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Kommentar

Zweifel an Angriffen
In der Kölner Schiedsrichter-Affäre wurde eine Grenze überschritten

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Amateur-Schiedsrichter Pascal Kaiser macht seinem Freund Moritz einen Heiratsantrag im ausverkaufen Stadion des 1. FC Köln.

Amateur-Schiedsrichter Pascal Kaiser macht seinem Freund Moritz einen Heiratsantrag im ausverkaufen Stadion des 1. FC Köln.

Obwohl die Fakten nicht geklärt sind und die Staatsanwaltschaft inszenierte Straftaten vermutet, sprechen Politiker von queer-feindlichen Angriffen.

Queere Menschen werden beschimpft, bedroht und körperlich angegriffen. Das ist die traurige Realität in Deutschland. Wer glaubt, dass dies nur eine Randerscheinung ist, sollte beispielsweise mal das „Lagebild Hasskriminalität“ des Bundeskriminalamtes lesen, in dem eine drastische Steigerung der Straftaten gegen Menschen aus der LSBTIQ*-Szene dokumentiert wurde.

Die Attacken sind ekelhaft. Und es ist richtig, dagegen zu protestieren. Sich dagegen zu positionieren, auch mit deutlichen Worten.

Schiedsrichter-Affäre: Vermutungen zur Gewissheit umgedeutet

Aber der Fall des Kölner Amateur-Schiedsrichters zeigt, wie sich eine Geschichte verselbstständigen kann, wenn vorschnell Schlüsse gezogen werden. Dass etwas in sozialen Medien von (zum Teil auch noch) anonymen User gemacht wird, ist schlimm genug. Aber wenn dann auch noch Politiker aus Vermutungen die Gewissheit eines homophoben Überfalls suggerieren, ist eine Grenze überschritten.

Im Zusammenhang mit dem Kölner Fall hat beispielsweise Sophie Koch, die Queerbeauftragte der Bundesregierung, von Gegnern der freien und offenen Gesellschaft gesprochen, die queere Menschen „mundtot machen“ wollten. Sollte es sich jetzt bewahrheiten, dass sich der junge Mann in Lügen mit selbst inszenierten Drohmails und Überfällen verstrickt hat, dann hätte er „der gesamten LSBTIQ*-Community einen Bärendienst erwiesen“, meint Koch heute.

Aber, wohlgemerkt, Kaiser hat doch nie davon gesprochen, dass er wegen seiner Bisexualität attackiert worden sein könnte. Das hat Ruckzuck ein Teil der queeren Community übernommen, zu der auch die Bundesbeauftragte gehört. Anstatt die Schuld für einen möglichen Imageschaden jetzt auch noch dem Kölner Schiedsrichter in die Schuhe zu schieben, sollte Koch sich in Zukunft mit vorschnellen Einordnungen zurückhalten.