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Naturschutzprojekt Chance 7: Sonnentau macht Hoffnung für Komper Heide

Landrat Sebastian Schuster, Bundesumweltamtspräsidentin Beate Jessel, Landwirt Bernd Schmitz, Hubert Kaiser vom NRW-Umweltministerium, Projektleiter Georg Persch und Schafzüchter Theo Burbach gehörten zur Gruppe, die sich über das Projekt in der Komper Heide informierten.

Landrat Sebastian Schuster, Bundesumweltamtspräsidentin Beate Jessel, Landwirt Bernd Schmitz, Hubert Kaiser vom NRW-Umweltministerium, Projektleiter Georg Persch und Schafzüchter Theo Burbach gehörten zur Gruppe, die sich über das Projekt in der Komper Heide informierten.

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Klodt

Rhein-Sieg-Kreis -

Georg Persch und sein Team mussten schon ziemlich genau hinsehen, als sie über den leicht abfallenden Hang zwischen Eudenbach und Buchholz stapften. An einer Stelle fand Persch eine nur wenig Zentimeter große Kiefer, die aber aus Sicht von Naturschützern gerade hier nun wirklich nicht willkommen ist. Im Gegenteil. Doch ein paar Meter weiter tauchte – nur für den Fachmann erkennbar – ein kleiner Sprössling des Sonnentaus auf, eine an nährstoffarmen Standorten und auf offenen Böden wachsende fleischfressende Pflanze.

Der Sonnentau gilt Naturschützern als Indiz für den Erfolg von Chance 7.

Der Sonnentau gilt Naturschützern als Indiz für den Erfolg von Chance 7.

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So klein sie war, so sehr ist sie aus Sicht von Umweltschützern ein wichtiges Indiz dafür, dass das Naturschutzgroßprojekt Chance 7 an der Komper Heide in der Nähe von Hennef-Hanf und Königswinter-Eudenbach auf dem richtigen Weg ist. Denn auf der Fläche, auf der Persch und sein Team den Sonnentau suchten und fanden, standen vor drei Jahren noch Fichten. 2015 war deren Abholzung einer der ersten konkreten Schritte zur Umsetzung des Umweltprojekts Chance 7, das über zehn Jahre mit 14,3 Millionen Euro ausgestattet ist und im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis einen Biotopverbund für seltene Pflanzen und Tiere schaffen soll.

„Chance für viele bedrohte Arten“

Die Nadelbäume mussten vor drei Jahren weichen, um neben dem Naturschutzgebiet Komper Heide weitere Heideflächen entstehen zu lassen und sie später sogar mit dem Buchholzer Moor im benachbarten Rheinland-Pfalz zu verbinden. In maximal fünf Jahren, schätzte Persch, werde der heute teils begrünte, teils noch kahle und zurzeit von der anhaltenden Trockenheit ausgedörrte Hang eine Heidelandschaft vorweisen können. Dort sollen neben dem Sonnentau ebenfalls gefährdete Arten wie Lungen-Enzian oder Moorlilie eine Heimat finden.

Als „Chance für viele bedrohte Arten“ – darunter auch die Wildkatze, der Rotmilan der Steinkrebs oder der Ameisenbläuling – bezeichnete Beate Jessel das Naturschutzprojekt Chance 7, als sie zusammen mit dem NRW-Umweltministerium und dem Rhein-Sieg-Kreis eine erste Zwischenbilanz des auf zehn Jahre angelegten Vorhabens zog.

NRW-Gebiet ist nur noch drei bis vier Hektar groß

„Der Anfang war mühsam“ sagte Projektleiter Georg Persch an dem einst von Fichten bewachsenen Hang bei Eudenbach. Anhand einer historischen Karte zeigte er, dass hier grenzüberschreitend einmal rund 600 Hektar Heidelandschaft zu finden waren.

Auf NRW-Gebiet ist die Komper Heide nur noch drei bis vier Hektar groß, soll aber durch die einstige Fichtenfläche wachsen. 2015 wurden die Bäume gefällt, später das Nadelstreu vorsichtig von der unebenen Fläche abgezogen, weil es die Keimung verhinderte. Im Herbst 2017, so Persch, zeigten sich die ersten Erfolge.

