Die Indie-Popband entdeckt immer neue Klangräume und kann nach zehn Jahren ein deutschlandweite Fangemeinde zählen.
Neue Platte und Tourauftakt im BüzeFortuna Ehrenfeld entdeckt das Glück

Heimspiele zum Tourauftakt: Fortuna Ehrenfeld spielte zur Premiere der neuen Platte gleich zweimal im Bürgerzentrum Ehrenfeld. Foto: Arton Krasniqi
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Zehn Jahre hat es gebraucht. Zehn Jahre, bis aus einem Solo-Projekt des Martin Bechler, die deutschlandweit bekannte Indie-Popband Fortuna Ehrenfeld geworden ist. Anfang 2016 hat er binnen zwei Wochen „Das Ende der Coolness II“ herausgekloppt, weil die vielen Texte, die in einem Kopf herumschwirren, sich in kleine Lieder verwandeln mussten, die mit ihren nackten und rauen Texten durch immer neue Klangräume reisen.
Das tun sie immer noch. Und Bechler, der nahezu alle Texte und Musiken schreibt, ist immer noch ihr Mittelpunkt. Aber nicht mehr so dominant, dass Jenny Thiele, die sich früher kaum zu singen traute, und Schlagzeuger Jannis Bentler am liebsten im Bühnendunkel verharren.
Das geht im Bürgerzentrum Ehrenfeld (Büze) bei zwei Konzerten zur Premiere der neuen 15. Platte, wenn man alle Projekte seit 2016 mitzählt, auch gar nicht. Dazu ist der Laden viel zu klein.
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Bechler, Thiele, Bentler. Das magische Trio. So ändern sich die Zeiten. „Live at the Hollywood Bowl“ ist eine Mischung, als hätte man Chansons und Sommerhits mit Irish Folk, einer Prise Punk und Boogie-Woogie zusammengeworfen und mit Bechlers Texten derart verrührt, dass selbst die KI sprachlos wäre, würde man sie damit füttern.
Das ist auch der Grund, warum Fortuna Ehrenfeld im vergangenen Jahr innerhalb weniger Tage erst im Molotow-Club auf der Reeperbahn und in der ausverkauften Elbphilharmonie aufsehenerregende Auftritte hinlegen konnte.
Wir schmeißen uns jetzt wagemutig in die neue Platte
Was in Hamburg geht, geht in Köln schon lange. Philharmonie im Oktober, Büze im März. „Wir schmeißen uns jetzt wagemutig in die neue Platte, von der wir glauben, dass sie natürlich das Beste ist, was wir jemals rausgeworfen haben“, ruft der Fortuna-Frontmann zur Begrüßung in den kleinen Saal, aus dem die Band eigentlich längst herausgewachsen ist.
Doch Bechler geht es um die Rückkehr zur eigenen Herkunft, um die Keimzelle von Fortuna in Ehrenfeld. Das ist zwischen Büze, EDP und Café Fridolin für ihn nicht bloß pure Nostalgie, sondern der Dank an einen „besonderen Ort“, an dem trotz fehlender Gelder und Kürzungen bei der Veedelsarbeit mit den unterschiedlichsten Gruppen „aus Scheiße Gold gemacht“ wird.
Von Ehrenfeld geht’s auf Tour. Fortuna entdeckt das Glück. 22 Stationen in Deutschland und der Schweiz. Doch das hier, im Büze, wird’s so schnell nicht mehr geben. „Hier arbeiten tolle Menschen“, ruft Bechler und herzt Jonathan Sieger, der den Laden seit Jahren zusammenhält und dabei „immer dahin geht, wo es weh tut“.
Weh tut danach gar nichts mehr. Höchstens die Tatsache, dass um 23 Uhr Schluss ist mit Büze. An zwei Abenden, von denen man glaubt, genau hier habe Fortuna Ehrenfeld das Glück entdeckt.
