 bis 18 Uhr, Führungen von 14 bis 16 Uhr mit Hubert Rosellen, Treffpunkt Feuerwehrhaus Thorr, Sonderausstellung im Römerturm „Von der Steinzeit bis heute“.

Museum Bergheimat, Hauptstraße 57-59, geöffnet von 14 bis 16 Uhr. Um 14 Uhr Führung durch die Ausstellung „Sport in Bergheim“, um 18 Uhr kölsche Lesung mit Renate Schönhofen, Anmeldung bei Astrid Machuj, 02271/973 80.

Brühl

Schloss Falkenlust, Sonderstempel zum Tag des offenen Denkmals, von 10 bis 17 Uhr.

Erftstadt

Kirche St. Alban, von 11.30 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, Führungen, Bildergalerie der Sanierung.

Kirche St. Johann Baptist, Niederberg, Bleistraße 29, 14 bis 17 Uhr, Führungen mit Eduard Kohlgraf.

St. Johann Enthauptung, Niederberg, Bleistraße 36, 14 bis 17 Uhr, Führungen mit Eduard Kohlgraf.

Frechen

Busrundfahrt mit dem Denkmalbeauftragten Egon Heeg am Samstag, 8. September, 14 Uhr, Treffpunkt Matthiasstraße.

Führung in und um Burg Bachem, Thema „Aktueller Umbau unter Denkmalgesichtspunkten – langfristige Nutzbarkeit eines Denkmals“, Schlossstraße 8, um 11 und um 12 Uhr. Anmeldung für Rundfahrt und Führung bei Anna Götte, 02234/501 14 11, anna.goette@stadt-frechen.de.

Hürth

Rundgang zu Grabsteinen, Wegekreuzen und Ehrenmalen in Gleuel, 12.30 Uhr, mit Dr. Imogen Dittmann-Schöne, Treffpunkt Bachemer Straße 11.

Friedhof Kendenich, Am Steinacker, ganztags, um 15 Uhr Führung mit Stefanie Bankert, Treffpunkt: Obelisk auf dem Friedhof.

Alter Friedhof Knapsack, Friedhofstraße, ganztags, Führungen 11 und 14 Uhr mit Karin Johnson.

Kerpen

Schloss Türnich, von 11 bis 18 Uhr, unter anderem Führungen mit Mitgliedern der Schlossbesitzer-Familie von Hoensbroech.

Pulheim

Abtei Brauweiler, Ehrenfriedstraße 19, von 11 bis 17 Uhr, um 11 und 14 Uhr Führungen durch die Restaurierungswerkstätten, um 12 Uhr durch das Amt für Denkmalpflege, um 13 und 15 Uhr durch Abtei und Kirche und durch die Gedenkstätte, um 15.30 Uhr durch barocke Klosterbauten. Um 16 Uhr Konzert der Pollogne Singers im Kaisersaal.

Rittergut Orr, Orrer Straße, von 12 bis 18 Uhr, Führungen um 14 und 16 Uhr mit Wolf-Rüdiger Schmidt-Holzmann; von 12 bis 13 Uhr, Matinee im Herrenhaus: Der Geigenbauer von Cremona.

Wesseling

Rathausfoyer, Vortrag von Wolfgang Drösser, Historiker und Vorstandsmitglied des Vereins für Ort- und Heimatkunde, über europäische Einflüsse in archäologischen Funden und der Wesselinger Denkmallandschaft, 11 Uhr.

  1. St. Johann Enthauptung als ein Highlight
  2. Tag des offenen Denkmals
nächste Seite Seite 1 von 2