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Verein aus Much: Warten auf den ersten Wolf

Foto:

Uwe Tichelmann

Much -

„Wölfe ziehen gerne nordwärts“, erklärt Uwe Tichelmann und zeigt auf eine aktuelle Karte mit Wanderbewegungen aus der Lausitz. „Deshalb werden eher Tiere aus Norditalien nach Nordrhein-Westfalen kommen als aus Osteuropa“. Der 59-Jährige ist Vorsitzender des Vereins „Freundeskreis freilebender Wölfe“. Seit rund zehn Jahren beschäftigt er sich aktiv mit diesen Tieren. Allerdings nicht als Fachmann, wie er ausdrücklich betont. „Je mehr Wölfe es in Deutschland gibt, desto mehr Experten melden sich.“

Der Mucher sieht seine Aufgabe und die des Vereins in der Unterstützung der Wissenschaftler, die das Leben des Isegrim untersuchen, mit technischen Equipment. Rund 300 Mitglieder hat der Verein heute in ganz Deutschland – im Jahr 2010 waren es an die 180. Der Zuwachs beweist, dass die Idee der Förderung der Wolfsansiedlung bei uns durchaus Zuspruch findet. „Deutschland ist Wolfserwartungsland, deshalb sollten die Behörden schon jetzt Pläne in den Schubladen haben“, sagt Uwe Tichelmann, „dann sind sie auf die Tiere vorbereitet.“

Trifft das auch für den Rhein-Sieg-Kreis zu? „Unsere Region ist sehr eng besiedelt, da hat es auch ein kleines Wolfsrudel schwer“, so Tichelmann. Ein Revier müsste an die 320 Quadratkilometer umfassen. Das Rudel bräuchte ein Rückzugsgebiet, in dem sich die Tiere tagsüber aufhalten und ihre Jungen großziehen können. „Am ehesten trifft dies auf die Nutscheid und das Siebengebirge zu. Zurzeit können dort keine Wölfe heimisch werden. Zu viel Unruhe herrscht selbst in diesen Gebieten, zudem fehlen die Rückzugsgebiete. Aber vielleicht siedeln sich in Zukunft dort einmal Wölfe an“, so der Vereinsvorsitzende. „Das heißt nicht, dass Wölfe nur in der völligen Abgeschiedenheit überleben können. Sie ziehen durch dicht besiedelte Gebiete, überqueren dabei sogar Autobahnen.“ Bis zu 70 Kilometer können sie an einem Tag unterwegs sein. Diese aktuellen Daten haben GPS-Empfänger des Vereins an ausgewählten Wölfen geliefert.

„Viele denken, dass es nur große Rudel um die 20 Tiere gibt. Aber das ist nicht korrekt. Die Wölfe richten sich nach dem Nahrungsangebot“, so Uwe Tichelmann. In Amerika gebe es solche Gruppen. Bei uns wäre dies jedoch unwahrscheinlich. Die Reviere würden solche Massen nicht ernähren können. In Deutschland umfassen die Rudel zurzeit fünf bis neun Tiere.

Das Thema Beute wird sehr kontrovers diskutiert. „Ein Wolf kann nicht zwischen Nutz- und Wildtieren unterscheiden“, erklärt Uwe Tichelmann. Er sucht Nahrung, und wenn er Beute findet, dann jagt er die. Herdentiere wie Schafe seien da natürlich gefährdet.

Der Verein setzt da auf Aufklärung. In Sachsen leben zurzeit neun Wolfsrudel, sie seien integriert. Anfängliche Probleme gebe es nicht mehr. Uwe Tichelmann berichtet von Schäfer Frank Neumann, aus dessen Herde 23 Schafe von Wölfen gerissen wurden. „Der war darüber nicht erfreut“, so der Vereinsvorsitzende. „Aber er hat nach Lösungen gesucht.“ Dazu gehört, dass er jetzt Herdenschutzhunde hat, die hungrige Wölfe in der Nacht fernhalten. Zudem seien die Herden mit Schutzzäunen umgeben. Seitdem gebe es keine Probleme mehr mit Wölfen.

Wer sich für die Arbeit des Vereins interessiert oder auch Mitglied werden möchte (Jahresbeitrag 35 Euro) kann sich an Uwe Tichelmann wenden: 0177/57 66 860.