Das Wallczka, eine Institution in Ehrenfeld, hat im Kwartier Latäng einen Bistro-Ableger bekommen. Was das kulinarisch bedeutet, hat Julia Floß erkundet.
LieblingsortWarum man jetzt unbedingt Lángos zum Aperitif probieren sollte

Auch im Wallczka Bistro treffen die Macherinnen den Punkt zwischen Avantgarde und Retro. Hier Kellnerin Freda Kallen mit der Lángos-Variante Sabiche
Copyright: Arton Krasniqi
Seit fast einem Jahrzehnt betreiben Iga Raczka und Julia Wallstab ihr „Wallczka“ in Ehrenfeld. Für mich gehören sie zu den stilsichersten Gastronom*innen der Stadt. Ihre Handschrift ist geradlinig mit hohem Wiedererkennungswert. Es geht um Qualität, Liebe zum Detail und Trendbewusstsein. Irgendwie treffen sie immer genau diesen einen Punkt zwischen Avantgarde und Retro und lassen das auch noch mühelos erscheinen. Das gilt sowohl für das Interieur als auch für das Konzept.
Im Wallczka ist man vom Frühstück bis zur Mezze-Platte immer gut aufgehoben. Die Cocktail- und die Weinkarte sind ein ziemlich sicheres Indiz für eine gewisse Begeisterung gegenüber der Aperitif-Kultur. Ein weiteres Indiz dafür hat kürzlich in der Kyffhäuserstraße eröffnet: das Wallczka Bistro. In den ehemaligen Räumen des kolumbianischen Restaurants Rosa & Paula werden nun Lángos, saisonale Snacks und Kaltgetränke gereicht.

Null Schnickschnack im Wallczka Bistro
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Julia und Iga sind ihrem Stil treu geblieben: blanke Wände, Farbkontraste, Minimalismus. Platz für Schnickschnack ist hier nicht. Das Lokal ist ziemlich schmal. Im vorderen Bereich wurde deshalb ein Tresen angebracht und im hinteren eine geschwungene Holzbank. Sobald der Frühling kommt, wird sich das Platzproblem ein wenig entspannen. Es gibt sowohl einen Hinterhof als auch Außengastronomie samt Markise.
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Lángos kennen viele von der Kirmes. Ein knusprig frittierter Teigfladen mit Sauerrahm und geriebenem Käse
Aber jetzt zum kulinarischen Angebot. Die Macherinnen bezeichnen sich als experimentierfreudig und gleichzeitig bodenständig und genauso liest sich die Karte. Lángos kennen viele von der Kirmes. Ein knusprig frittierter Teigfladen mit Sauerrahm und geriebenem Käse. Im Wallczka Bistro steht der Snack in zwei Größen und mit verschiedenen Belägen auf der Karte. Entweder klassisch, wie oben beschrieben, oder als Basis für eines meiner liebsten Gerichte aus der Levante: Sabiche. Auf den goldbraun ausgebackenen Hefeteig wird Tahini-Joghurt gestrichen. Dazu kommen gegrillte Auberginenstückchen, roh marinierter Rotkohl, ein gekochtes Ei, Kartoffelstroh, Tomate, Gurke und ein paar Löffel Zhoug, eine leicht scharfe Kräutersauce. Der „Lángos saisonal“ wird aktuell mit Schmand, gebackenem Kürbis, Honig, Parmesan und schwarzem Pfeffer gereicht. Fruchtig, süß, cremig, knusprig, umami - auch dieser Bausatz kann punkten.

Ein Bistro für die Aperitif-Kultur
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Mein Favorit ist allerdings die süße Version mit Vanille-Schmandcreme, Zwetschgenkompott und Zimt. Die Kombination ist altbewährt und erinnert ganz stark an lauwarmen Zwetschgenkuchen direkt aus dem Ofen. Das kann ja nur gut sein!
Ein unerwarteter Schatz: Rosenkohlsalat mit Walnüssen
In den hübsch gestalteten Speiseheftchen finden sich allerdings noch ein paar unerwartete Schätze. Der Rosenkohlsalat mit Walnüssen kommt ganz unauffällig daher. Roh gehobelter Rosenkohl - was soll daran schon besonders spannend sein? Zwei Bissen später sitzt man kopfschüttelnd neben dem blass grünen Häuflein und fragt sich, was auf diesem Tellerchen passiert. Die Antwort: Teriyaki trifft Zitronen-Apfel-Vinaigrette, also süß-sauer plus umami. Simpel, aber sehr effektiv (und ganz arg köstlich). Beides gilt auch für den Rote Beete- und den Gurkensalat. Spätestens hier hat auch der letzte Gast die Hommage an die polnischen Wurzeln der Betreiberinnen begriffen. Die Rote Bete wird fein geraspelt und mit viel frischem Meerrettich kombiniert.

Mini-Bar im Wallczka Bistro
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Das liebe ich mindestens so sehr wie die schlichte Kombination aus Gurke, Dill und Rahm. Bei den Austernpilzen wird es etwas komplexer mit Pico de Gallo und Sesam-Mayonnaise. Die Pilze sind knusprig und perfekt gesalzen. Dazu kommt die Kombination aus der leicht scharfen, super frischen Salsa aus Tomate, Zwiebel, Chili, Koriander und Limette und der nussig cremigen Sesam-Mayonnaise. Richtig, das schmeckt genauso gut, wie es klingt.
Ich freue mich über diesen Neuzugang und sage herzliche Willkommen in der Kyffhäuser.
Wallczka Bistro, Kyffhäuserstraße 50, 50674 Köln, Öffnungszeiten: Di-Do 12-23 Uhr + Fr/ Sa 12-0 Uhr, Instagram: @wallczka.bistro
Meine Auswahl:
Lángos // mit Vanille-Schmandcreme, Zwetschgenkompott und Zimt // 7 Euro
Lángos // mit Tahini-Joghurt, gegrillter Aubergine, Rotkohl, Ei, Kartoffelstroh, Tomate, Gurke und Zhoug // 10 Euro (klein)
Buraczki // Rote Bete-Meerrettich-Salat // 6 Euro
Mizeria // Polnischer Gurken-Dill-Salat mit Sahne-Dressing // 6 Euro
Frittierte Austernpilze // mit Pico de Gallo und Sesam-Mayonnaise // 11 Euro



