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Kommentar: Geht doch – endlich Schwimmen und Co. im TV-Hauptprogramm

gold schwimmen

Jacob Heidtmann (v.l.), Reva Foos und Henning Muehlleitner bejubeln ihre Goldmedaille

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AFP

Ginge es im Sport allein um die Präsenz auf TV-Bildschirmen, gingen diese europäischen Meisterschaften ohne Zweifel als Erfolg in die Geschichte ein. Zwölf Stunden Rudern, Turnen, Leichtathletik, eineinhalb Wochen lang, jeden Tag, mit beachtlicher Zuschauerresonanz an den Wettkampfstätten, bei ARD und ZDF, BBC und Rai. Werbung für alle Sportarten, die nicht Fußball heißen. Vorbei scheint die Zeit, in der WM-Finals in der olympischen Kernsportart Beckenschwimmen auf ZDFinfo nicht an die Reichweiten von Hitler-Dokus herankamen. Ein Jahr ist das erst her, nun hat das ZDF sogar Vorläufe im Hauptprogramm gezeigt, die Heute-Sendung verschoben, 4x100 Meter Freistil gingen vor. Geht doch.

Die Fortsetzung auf nationaler Ebene ist schon geplant: Zehn Deutsche Meisterschaften zur gleichen Zeit, im August 2019 in Berlin, mit zehn Stunden Live-Programm an zwei Tagen. Vielleicht kommt für die Schwimmer da mehr heraus als die dreieinhalbminütige Zusammenfassung der DM vor drei Wochen.

Es geht nicht nur um Sendeminuten

Im Sport aber geht es eben nicht nur um Sendeminuten und TV-Marktanteile, Selbstzweck sind sie schon gar nicht. Die Beckenschwimmer werden ihre Fernsehzeit im kommenden Jahr eine Woche nach ihrer WM mit einer sportlich zweifelhaften DM bezahlen. Der nationalen Meisterschaft wird so kurz nach dem Saisonhöhepunkt ihr Generalproben-Charakter genommen, den Athleten die Möglichkeit, Normzeiten für internationale Meisterschaften zu schwimmen. Sportarten wie der Moderne Fünfkampf und das Ringen sind mit Regeländerungen schon an die Grenze des vertretbaren gegangen, die eigene Identität nicht zu verlieren. Alles für mehr Attraktivität im Fernsehen – und aus Sorge, aus dem olympischen Programm und damit unter die Wahrnehmungsschwelle zu fallen.

Hoffentlich wird der Sport belohnt

Bleibt zu hoffen, dass der Sport für diese Entscheidungen belohnt wird. Dass mehr Spitzenathleten Sponsorenverträge erhalten, um das Training bezahlen zu können. Dass die Leistungen von Florian Wellbrock, Andreas Toba und Gina Lückenkemper im Jahresverlauf regelmäßiger gewürdigt werden, auch im Fußball-Umfeld, der Samstags-Sportschau. Denn die müsste schon längst „Bundesliga-Schau“ heißen. Dass die Athleten junge Mädchen und Jungs inspirieren und in Turn-, Schwimm- oder Leichtathletikvereine ziehen. Dass die Euphorie dieses Sportfests nicht verfliegt, wenn die Kameras wieder in den Fußballstadien aufgebaut werden. Die Bewährungsprobe beginnt jetzt.