Welche Website-Variante möchten Sie nutzen?

Mobile Ansicht Vollansicht
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Alle Hintergründe: Bis Freitag soll der Fall Modeste geklärt sein

Modeste_FC

FC-Stürmer Anthony Modeste

Foto:

Eduard Bopp

Köln -

Am Dienstag vor zwei Wochen hat der 1. FC Köln die Spielgenehmigung für Anthony Modeste beantragt. Was muss nun noch geschehen, damit der Stürmer für den FC spielen kann?

Im Fall eines internationalen Wechsels muss der abgebende Verband seine Zustimmung erteilen, bevor der Spieler beim neuen Verein eingesetzt werden darf. Diese Zustimmung hat der chinesische Verband jedoch verweigert – offenbar aus Solidarität gegenüber dem chinesischen Verein Tianjin, den Anthony Modeste im vergangenen Sommer verließ, nachdem er wegen ausstehender Prämienzahlungen einseitig gekündigt hatte.

Gibt es eine Argumentation in der Sache aus China?

Jedenfalls keine, die den Kölnern bekannt ist. Der FC glaubt, nach intensiver Recherche alle Verträge zu kennen, die Modeste in China geschlossen hat. Neben dem Anstellungsvertrag des Franzosen, den Tianjin soweit erfüllte, gibt es eine weitere Vereinbarung, mit der Modeste persönliche Rechte an den Verein abtrat, sogenannte „Image Rights“. 15 Millionen Euro sollen Modeste aus diesem Papier zustehen, allerdings stellt die chinesische Seite die Rechtmäßigkeit des Vertrags in Frage. Offenbar sogar zu Recht. Allerdings glaubt Modestes Seite, Beweise dafür zu haben, dass die Chinesen den Vertrag absichtlich auf eine formal unrechtmäßige Weise abschlossen,  um ihn nicht erfüllen zu müssen. Das wiederum würde klar dafür sprechen, dass Modeste sein Arbeitsverhältnis aus einem gewichtigen Grund gekündigt hat. Das hatte die Fifa in ihrem Urteil vom 6. Dezember noch verneint. Allerdings waren die Fifa-Juristen damals davon ausgegangen, dass Tianjin dem Spieler nur 290.000 Dollar Prämien schuldig geblieben war – und nicht 15 Millionen.

Wer ist verantwortlich?

Modeste hat seine rechtliche Beratung neu aufgestellt. Christian Keidel aus der Münchner Kanzlei Martens Rechtsanwälte hat sich zuletzt mit dem Fall befasst. Der Jurist ist laut Darstellung auf der Internetpräsenz seiner Kanzlei „überwiegend in den Bereichen Streitbeilegung, Sport- und Medienrecht tätig“, was ihn zu einer guten Besetzung machen dürfte. Keidels besonderes Interesse gelte der „Streitbeilegung im Sport“. Offenbar wurde der Anwalt bereits mit Blick auf Modestes mögliche Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) engagiert. Allerdings gilt er auch als Mann mit guten Verbindungen zum Fußball-Weltverband (Fifa), die bis Freitag die Spielgenehmigung erteilen soll.

Wozu neigt die Fifa?

Chinas erklärtes Staatsziel ist, mit der Nationalmannschaft bis zum Jahr 2050 in der absoluten Weltspitze angekommen zu sein. Dafür stehen gewaltige Mittel zur Verfügung, und wo Geld mobilisiert wird, hat die Fifa grundsätzlich keine großen Berührungsängste. Allerdings hat Anthony Modeste ein Recht darauf, seinen Beruf auszuüben – und in einer Branche, in der Karrieren früh enden, zählt jede Woche. Nach Monaten des Wartens ist mittlerweile ein Punkt erreicht, an dem sehr eindeutige Gründe dagegen sprechen müssen, um Modeste weiter zu stoppen. Und derzeit rechnet niemand in der Zürcher Verbandszentrale damit, dass aus China noch ein entscheidender Einwand vorgetragen wird.

Wie ist das weitere Vorgehen?

Anthony Modestes Aussicht auf einen Einsatz am Freitagabend in Paderborn (18.30 Uhr) hat sich erneut eingetrübt. Der Fußball-Weltverband (Fifa) hat dem Chinesischen Verband (CFA) eine Frist bis zum Donnerstag eingeräumt, um zu erklären, warum man Modeste bislang keine Freigabe erteilt hat. Der Anlass für die neue Frist blieb zunächst unklar. Möglicherweise gab es die Verlängerung, weil die Feiern zum chinesischen Neujahrsfest seit dem 5. Februar zuletzt das öffentliche Leben lahmlegten. Einen neuen Sachstand scheint es jedenfalls nicht zu geben.

Bis Donnerstag um 18 Uhr Ortszeit (11 Uhr MEZ) bleibt den Chinesen nun Zeit, etwaige Gründe vorzutragen, die gegen die Erteilung einer Spielberechtigung durch die Fifa sprächen. Anschließend würde die Fifa diese Gründe prüfen. Grundsätzlich scheint vorstellbar, dass dies innerhalb der folgenden 24 Stunden geschehen und die Spielgenehmigung erteilt werden könnte. Allerdings wäre die Kölner Mannschaft dann bereits in Paderborn. Dass Trainer Markus Anfang Modeste in seinen Spielkader beruft, scheint daher sehr unwahrscheinlich

Was kostet Modeste den FC bislang?

In Modestes Vertrag mit den Kölnern ist die Erteilung der Spielgenehmigung als aufschiebende Bedingung verankert. Damit schützen sich die Kölner einerseits davor, einem Spieler Gehalt zahlen zu müssen, den sie nicht einsetzen dürfen. Andererseits sind sie dadurch auch vor Klagen sicher. Denn der FC darf und will keinen Spieler beschäftigen, der bei zwei Vereinen unter Vertrag steht. Die „New Player Rule“ besagt aber, dass ein Spieler erst bei seinem neuen Verein angestellt ist, wenn eine Spielgenehmigung vorliegt.