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Kitesurfer Marius Hoppe: Der Traum von der Big-Air-Session mit dem Kölner Dom im Hintergrund

Teneriffa und der Strand sind inzwischen zur Heimat des früheren Lohmarers geworden.

Teneriffa und der Strand sind inzwischen zur Heimat des früheren Lohmarers geworden.

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privat

Marius Hoppe hat das zum Beruf gemacht, was für andere höchstens einmal im Urlaub eine Herausforderung ist: das Kitesurfen. Tim Miebach sprach mit ihm über den Sport und sein Leben auf Teneriffa.

Herr Hoppe, 2008 flogen Sie mit Ihrem Vater nach Teneriffa und machten dort erste Versuche auf dem Kiteboard. Haben Sie damals geahnt, dass die Insel schon bald darauf Ihr neues Zuhause sein würde?

Nein, schließlich war ich damals gerade mal 16. Erst als ich zwei Jahre später drei Monate dort verbrachte, wusste ich: Hier willst du nicht mehr weg! Das Wetter, das Meer, das Kitesurfen – all das wollte ich einfach jeden Tag erleben.

So kam es dann auch: Sie nahmen ein Jobangebot einer Kiteschule an und zogen in das Ferienhaus Ihres Vaters. Mittlerweile wohnen Sie in einer Wohngemeinschaft in El Médano. War es für Sie als Teenager nicht schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?

Ich hatte als 16-Jähriger schon einmal Abschied nehmen müssen, als ich von Krefeld zu meinem Vater nach Lohmar zog, um dort auf dessen Golfplatz eine Greenkeeper-Ausbildung zu machen. Das Heimweh ging aber auch diesmal schnell vorüber. Heute ist Teneriffa meine Heimat – auch wenn ich immer wieder gerne mal ein Wochenende in Lohmar verbringe.

Nach dem Tour-Stopp in Kapstadt auf dem Treppchen stehen

Dazu bleibt derzeit wenig Zeit. Schließlich nehmen Sie in diesem Jahr erstmals an der Virgin-Kitesurfing-World-Championship-Tour teil, an dessen Ende der Weltmeister gekürt wird. Sie treten in der Disziplin „Big Air“ an, in der Manöver in maximaler Höhe ausgeführt werden. Kosten diese Sprünge nicht jedes Mal Überwindung?

Nein, ich genieße es einfach, mit dem Board abzuheben und mit dem Kite (Lenkdrachen, Anm. d. Red.) sekundenlang über dem Wasser zu schweben. Dieses Gefühl der Schwerelosigkeit ist einfach magisch – und macht süchtig.

Sie mischen als Tour-Debütant und einziger Deutscher gleich vorne mit. Derzeit sind Sie Fünfter der Weltrangliste – schaffen Sie es denn noch unter die Top drei?

Es ist mein Ziel, nach dem letzten Tour-Stopp in Kapstadt auf dem Treppchen zu stehen. Im nächsten Jahr will ich dann nach dem Titel greifen. Die anderen Jungs sind zwar erfahrener als ich, aber ich lerne von Wettkampf zu Wettkampf dazu.

Viele Experten sind erstaunt, wie schnell Sie zur Weltspitze aufgestiegen sind. Überrascht Sie das manchmal auch?

Ja. Als ich mich entschied, nach Teneriffa zu ziehen, war gar nicht abzusehen, dass ich es irgendwann mal so weit bringen würde. Früher habe ich mir Magazine gekauft und Bilder von meinem Idol Ruben Lenten angeschaut. Vor ein paar Wochen habe ich mich selbst beim Durchblättern entdeckt – das ist schon verrückt.

„Jeden Jump perfekt landen“

Bereits nach drei Stunden Unterricht sollen Sie das Kitesurfen beherrscht haben. Eine Frage des Talents, oder hatten Sie in Ihrem Vater Robert, selbst begeisterter Surfer, einfach nur einen guten Lehrer?

Beides stimmt sicherlich. Aber ich hatte auch großen Ehrgeiz. Ich wollte schon immer so hoch wie möglich springen und jeden Jump perfekt landen.

Apropos Ehrgeiz: Kann man vom Kitesurfen leben?

Vom Preisgeld allein nicht. Die Prämien decken bestenfalls die Kosten. Aber mittlerweile werden natürlich immer mehr Sponsoren auf mich aufmerksam. Zudem habe ich einen kleinen Kitestore eröffnet. Ich bin ohnehin mit wenig zufrieden.

Wie lange können Sie den Sport noch ausüben?

Etwa bis 30 – zumindest wenn ich weiterhin von Verletzungen verschont bleibe. Nach meiner aktiven Laufbahn gibt es viele Optionen, mit dem Kitesurfen Geld zu verdienen – als Trainer, Hersteller oder im Vertrieb.

„Das ist mit Geld nicht aufzuwiegen.“

Werden Sie irgendwann nach Deutschland zurückkehren?

Vorerst nicht. Dort müsste ich schließlich vier Stunden lang mit dem Auto fahren, um den nächsten Strand zu erreichen. Hier in Teneriffa wache ich jeden Morgen mit einem Lächeln auf und blicke direkt aufs Meer. Das ist mit Geld nicht aufzuwiegen.

Ein großes Projekt planen Sie jedoch in Deutschland, nämlich eine Big-Air-Session auf dem Rhein mit dem Kölner Dom als Hintergrundkulisse.

Das ist in der Tat ein Traum von mir. Wenn die Wasserschutzpolizei und die Feuerwehr mitspielen, wäre das sicherlich umsetzbar.

2013 kam ein Kitesurfer am Rheinufer ums Leben. Ist das Kitesurfen ein gefährlicher Sport?

Tödliche Unfälle gibt es leider fast in jedem Sport. Grundsätzlich ist Kitesurfen nicht gefährlicher als andere Sportarten. Mittlerweile gibt es ein sehr gut funktionierendes Sicherheitssystem. Bei aller Risikolust sollte man trotzdem nie die Vernunft verlieren.