Welche Website-Variante möchten Sie nutzen?

Mobile Ansicht Vollansicht
button-KStA-epaper
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt
fc-banner

FC-Neuzugang: Mit 23 Jahren hat Louis Schaub schon viel erlebt

Neuer Inhalt

Louis Schaub (M.) im WM-Qualifikationsspiel der Österreicher im Duell mit dem Iren Seamus Coleman, ganz links David Alaba.

Foto:

picture alliance / dpa

Köln -

Am Tag, an dem sein Wechsel zum 1. FC Köln verkündet wurde, empfing Louis Schaub im Vatikan noch den höchsten geistlichen Segen. Seine  aktuelle Mannschaft, der SK Rapid Wien, erhielt am Mittwoch eine Audienz bei Papst Franziskus. Im Anschluss durften Schaub und seine Teamkollegen den Petersdom vor dem großen Pilgeransturm besichtigen.

Das sind Eindrücke, die sicherlich bleiben werden. Danach hat Schaub der fußballerische Alltag wieder, der aber auch nicht spurlos an ihm vorbeigehen dürfte. Am Sonntag beim Heimspiel  gegen Altach  wird der Mittelfeld-Regisseur offiziell verabschiedet. Über ein Jahrzehnt war Rapid die sportliche Heimat des 23-Jährigen, der in der kommenden Saison das Trikot des 1. FC Köln tragen wird.

Schaub: „Der FC hat eine große Wucht"

Der österreichische Nationalspieler nutzte eine Ausstiegsklausel in seinem bis 2020 laufenden Vertrag  und wechselt für die Ablöse von rund 3,5 Millionen Euro zum Bundesliga-Absteiger. In Köln unterschrieb er einen Vertrag bis 2022. „Der 1. FC Köln ist ein großer Klub mit viel Wucht, großartigen Fans und einer besonderen Atmosphäre“, sagte Schaub. Die Gespräche mit den Verantwortlichen hätten ihn absolut überzeugt. Nach einer großartigen Zeit in Wien  peile er den nächsten Schritt in seiner Entwicklung an.

Für Armin Veh war der 1,77 Meter große offensive Mittelfeldspieler  seit Wochen der Wunschspieler. Jetzt konnte der Geschäftsführer Sport den Transfer verwirklichen –  zu seiner Freude.  „Louis ist ein vielseitiger, technisch starker Spieler, der auf allen Offensivpositionen im Mittelfeld eingesetzt werden kann. Er hat für sein Alter schon viel Erfahrung gesammelt und verfügt über großes Potenzial. Ich bin überzeugt, dass er uns sofort helfen kann“, befand Veh. Mehr als 200 Pflichtspiele für den Wiener Traditionsklub hat Schaub bestritten, davon vier in der Champions-League-Qualifikation und 26 in der Europa League oder deren Qualifikation. Darin erzielte er  die imposante Anzahl von 16 Toren – das brachte ihm den Spitznamen „Euro Louis“ ein.

Sein in Frankfurt unvergessener Vater Fred Schaub war 1980  mit Eintracht Uefa-Pokal-Sieger geworden. Und im Finale gegen Borussia Mönchengladbach sogar der Held: In der 77. Minute eingewechselt, traf der Angreifer, der auch für Dortmund, Hannover und Freiburg spielte, mit seinem ersten Ballkontakt   zum Europapokal-Triumph.

2003 dramatischer Auto-Unfall

Doch der Name Fred Schaub steht nicht nur für einen Glücksmoment, sondern auch für eine Tragödie: Am 22. April 2003 kam der Ex-Profi auf der A7 bei Fulda ums Leben. Sein Sohn Louis, damals acht Jahre alt, überlebte auf dem Rücksitz mit einem Schlüsselbeinbruch sowie Kopf- und Beinblessuren. „Es hat sehr lange gedauert, das zu verkraften. Es gibt Momente, in denen ich mir denke, dass mir mein Vater sicher gute Tipps geben könnte“, sagte Louis Schaub, der wie einst sein Vater einen starken linken Fuß, aber nicht dessen Statur hat. Während Fred Schaub ein bulliger Mittelstürmer war, ist sein Sohn eher schmächtig, hat aber eine große Dynamik. Sein Lieblingsspieler ist Mario Götze. Das passt, beide ähneln einander.

Vater Deutscher, Mutter Österreicherin

Da sein Vater die Karriere in Mödling ausklingen ließ, anschließend dort als Trainer arbeitete und eine Österreicherin kennen- und lieben lernte, ist der in Fulda geboren Louis Schaub  Österreicher.

Theoretisch hätte er auch für den DFB auflaufen können. „Allerdings habe ich stets für österreichische Junioren-Nationalmannschaften gespielt. Deshalb gibt es gar keine Zweifel, dass ich für Österreich spiele“, erklärte Schaub einmal. Fulda  sei aber immer noch wie ein „zweites Zuhause“. Seine Großmutter sowie zwei Halbgeschwister leben in Osthessen, Halbbruder Fabian Schaub ist seit Jahren Torjäger des Hessenligisten Buchonia Flieden. Seine Schwester Chiara spielte ebenfalls schon für Österreichs Nachwuchs.

Mit 22 Jahren bereits selbst Vater geworden

In jungen Jahren trägt Louis Schaub nicht nur viel Verantwortung auf dem Platz, sondern auch privat: Im August 2017 wurde er erstmals Vater, Freundin Verena brachte Sohn Nino auf die Welt. Ein sympathischer Typ scheint er obendrein zu sein: Denn Ende des Jahres wurde er in Österreich zum zweiten Mal in Folge von den Fans zum beliebtesten Fußballer des Jahres gewählt. Doch jetzt will er sich in Deutschland beweisen.

Am Dienstag hatte der FC die ablösefreie Verpflichtung von Lasse Sobiech vom FC St. Pauli bekanntgegeben. Im Gegenzug haben Leonardo Bittencourt (1899 Hoffenheim) und Yuya Osako (Werder Bremen) den Klub verlassen. (ksta)