Hochwertige Landschaft wird gesichert

Den Sonnentau, der bei der Begehung erst gesucht werden musste, führte er als ein Hinweis dafür an, dass sich hier Heide ausbreiten wird – eine regelmäßige Pflege und vor allem eine Beweidung durch Schafe vorausgesetzt. Persch zeigte auf einen schon erkennbaren natürlichen Durchlass in einem etwa 200 Meter breiten Waldstreifen, durch den Schäfer Theo Burbach seine Tiere vom Buchholzer Moor zur Komper Heide führen kann.

Beweidet wird die künftige Heidelandschaft durch Burbachs Schafe und Ziegen.

Beweidet wird die künftige Heidelandschaft durch Burbachs Schafe und Ziegen.

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Einige Tiere hatte er zu dem offiziellen Zwischenbilanz-Termin schon mal mitgebracht. BfN-Präsidentin Beate Jessel betonte die Bedeutung von traditionellen Kulturlandschaften wie Weinbergsbrachen oder Streuobstwiesen, die es in der Region noch gebe. Durch Chance 7 werde eine qualitativ hochwertige Landschaft gesichert und zum Teil wieder hergestellt.

Chance 7 sei ein Beitrag, um die „Biodiversität auf Dauer zu sichern“, sagte Hubert Kaiser, Abteilungsleiter Forsten und Naturschutz im NRW-Umweltministerium: „Jeder Euro ist hier gut angelegt.“ Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster sprach mit Bezug auf das Projekt Chance 7 von einem „absoluten Glücksfall“ und einer „Chance für die Natur und die Region“. Natur- und Landschaftsschutz seien für den Rhein-Sieg-Kreis auch durch seine Nähe zu den Ballungsräumen Bonn, Köln und Düsseldorf eine Herausforderung, genössen im Kreis aber einen „hohen Stellenwert“.

Zwei weitere Projekte

Neben der Komper Heide wurden zwei weitere Projektein Augenschein genommen: Am artenreichen Eudenberg (ein ehemaliger Basaltsteinbruch) wurden Kleingewässer angelegt, um Lebensraum für die seltene Gelbbauchunke zu schaffen, wie Klaus Weddeling von der Biologischen Station des Kreises mit Sitz in Eitorf erläuterte.

Am Kellerberg in Oberdollendorf sollen an den Hängen des einstigen Weingutes Heisterberg zwischen den zwar artenreichen, aber isoliert liegenden Magerweiden „Wanderkorridore“ geschaffen werden, so Dieter Steinwartz, Leiter der Biologischen Station.

Das Projekt wird vom Bund gefördert

„chance.natur“ ist ein 1979 geschaffenes Förderprogramm des Bundes. Dessen Ziele sind der Schutz und die langfristige Sicherung national bedeutsamer und repräsentativer Naturräume. Über „chance.natur“ können nur Gebiete gefördert werden, die im nationalen und internationalen Interesse für den Naturschutz überaus wertvoll sind. Insgesamt wurden laut Bundesamt für Naturschutz seit 1979 mehr als 470 Millionen Euro Bundesmittel für mehr als 80 Projekte bereitgestellt.

„Chance 7“ heißt das entsprechende durch „chance.natur“ geförderte Naturschutzgroßprojekt im Rhein-Sieg-Kreis. Es umfasst im Rechtsrheinischen eine Fläche von rund 11300 Hektar und erstreckt sich vom Siebengebirge über das Pleiser Hügelland und das Krabachtal bis Leuscheid und zu den Bläulingswiesen an der Sieg.

Mehr als 14 Millionen Euro fließen in die Region

Bis 2025 fließen insgesamt 14,3 Millionen Euro (75 Prozent Bundesmittel, 15 Prozent Landesgelder, zehn Prozent vom Rhein-Sieg-Kreis und den beteiligten Kommunen) in die Region. Damit sollen für bedeutsame Arten – von der Wildkatze über den Steinkrebs bis zur Mauereidechse – die Lebensbedingungen verbessert, die ökologische Situation in den Wäldern optimiert, der Anteil der artenreichen Wiesen und Weiden erhöht und zahlreiche Gewässer und Auenbereiche verbessert werden. Zwischen dem Siebengebirge und der mittleren Sieg in der Gemeinde Windeck sollen Biotopverbundsysteme geschaffen werden.

2010 begannen erste Überlegungen für das Projekt, nach einer dreijährigen Planungs- ging es 2015 in die Umsetzungsphase. Von den 14,3 Millionen Euro sind bislang rund vier Millionen Euro investiert worden. Davon rund 2,1 Millionen Euro für Grunderwerb und Ausgleichszahlungen. Die Teilnahme von Grundbesitzern ist freiwillig.

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