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Krimi auf MelatenMordserie führt Ermittler auf die „Millionen-Allee“

2 min
Ein Mann mit Glatze und Brille steht vor Grabmälern auf einem Friedhof.

Krimi-Autor Thomas Krüger vor dem Steintor-Denkmal auf dem Melatenfriedhof. 

Der neue Krimi von Thomas Krüger nimmt den Leser mit auf Kölns berühmtesten Friedhof, Melaten. Und vermittelt am Rande allerlei Wissenswertes über  den Ort.

„Nirgends stirbt es sich schöner“. Wo mag das wohl sein? Spätestens nach der Lektüre des neuen Krimis von Thomas Krüger ist sicher: Auf Melaten natürlich. Dort ermittelt wieder der liebenswerte Friedhofsgärtner Konrad Leisegang als inoffizieller Mitarbeiter von Kommissar Heribert Rehbein. Und Martin Schmitz, der elfjährige, zweifache Klassen-Überspringer ist ebenfalls mit von der Partie. Wem diese Figuren bekannt vorkommen, hat womöglich bereits „Es rappelt in der Kiste“ gelesen. Damit debütierte der gebürtige Herforder vor einem Jahr als Melaten-Krimispezialist. Auch für den zweiten Teil verbrachte er viele Stunden auf dem Friedhof und noch mehr bei Recherchen im Internet.

Mordopfer finden sich auf dem Melatenfriedhof

Nun also der zweite Teil mit bekanntem Personal am vertrauten Ort. Dort mangelt es - naturgemäß - nicht an Toten. Aber zu den Abertausenden, die ohnehin schon hier liegen, kommen in rascher Folge weitere Dahingeschiedene, die eindeutig nicht von einem Bestatter nach Melaten gebracht wurden. Das ruft den Kommissar auf den Plan, der ohnehin regelmäßiger Melaten-Besucher ist.

Die Mordserie, mit der es Kripo und Hobbydetektive zu tun haben, steht in Zusammenhang mit einem 30 Jahre zurückliegenden, spektakulären Raub. Hier liegt der Schlüssel zur Aufklärung. Die etwas trottelig daher kommende Kripo tut sich damit schwer. Doch es gibt ja den Gärtner Konrad und seine Helfer.

Thomas Krüger brilliert erneut mit amüsanten Dialogen, kreativen Metaphern und detailreichen Schilderungen des Biotops links und rechts der „Millionen-Allee“. Hin und wieder wechselt er überraschend die Perspektive. Kölns bekanntester Friedhof ist zu allen Zeiten ein höchst lebendiger Ort. Etwas unheimlich und für manche auch gefährlich. Angesichts der lyrischen Beschreibungen bekommt der Buchtitel eine ganz eigene Bedeutung. Dabei gelingt es dem 63-jährigen Autor trotz des bisweilen auch schwarzen Humors stets, die Würde des Orts zu respektieren.

Bis zum temporeichen Showdown nach gut 400 Seiten wartet nicht nur eine spannende und wendungsreiche Handlung, sondern auch eine Menge Wissenswertes über den Friedhof, seine Umgebung und noch einigem mehr aus der Stadtgeschichte. Das Lesevergnügen lässt die wenigen Ungenauigkeiten rasch vergessen. 


Thomas Krüger: Nirgends stirbt es sich schöner, Wilhelm Heyne Verlag, 448 Seiten, 13 Euro. ISBN 978-3-453-44199-6