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FC-Stürmer Pizarro: „Es gibt kein böses Blut mit Werder Bremen“

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Ziemlich beste Freunde: Claudio Pizarro und Hennes. 

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Rainer Dahmen

Herr Pizarro, Ihre Mannschaft ist Donnerstag in Borissow auch in der Europa League unter Druck. Sie können nicht dabei sein, weil Sie erst nach dem Meldeschluss für den Wettbewerb vom 1. FC Köln verpflichtet worden sind.

Claudio Pizarro: Das ist sehr bitter. Ich habe unseren Teambetreuer Max Vollmar noch gefragt, ob er mich noch nachmelden könne – leider geht das nicht (lacht). Ich bleibe jetzt in Köln, verfolge das Spiel am Fernseher und trainiere hier weiter.

Am Sonntag im Keller-Duell gegen Ihren langjährigen Klub Werder Bremen stehen Sie dann unter großer Beobachtung. Sind Sie schon angespannt?

Claudio Pizarro: Das ist ein spezielles Spiel für mich, und es ist etwas Besonderes, auf die Ex-Kollegen zu treffen. Beide Mannschaften sind in einer ganz schwierigen Situation. Aber ich denke jetzt nur an den FC und nicht an Werder. Wir brauchen unbedingt diesen Sieg.

Warum ging es für Sie im Sommer in Bremen nicht weiter?

Claudio Pizarro: Wir haben uns einfach nicht geeinigt – und das hat nichts mit finanziellen Dingen zu tun. Die Bremer wollten nicht mehr, dass ich bei Werder weitermache. Aber es gibt kein böses Blut.

Sie könnten Ihre Ex-Kollegen noch weiter in die Krise schießen.

Claudio Pizarro: Das wäre natürlich sehr gut für uns und schade für Werder (lacht). Mich interessiert aber einzig, dieses Spiel zu gewinnen. Und wenn ich dann auch noch treffe, dann würde ich mich sehr freuen.

Also werden Sie auch jubeln?

Claudio Pizarro: Nein, das mache ich nicht. Ich würde mich innerlich freuen.

Sie sind jetzt ein paar Monate aus Bremen weg. Haben Sie weiterhin noch größeren Kontakt zum SV Werder?

Claudio Pizarro: Ich habe viele Freunde in Bremen und habe mir auch das letzte Spiel angeschaut. Werder ist in meinem Herzen, am Wochenende allerdings nicht, da werde ich versuchen Tore zu erzielen und zu gewinnen. Aber ich werde meine Kollegen immer vermissen. Wir hatten zusammen eine gute Zeit in Bremen.

Bei Werder soll der Job von Trainer Alexander Nouri akut gefährdet sein. Haben Sie Mitleid mit ihm, dass er nach einer Niederlage in Köln seinen Job verlieren könnte?

Claudio Pizarro: Ich habe das nicht so verfolgt. Aber ich kann kein Mitleid haben, mein Kopf ist Sonntag beim 1. FC Köln. Wir sind ebenfalls in einer schwierigen Situation.

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In seinem FC-Debüt gegen Leipzig machte Pizarro „nur“ eine Vorlage für ein Abseitstor.

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imago/Uwe Kraft

Wie bewerten Sie denn die Situation des FC und für sich persönlich?

Claudio Pizarro: Wir wissen alle, dass wir in einer ganz schwierigen Situation sind. Und wir tun wirklich alles, um aus ihr heraus zu kommen. Ich bin sehr überzeugt, dass uns der erste Schritt dazu am Sonntag auch gelingt.

Beim FC steht Trainer Peter Stöger öffentlich noch nicht zur Debatte, von Manager Jörg Schmadtke erhält er Rückendeckung. Wie nehmen Sie die Situation wahr?

Claudio Pizarro: Unser Manager stellt den Trainer nicht infrage, da er die Qualitäten des Trainers genau kennt und weiß, was der Trainer mit der Mannschaft in den letzten Jahren erreicht hat. Offenbar sind das Vertrauen und der Glaube da, dass wir die Situation schon bald verändern können.

Wie erleben Sie derzeit Peter Stöger?

Claudio Pizarro: Sehr gut. Er ist ein sehr guter Trainer, der gut mit den Jungs umgehen kann. Und ich habe bereits gemerkt, dass die Jungs alles für den Trainer tun. Das ist sehr wichtig.

Welchen Eindruck machte die Mannschaft nach der dramatischen Niederlage in Stuttgart auf Sie?

Claudio Pizarro: Das war ein schwerer Moment – vor allem in unserer Situation. Die Mannschaft hatte erneut alles getan, um dieses Spiel zu gewinnen. Wir haben wieder unseren Chancen nicht genutzt und bekommen dann das Gegentor. Trotzdem kommen wir wieder ins Spiel rein, gleichen aus, können sogar das 2:1 machen – und ganz am Ende bekommen wir ein solches Gegentor. Doch als Profis sollten wir wissen, dass es jetzt nicht anders hilft, als noch weiter und härter zu arbeiten.

Was haben Sie auf der Bank gedacht, als Ihre Kollegen so viele Chancen vergaben? Zuckte da nicht der Fuß des Stürmers?

Claudio Pizarro: Das ist immer so! Aber ich weiß auch, dass ich noch nicht ganz fit bin beziehungsweise war. Nach dem Training in der Woche waren die Beine etwas schwer. Aber wenn ich reinkomme, versuche ich weiter meine Chancen zu nutzen. Momentan ist alles gut. Ich habe in der Länderspielpause sehr gut trainiert und eine kleine Vorbereitung gemacht. Für mich wäre es kein Problem, von Beginn an zu spielen. Ich hoffe das auch, aber das entscheidet der Trainer.

Es könnte Ihre letzte Profi-Saison sein. Werders Verantwortliche sollen Ihnen im Anschluss an die Karriere bereits einen Job im Verein in Ausssicht gestellt haben.

Claudio Pizarro: Wir haben darüber gesprochen, es aber noch offen gelassen. Ich schließe das aber nicht aus, es ist eine Möglichkeit.

Hatten Sie in den Wochen ohne Verein zwischenzeitlich auch an das Karriereende gedacht?

Claudio Pizarro: Nein. Ich hatte ja ein paar Anfragen, aber es war noch nicht die richtige dabei. Ich hatte Geduld und konnte warten.

Und das Karrierende...?

Claudio Pizarro: ...das ist natürlich nicht mehr ganz weit weg (lacht). Aber ich habe ja erklärt, dass ich diese Saison noch spielen will. Die nächste dann vielleicht nicht mehr, aber konkret ist auch das noch nicht. Vielleicht fühle ich mich ja auch nächste Saison noch super und hänge eine weitere dran.

Im nächsten Jahr steht eine WM an. Peru hat sich für die Playoffs qualifiziert. Wäre die Endrunde noch ein Ziel für Sie, haben Sie Kontakt zum Nationaltrainer Ricardo Gareca?

Claudio Pizarro: Ich habe immer Kontakt zu ihm. Wir haben zuletzt aber mehr über die Spiele an sich als über meine Nominierung gesprochen, ich war ja auch noch nicht ganz fit. Aber der Traum von der WM ist immer da. Ich kennen den Trainer und die Spieler, und sie kennen mich: Wenn ich richtig fit bin, kann ich der Mannschaft auch helfen. 

Aufgezeichnet von Lars Werner