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FC-Stürmer Simon Terodde: „Habe gearbeitet bis ins Unmenschliche“

Terodde_Interview

FC-Torjäger Simon Terodde

Foto:

Eduard Bopp

Palma de Mallorca -

Herr Terodde, wie gehen Sie mit Ihrem Lauf um? Denken Sie viel darüber nach – oder verdrängen Sie ihre Torserie, um nicht zu sehr ins Grübeln zu geraten?

Ich versuche,  meiner Qualität zu vertrauen. Und natürlich vertraue ich der Mannschaft; meinen Hinter- und Nebenleuten. Wir sind immer in der Lage, uns Chancen zu erspielen. So gehe ich in die Spiele: Ich weiß, dass Chancen kommen. Selbst wenn ich mal eine oder zwei nicht nutze, lasse ich den Kopf nicht hängen, weil ich die Überzeugung habe, dass mich die Mannschaft früher oder später wieder in die Situation bringen wird.

Gibt es Abläufe, die Sie beibehalten?

Ich habe keine Rituale, und mein Aberglaube ist auch nicht sonderlich ausgeprägt. Viel wichtiger als Aberglaube ist für mich der Glaube an die eigenen Qualitäten. Ich setze eher auf das Training. Da kommen die Spielzüge vor, da bereiten wir uns auf die Gegner vor. Irgendwann bilden sich Automatismen, und wenn man nach Erklärungen für meinen Lauf sucht, muss man am Ende wohl vor allem festhalten, dass ich in einer sehr offensivstarken Mannschaft spiele.

Das ist die Erklärung, warum Sie 22 Tore in 17 Spielen erzielt haben? Ihre starken Kollegen?

Starke Kollegen sind  die Voraussetzung für Erfolg. Im Profi-Fußball gibt es nur ganz wenige, die ein Spiel alleine entscheiden. Am Ende kommt es natürlich auch auf mich an.  Als Stürmer entwickelt man ein Gefühl für Situationen im Strafraum und die will ich nutzen.

Vielleicht hilft ein Beispiel: Ihr Tor neulich gegen Bochum, als Sie einen Pass des Gegners in den eigenen Strafraum erahnten und den Ball mit dem ersten Kontakt ins lange Eck schossen, ohne gesehen haben zu können, dass der Torhüter neben seinem Tor stand.

Da darf man vor allem nicht abschalten, sondern muss spekulieren. Selbst wenn man die Wege vier, fünfmal umsonst macht. Ich kenne den Bochumer Torwart allerdings auch gut, denn wir haben zusammen gespielt. Ich weiß, dass er sich außen anbietet, deswegen habe ich gedacht, dass ich nur irgendwie das Tor treffen muss, weil der Ball des Verteidigers so auch nicht geplant war.

Sie sind kein Einzelsportler, aber am Ende der Mann, auf den alle schauen und der gefeiert wird, wenn er das Tor erzielt hat. Ist der Mannschaftserfolg dennoch wichtiger als der des Einzelnen?

Auf jeden Fall. Ich bin Teil einer Mannschaft, und ich bin auch nicht der einzige, der trifft. Wir haben mit Stuttgart nach dem ersten Spieltag in der Ersten Liga die Spielweise umgestellt und dann auch nur wenige Tore kassiert. Da habe ich mich gern in den Dienst der Mannschaft gestellt und  gearbeitet bis ins Unmenschliche. Wir haben mal 1:0 gegen Mainz gewonnen, ich habe noch einen Elfmeter verschossen. Und trotzdem war ich anschließend richtig glücklich. 

Wie haken Sie vergebene Chancen ab? Teilen Sie sich ihre Läufe ein, um für die jeweils nächste Aktion ausgeruht zu sein?

Man muss pausenlos arbeiten, es gibt keine Ruhephasen im Spiel. Das ist aber auch eine grundsätzliche Sache: Man muss seine Aufgabe kennen. Wenn man mit einer Spitze spielt, muss man die Innenverteidiger binden. Wenn man dann ständig wild rausläuft, um Ballkontakte zu haben, bringt man alles durcheinander. Man muss der Position treubleiben und auch mal aushalten, wenn zehn Minuten lang kein Ball kommt. Dann wird man früher oder später belohnt.

Worin besteht die Belohnung beim Toreschießen?

Entscheidende Tore sind natürlich besonders. Das Tor gegen Mönchengladbach in der Nachspielzeit, davon werde ich wohl noch in dreißig Jahren erzählen. Nach einem 1:3 den Ball aus dem Tor zu holen – das ist dann nicht gerade ein spezieller Moment.

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Torjäger Simon Terodde findet überall eine Kanone – ob in der Zweiten  Liga oder im Trainingslager in Mallorca. 

Foto:

Eduard Bopp

Dann ist also die Relevanz des Tors wichtiger als die kunstvolle Ausführung?

Die schönsten Tore sind für mich die, wo man nur aus einem Meter den Ball über die Linie schieben und eigentlich gar nichts machen muss. Die sind zwar auch irgendwie geschenkt. Aber da trägt mich ja keiner hin, da muss ich dann auch schon richtig stehen. Solche Dinger aus einem halben Meter ins leere Tor – die sind schön.

Wie muss man sich das vorstellen, wenn der Ball dann reingeht und das Stadion explodiert?

Im Heimspiel ist das schon genial. Die Torhymne bei uns, das ist die schönste Hymne Deutschlands. Das sagen übrigens auch hinterher die Gegner. In Köln ist das etwas ganz Besonderes – in dieser fußballbegeisterten Stadt. Das macht richtig Spaß und ich versuche, das vollständig aufzusaugen.

Motiviert Sie die Aussicht, dem nächsten Rekord etwas näher gekommen zu sein?

Über die Rekorde mache ich mir keine Gedanken. Die kommen einfach. Ich nehme mir nicht vor jedem Spiel vor, zwei Tore zu machen. Die Gesamtsituation muss stimmen. Ich habe in Bochum mal 25 Tore gemacht, da waren wir aber zehn Punkte hinter den Aufstiegsrängen, da bringen all die Tore dann auch nichts.

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Simon Teroddes typischer Torjubel

Foto:

Herbert Bucco

Rechnen Sie hoch, was am Ende der Saison auf Ihrem Torkonto stehen könnte?

Nein, gar nicht.  Das ist mein Job. Ich fühle mich auch wirklich nicht als besonderer Spieler. Ich habe natürlich ein Gefühl dafür, wo ich stehen muss, wenn Spieler wie Dominick Drexler, Louis Schaub oder Marcel Risse am Ball sind. Ich weiß ganz genau, dass ich das nicht allein schaffe, sondern dass Spieler mit besonderen Qualitäten um mich sind. Die auch mal einen Gegner aussteigen lassen. Die Fähigkeiten habe ich nicht. Man sieht ja an meinen Toren, dass ich nicht drei Übersteiger mache und noch zwei Leute abschüttele.

Diese schlichte Klarheit Ihrer Tore hat etwas Erhabenes.

Ja, deswegen habe ich Spieler wie Mario Gomez oder früher Roy Makaay bei Bayern München auch immer so bewundert. Makaay hat wahrscheinlich in seiner gesamten Karriere keinen einzigen Übersteiger gemacht, das fand ich super. Er war einfach eiskalt vor dem Tor. Mir hat das schon immer gefallen, darum bin ich auch kein Mittelfeldspieler geworden oder Außenbahnspieler oder Verteidiger. Ich fühle mich vor dem Tor sehr wohl.